Wir warteten noch die Lieferung unseres neuen Wasserfilters (MSR Guardian) in Deutschland ab, dann gings endlich über die Grenze nach Polen. Bereits die Grenzstadt Swinoujscie, verkündigt neues Leben im neuen Land. Ist der Ostseeteil in Deutschland doch eher ruhig und gesittet, stept nach dem Schlagbalken wieder der Bär. An unzähligen Marktständen wird Ramsch lauthals feilgeboten, Taxis und Kutschen warten auf Kundschaft und, der beibehaltenen Währung Zloti sei Dank, gibt es auch noch die altbekannte Wechselstube.

Die Strassen sind ab nun merklich schlechter und den Veloweg sucht man vergebens. Auch das Tempo der Autofahrer nimmt rassant zu. Überland, Stadtverkehr oder auf dem Parkplatz, die Devise scheint immer die selbe, Vollgas voraus. Nicht immer angenehm für den Radfahrenden. Aber nach dem Moto „Defensive ist der beste Schutz“, kriegen auch wir die Kurve. 

Kurz nach der Grenzstadt fahren wir bereits durch den ersten Nationalpark. Schöne Hügellandschaft direkt am Meer mit imposanten Klippen und dichten Wäldern säumen unsere Route. Auf einem netten, kleinen Camping stellen wir unser Zelt, kochen unser standart Abendmahl und erkunden die 6-7 Häuser der Ortschaft. Ausbeute der Erkundungstour, ein nettes Gespräch mit dem Bademeister und ein leckeres Eis. So macht Polen spass. 

Unsere Route führte weiter Richtung Kotoberzeg, Koszalin und Bytow nach Gdansk (Danzig). Leider stellte Petrus wiedermal auf Sturm und so radelten wir tagsüber eingehüllt in unsere Regenkleider und suchten abends ein trockenes Dach. Bald mal stellte sich heraus, das Essen in Polen ziemlich günstig ist (Abendessen 7-8 CHF/Pers.), die Übernachtung im Verhältnis dazu aber immer noch ihren Preis hat (DZ ab 50 CHF) hat. Aber wir wissen ja mittlerweilen, wie man zu den Schnäppchen kommt. 

Und so landeten wir in Danzig völlig durchnässt bei Adam in der Wohnung. Als die Fahrräder da auch noch mit hinein mussten, hatten wir fast ein schlechtes Gewissen, aber eben nur fast. 

Am nächsten Tag machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Und wer noch nicht weiss wohin sein nächster Städtetrip geht, Danzig sollte definitv ganz oben auf die Liste. Danzig hat eine sehr schöne, grosse Altstadt. Wobei vieles wahrscheindlich gar nicht so alt ist wie es aussieht, haben die Aliierten der Stadt vor ca. 70 Jahren doch so einiges an Blei geschenkt. 

Wir verköstigten uns mit lokalen Spezialitäten, Pierogi (gefüllte Teigtaschen) und eine Suppe im Brot-Topf serviert. Auch fanden wir eine Gelateria die bereits seit über 50 Jahren besteht. Dies ist beachtlich, bedenkt man doch die Knappheit der Güter in der Zeit des Kommunismus. 

Die Weiterreise führte uns am Konzentrationslager Stutthof vorbei. Dieses zu Besuchen war heftig. Wir kennen alle die Grausamkeiten des zweiten Weltkriegs und der Judenverfolgung. Steht man aber auf den Steinen an denen einst das Blut unschuldiger Menschen klebte und schaut man an die Wände die noch stille Zeugen dieser Zeit sind, dann fühlt man sich unendlich traurig im Wissen zu welchen Schandtaten die Menschheit fähig ist. 

Nach einer Nacht in Elblag wollten wir die Schiffsaufzüge des Oberlandkanals erkunden. Um den Höhenunterschied im Gelände zu überwinden, entschied man hier anstelle der üblichen Schleusen, Schrägaufzüge getrieben aus reiner Wasserkraft zu Bauen. Einst des Güterverkehrs gedacht, benutzen die Anlage heute nur noch Touristenschiffe. Sehr eindrücklich, wenn man ein Schiff am Horizont auftauchen sieht und da nur grüne Wiese ist. 

Unsere nächsten Destinationen waren Morag, Lutry, Wegorzewo und Goldap, bevor wir die Grenze nach Litauen überschritten. Besser bekannt als die Masurische Seenplatte oder einfach Masuren, ist die Landschaft ein Mix von Weideland und Wälder durchzogen mit vielen Binnengewässer. Die sanften Hügel, das wenige Vieh und die Höfe ähneln sehr stark dem Schweizer Jura. 

Ebenfalls omnipräsent im ganzen Land sind die mächtigen Kirchen und Klöster. Das Papst Johannes Paul der II als einer der Ihren in den Vatikan geholt wurde, ehrt die gläubigen Polen besonders. Nur den Fremden gegenüber geben sich die Leute ziemlich verschlossen. Nicht mal ein nettes „Dobre“ (kurzform für guten Tag) kriegt man, geschweigen den ein Lächeln geschenkt. Für uns jedenfalls zeimlich ungewöhnlich nach all unseren Begegnungen im letzten Jahr.  

Auf unserem Tagesprogramm stand auch ein Besuch der Bunkerstätte Wolfsschanze an, wo sich A. Hitler von 1941 bis 1944 die meiste Zeit aufhielt und seine Grausamkeiten dirigierte. An diesem Ort wurde am 20. Juli 1944 auch das einzige Attentat auf ihn ausgeführt, erfolglos. 

Und so sind wir nun bereits in Litauen und steuern in Richtung Riga, Lettland weiter nordwärts. 

Lieber Gruss, 

Körndle & Patrik