Aus meiner warmen und trockenen Wohnung (AirBnB) in Takamatsu wurde ich um 09:00 Uhr etwas unsanft geworfen, da irgend ein Versicherungsheini die Wohnung begutachten wollte. Dabei hatte ich eher an einen gemütlichen Start in den Tag gedacht. So denn halt. 

Auf Shikoku wollte ich mein Tagesprogramm etwas weniger aufs Fahrradfahren fokusieren. Nicht, dass ich nun langsam genug hätte davon, nein. Aber die Landschaft auf der Insel ist optimal um auch mal einen Berg zu Fuss zu besteigen. So radelte ich von Takamatsu (auf Umwegen) ins Iya-Tal. Bekannt ist das Tal vorallem für die alten Brücken, komplett aus Lianen gebaut und den Berg Tsurugi-San, den höchsten Punkt auf Shikoku. 

Das Tal, oder gerne auch als Schlucht bezeichnet, ist sehr abgeschieden und nur spährlich bevölkert. Dafür hat die Natur hier noch die Oberhand. Einzig die vielen Verbauungen zum Schutz von Murgängen zeugen von Zivilisation. Die wenigen Orte welche es im Tal hat sind in den Hang gebaut und haben sich nur neuzeitlich an die Hauptstrasse im Talboden erstreckt. So sieht man viel Terassenbau für die Landwirtschaft. 

Zuhinterst im Tal lies ich mein Velo stehen und erklimmte die Berge Minue und Tsurugi-San. Wobei grad der Tsurugi-San ein wichtiger Berg für den Buddhismus ist. Und so findet man immer mal wieder einen Tempel oder Schrein am Berg. Von Oben hat man eine gewaltige Aussicht ins ganze Tal und die umliegenden Berge. Jedenfalls hat ich es, mit dem Kaiserwetter, dass mich am Berg erwartete. Per Anhalter gings dann zurück zum Fahrrad. Dort traf ich auf einen Kanadier, der gerade genüsslich sein Abendbrot verspiess. Dabei sass er vor einer Hütte, dessen Türe offen war und uns gleich als Nachtlager dienen sollte. Ob legal oder nicht, haben wir nie erfahren. 

In Kochi hatte mich die Grossstadt wieder. Hier konnte ich meine Reserven auftanken für die Weiterfahrt zum Fluss Shimanto-Gawa. Dieser ist bekannt als einer der letzten, frei fliessenden Flüsse Japans, d.h. ohne künstliche Verbauung. Eh, wie bereits erwähnt, wird man in Japan gerne der Natur Herr und Meister, indem man Zement und Mörtel auffährt. Schade, denn das passt nun wirklicht nicht immer ins Bild. Aber diejenigen, die sich mit dem Japanischen Alpinismus vor und um den 2. Weltkrieg auskennen, wissen bereits aus dieser Zeit, dass die Japaner gerne mit allen Mitteln an den Berg traten um diesen zu bezwingen. Wenn’s um die eigene Ehre geht, macht man keine Kompromisse. 

Leider erwartete mich der Shimanto-Gawa mit dem nächsten Regentag. Anfangs noch ein leichtes Tröpfeln, schüttete es den ganzen Nachmittag aus Kübeln. So sah ich den Fluss und seine Gegend durch ein leicht eingeschränktes Blickfeld. 
Über die Westkste Shikokus gings dann hoch nach Imabari, wo die bekannte Brückenstrasse Shimanami-Kaido startet. Per Inselhüpfen geht es zurück aufs Festland von Honshu. Ich wälte die Alternativroute des Tobishima Kaido, welche zwar mit einer Fährverbindung startet, mich aber näher an die Stadt Hiroshima führte.

Mit Hiroshisma erreichte ich die zweite Stadt, welche durch tragische Umstände ihren Weg in die Geschichtsbücher fand. Eindrücklich ist die leere Hülle des Atomic-Bomb-Domes. Die ehemalige Mehrzweckhalle stand fast genau unter der Abwurfstelle der Bombe und so blieben die Aussenmauern des Gebäudes erhalten. Das Museum selber fand ich dann nicht ganz so interessant wie welches in Nagasaki.

Ganz in der nähe von Hiroshima befindet sich die Insel Miyajima, welche zu den 3 schönsten Plätzen Japans zählt. Und ja, die Insel hat seinen Charme. Zum einten ist da der wohl berühmteste und meist fotografierte Tempelbogen Japans (hölzerner, roter Torbogen, genannt Torii, welcher im Meer steht) und zum andern hat man vom Berg Misen (535müm) eine umwerfende Aussicht in die Bucht von Hiroshima. Und wie so oft in Buddistishen Tempelanlagen in Japan, laufen hier die Hirsche frei herum. 

Da die Insel im Süden von Hiroshime liegt, ich aber in den Norden will, querte ich die Stadt ein zweites mal. Und diesmal lies ich mir die Gelegenheit nicht nehmen, die lokale Spezialität „Okonomiyaki“ zu kosten. Okonomiyaki ist eine Art Pfannkuchen aus Kabis, Teigwaren, Ei und weiss der Teufel was sonst noch da alles drin ist. Aber echt lecker und für einen Fahrradfahrer-Magen genau das Richtige. 

Mit dem kleinen Küstenort Yunotsu erreichte ich die Küste des japanischen Meers. Der Ort diente früher den reichen Leuten aus den nahegelgenen Silberminen um für ein paar Tage der Hektik zu empfliehen und in den lokalen Thermalbäder ihre müden Knochen zu relaxen. Und genau das war auch mein Plan. Ich wählte natürlich das älteste der Onsen (Thermalbad) im Ort. Was ich nicht wusste ist, dass das kältere der beiden Becken eine Wassertemperatur von über 45°C hat. Da hat der Begriff sich durchkochen zu lassen doch etwas Wahres. Vom wärmeren Becken kenne ich die Temperatur nicht, da es für mich unmöglich war an den Thermostat zu gelangen. Zu meinem Trost hielten es die Einheimischen aber auch nicht länger als 2-3 Minuten im Wasser aus. Nur die machten es ohne eine Mine zu verziehen. Mein Showspiel war da doch etwas amüsanter 😉  

Gargekocht folgte ich der Küste nach Tottori. Im Gegensatz zur südlichen Küste, ist diese hier doch schroffer, wilder und zerklüfter. In Tottori jedoch, besucht man die grösste Sanddüne Japans. Schon wieder einer dieser Gegensätze. Nächster, nenneswerter Halt war Kanazawa. Die Strecken dazwischen absolvierte ich möglichst effizient in langen Tagen. Nicht das die Gegen nicht auch reizvoll wäre, nein, aber Küsten und Meer hatte ich nun doch so einige gesehen. Zudem wollte ich noch ein paar Tage in den Japanischen Alpen um die Stadt Nagano verbringe. Ein Zwischenfall habe ich jedoch noch zu Berichten. Als ich wiedermal in einem netten Park zeltete, wurde ich nach dem Morgenessen (07:00) von den lokalen Leuten freundlich aber bestimmt zur Abreise angewiesen, da ich doch die Verschähmtheit hatte auf deren „Ground-Golf-Platz“ zu zelten. Was Ground-Golf genau ist, googelt es.  

In Kanazawa traf ich auf einen Bekannten, welchen Körndle und ich in Bangkok kennenlernten, als wir im selben Hostel wohnten. Aki betreibt ein Fahrradladen in der Stadt und da ich am Sonntag eintraf, lud er mich ein für die Nacht Gast zu sein. Das tat ich sehr gerne, denn seine Frau könnte gut auch eine Köchin in einem 5*Hotel sein. Zudem hausen die Beiden für japanische Verhältnisse in einem ziemlich grossen Appartment. 

Über die Shibu Toge Passstrasse gings von Nakano aus nun erst mal ziemlich steil hoch. Eine Nacht noch am Meer, passierte ich 2 Tage später den Pass auf 2172müm. Die Gegend hier oben ist ein Mix aus Vulkanlandschaft und Gebirge. Ziemlich interessant, jedoch mit den Alpen sehe ich keinen Vergleich. Denn auch die Vegetation reicht meist bis hoch zu den Gipfeln. Hinter dem Pass erreichte ich den Ort Kusatsu welcher mich dann doch irgendwie an die Alpen errinnerte, mit seiner Aufmachung als Ski- und Berg-Destination (Flanierzone mit teuren Geschäften, protzige Hotels und viele Leute in teuren Klamotten). 

Die nächste Passstrasse reitzte mich rein schon wegen dem Namen: Venus Line. Die Venus brachte mich erneut auf kanpp 2000müm wo mich ein Hochplateu mit 2-3 wunderschönen Seen erwartete. Ich lies es mir nicht nehmen, hier nochmal in ein Onsen zu steigen um meine Glieder zu stärken und eine Nacht das Zelt am See aufzuschlagen. So ein Zeltplatz ist hart zu übertreffen und nur der Berg Fuji hätte das Zeugs dazu gehabt. Dieser versteckte sich bei meiner Ankunft jedoch hinter einem Schleier aus Dunst und Wolken. 

Und so hiess meine nächste Destination Osaka. Zurück in die Stadt, an den Flughafen, Fahrrad verpacken und ab nach Hawaii. Einziger nenneswerter Zwischenfall war, als ich auf zwei Radler aus Polen traf (wohl bemerkt auf dem wohl abgelegensten Zeltplatz/Park meiner Japan Tour) und diese zum Abendessen eine Flasche Whiskey aus der Tasche zauberten. Am nächsten Morgen fanden dann die lokalen Gemeindearbeiter, dass es morgens um 5:30 Zeit ist, genau in diesem Park das Gras zu mähen. Und so radelte ich in aller herrgottsfrüh mit einem Hangover weiter.

Nun sitzte ich in Osaka und warte auf meinen Flug nach Hawaii. Von da dann wieder mehr Neuigkeiten. 

Lieber Gruss,

Patrik