Die ersten Tage im Sattel haben wir bereits wieder hinter uns. Zu sagen, es fühlt sich an als wären wir gar nie abgestiegen, wäre gelogen. Das Hinterteil schmerzt wieder und die Beine fühlen sich steif und müde an. Aber die Freude des erneut auf der Reise seins überwiegt!

Am Montag radelten wir gerade mal 40km nach Mümliswil. Unterwegs gabs ein Kaffee, spendiert von Ivan (Körndles Cousin) – an dieser Stelle nochmals vielen Dank. Am Ankunftsort versüsste uns die tolle Gastfreundschaft von Chantal & George den Start dann vollends. 

Tags darauf stand bereits das erste Hindernis im Weg, der Passwang. Mit 13% Steigung und unseren nicht grad leichten Rädern schnauften wir auf fast 1000müm, wohl der höchste Punkt für eine Weile. Päde & Sibylle päppelten uns am Abend aber mit einem leckeren Essen und ein paar Bierchen wieder auf. 

Mittwoch Morgen fuhren wir über die Grenze nach Deutschland und wer weiss, wie lange wir nun keinen Schweizer Boden mehr unter den Füssen haben werden. Dem Rhein entlag flussaufwärts gings Richtung Waldshut. Über das Wutachtal radelten wir nach Rottweil (wo die Hunde gezüchtet werden). Wobei uns in Achdorf ein Rast der besonderen Art aufwarten sollte. Lutz Gallinowski bietet allen Durchreisenden Getränke und kleine Snacks an, wobei der Erlös dessen an bedüftige Menschen oder Institution in Nepal geht, welche sich um die Flüchtlinge der von den Chinesen unterdrückten Regionen im Tibet kümmern. Seine eigene Reise und sein gegenwärtiges Werk sind eine grosse Inspiration für mich, vielen Dank Lutz. 

Weiter dem Neckar folgend radelten wir nach Stuttgart. Dort empfing uns Christoph in seiner Wohnung. Und klar, zum Abendessen gab es Spätzle mit Linsen und Würstchen, echt Schwäbisch halt. Christoph ist in seiner Freizeit Imker und so hatten wir am nächsten Morgen auch gleich lecker Honig zum Frühstück. Der Sonntag war unser erster Ruhetag und da war Tagwacht erst um 09:30. Nach dem Frühstück gings mit der Zacke (Zahnradbahn) vom Degerloch runter nach Stuttgart und zu Fuss in Richtung Bahnhof. Wobei dort wütet die Stuttgart 21 Baustelle und am Sonntag auch noch hunderte von Radfahrer, welche an einer Sternfahrt teilnahmen. Mit nem Eis in der Hand gings dann wieder auf den Nachhauseweg.

Nach einer Nacht in Heilbronn haben wir den Neckar verlassen und sind auf einem alten Bahntrasse ins Hinterland geradelt. in Oberneudorf empfing uns Julia in ihrem Elternhaus. Verköstigt wurden wir diesmal mit Grünkorn-Plätzchen und Kartoffelsalat. Grünkorn ist Dinkelkorn, halbreif geerntet und getrocknet. Somit konnte die Dinkelernte bei drohenden Schlechtwetterperioden gerettet werden. Lecker. 

Weiter folgten wir ein kurzes Stück dem Main, dann der Sinn und schlussendlich der Fulda nach Kassel. Den zweiten Ruhetag gönnten wir uns zuerst bei einem Ausflug in den Bergpark Wilhelmshöhe und abschliessend bei einem gemütlichen Abendessen in Begleitung unseres Host, Susanne.

Da es der Fulda und der Weser entlang unendlich viele Zeltplätze gibt, verbrachten wir auch öfters die Nacht zwischen Wohnwagen. Und die Camper sind lustige Leute. Kleine Anektote aus der Bäckerei: 

Er: Ich hätte gerne das Sportlerfrühstück. Die Bedienung: Müsli haben wir keines mehr, darf ich ihnen ein extra Brötchen anbieten? Seine Frau: Ach schon gut, Müsli hat mein Mann sowieso nicht gerne. 🙂

Nun sind wir in Bremen. Den gestrigen Tag schlenderten wir planlos in der Stadt herum und heute besuchten wir das Auswanderermuseum in Bremershaven. Dieses wurde uns von mehreren Seiten empfohlen und ist wirklich eine super Institution. Noch nie war einer von uns über 4h in ein und demselben Museum! Vorallem regt die Ausstellung zum Nachdenken an. Ist die Geschichte der Auswanderungen doch noch nicht so alt (ca.1850 bis 1960). Trotzdem kann man aber bereits wieder Parallelen ziehen zu der heutigen Entwicklung einiger Länder. Nur nennt man die industrielle Revolution heute Industrie 4.0, die Konzentrierung der Macht Erdogan und die Abschottung Brexit.   

Angekommen sind wir an der Nordsee. Weiter gehts an die Ostsee und wir nehmen wiedermal Kurs in Richtung Osten.  

So long.

Lieber Gruss, 

Körndle & Patrik