Die Fahrräder haben wir also nun in Tehran gelassen und ein Nachtzug brachte uns bequem nach Shiraz. Die Reise führt mitten durch das Land, was mehrheitlich aus Wüste und Gebirge besteht. Wir durchqueren das bis an die turkmenische Grenze reichende Elbrus-Kopet-Dag Massiv. Hier befindet sich der mit 5670 m höchste Berg des nahen Ostens, der erloschene, gletscherbedeckte Vulkan Damavand. Die Trockenheit wird lediglich unterbrochen durch grüne Streifen Landwirtschaft. Woher das Wasser für diese aber kommt ist uns unklar. Zudem ist der Iran wegen seiner Lage über zweier tektonische Platten immer wieder seismischer Bewegungen unterlegen, welche aber fast nie katastrophale Ausmasse annehmen. 

Und ja, dies ist das Shiraz, wo auch die gleichbennante Traubensorte ursprünglich herkommt. Seit der Revolution 1979 ist aber der Islamische Glauben bestimmend im Land und so wird der Saft dieser Traube hier nicht mehr vergährt. Generell gilt ein strenges Alkoholverbot, was aber nicht von allen eingehalten wird. Selbstgebranntes hat Hochkonjunkur.

Nebst der Traube hat Shiraz noch viel Geschichte zu bieten. Die altpersische Residenzstadt Persepolis war eine der Hauptstädte des antiken Perserreich unter den Achämeniden und wurde 520 v. Chr. von Dareios I im Süden Irans in der Region Persis gegründet. Der Name „Persepolis“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Stadt der Perser“. Nach 200-jährigem Bestand wurde sie 330 v. Chr. von den Truppen Alexander des Grossen in Brand gesteckt.

Wir logierten für einmal wieder in einem Hostel. Es tat gut, sich unter anderen Reisenden austauschen zu können. Wobei die meisten gut English sprechen, was eine flüssige Kommunikation zulässt. Auch konnten wir uns so auf die Sehenswürdigkeiten konzentrieren ohne jemandem seinen Fahrplan durcheinander zu bringen. 

Von Shiraz ging die Reise per Bus weiter nach Yazd. Yazd wird als eine der ältesten Städte der Geschichte beschrieben. Die Stadt wurde auf einer Oase gegründet und liegt zwischen den Wüsten der Dascht-e Kavir und Dascht-e Lut. Sie besteht seit dem dritten Jahrtausend vor Christus und ist das Zentrum der zoroastrischen Religion. Für die Wasserversorgung werden bis heute teilweise schon in der Antike angelegte Wasserkanäle und -röhren (Qanat) eingesetzt. Zur Kühlung und Belüftung der historischen Häuser dienen Windtürme, welche einer ausgeklügelten Klimaanlage gleichen. 

Wieder per Bus ging es weiter nach Esfahan. In dieser Stadt gibt es einen grossen Bevölkerungsteil an Christen, welche uhrsprünglich aus Armenien eingewandert sind. Zudem trennt ein breiter Fluss die Stadt. Im Sommer ist der Fluss aber trocken und so wandert jeder durch das trockene Flussbett ohne einer der Sehenswerten Brücken zu benutzen. 

Zurück in Tehran organiseren wir nun die Weiterreise. 

Noch ein paar Worte zum Ramadan. Hatten wir anfänglich unsere Bedenken zu dieser Zeit durch den Iran zu radeln, stellte sich dies als unproblematisch heraus. Die meisten Leute welche wir getroffen haben, machen nicht wirklich Ramadan. Wobei man sagen muss, dass Reisende, Arbeitende, Kinder und schwangere Frauen von dieser Pflicht enthoben sind. Aber auch sonst wird im Versteckten gegessen, getrunken und geraucht was das Zeugs hällt. So fanden auch wir immer wieder was zu Essen oder erhielten eine Einladung auf ein Tee im Shop. Einmal suchten wir nach einem Früchtestand im Bazar, worauf wir am Ende dem Ladenbesitzer sein Mittagessen wegassen und nicht mal dafür bezahlen durften. Gastfreundschaft wird sehr gross geschrieben in diesem Land. 

Letzte News sind, dass wir nun alle Visas für die Weiterreise bis nach China besitzen und hoffentlich keine bürokratischen Hürden mehr antreffen werden. 

Lieber Gruss,

Körndle & Patrik