Bitte verzeiht, aber aus dem Bericht aus Seoul wurde nichts. Wir waren schreibfaul, fanden keine Ruhe, hatten zu tun mit Bikeboxen packen und der Umstellung vom Radfahrer zum Backpacker. Egal, dafür folgt ein Weiterer jetzt.

Mr Choi und Mrs Lee verliessen wir sehr ungern. Die Gastfreundschaft war enorm und wir fühlten uns wie zu Hause. Die Lichtinstallation funktionierte auf Anhieb und verlangte von daher auch keinen längeren Aufenthalt. Der Abschied war turbulent. Mrs Lee plagte einen schlimmen Husten bis zum Erbrechen. Zur Beobachtung blieb sie über Nacht gleich im Spital. Unsere dankenden Worte und Genesungswünsche wurden somit per Whatsapp übermittelt. 

Die Fahrt bis nach Seoul war angenehm. Bei Sonnenschein und auf einer verkehrsarmen Regionalstrasse gelangten wir zu unserem ersten Zeltplatz. Wiederum in einem Holzpavillion mit Aussicht in eine Meeresbucht in der Salz gewonnen wird. Viele kleine Krebse krabbelten beim Gang zur Toilette um unsere Füsse.

Mit der frischen Meeresbrise im Gesicht gelangten wir am zweiten Tag auf die Inseln Sinsido und Seonyu. Sie wurden uns von Elodie und Roman (Bekanntschaft aus Busan) empfohlen. Die Inselgruppen sind über einen Damm mit dem Festland verbunden, welcher zur künstlichen Landgewinnung dient. Partiel werden Teile des Binnenmeers trocken gelegt und für die Landwirtschaft oder industielle Betriebe freigegeben. 

Anfang Oktober feiert Südkorea die Zeit des Erntedankfestes (zusammen mit dem Tag der Streitkräfte, dem Gründungstag der Nation und dem Tag des koreanischen Alphabets). Dementsprechend waren wir nicht die Einzigen unterwegs. Die Zeltplatzsuche war aus Mangel an Platz und starken Winden auch überhaupt nicht einfach. Körndle kletterte aus Intuition ein paar Steinblöcke weiter und fand eine Betonplatte die sich als Zeltplatz sehr gut eignete. Zwei koreanische Motorradfahrer gesellten sich auch gleich zu uns. Mit Fahrrad sind die beiden auch oft unterwegs. Im August leiteten sie eine 12tägige Radreise durch die Mongolei. Auf der Videozusammenfassung erkannten wir sogar ein bekanntes Gesicht. Die Reisegruppe traf auf Michel, unser Host in Kunming, China. Die Welt ist nun mal einfach klein

Dem Fluss Geum folgend, verbrachten wir einen ruhigen dritten Tag. Velowege vereinfachten die Navigation und bieten genügend Unterstände für Rast und Nacht. Am darauffolgenden Tag wurde uns von mehreren Quellen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Regen am Abend vorhergesagt. Da wir uns in einer Gegend mit hoher Dichte an UNESCO Weltkulturerbe bewegen (Gongju) und immer noch Ferienzeit ist, wussten wir, dass die Hotelsuche schwierig sein könnte. Zudem haben wir schon mehrmals gehört, dass man in 24h Spas (Termalbäder) günstig übernachten kann. Genau das Richtige für heute Abend. Beim Einchecken sicherheitshalber nochmal nachfragen, ob das mit dem Übernachten ok ist, aber klar doch. Für ca. 7.- CHF pP. kriegt man Zugang zur Bäderlandschaft mit Sauna und Wirlpool, Mann und Frau getrennt. Ein Stock tiefer gelangt man zum gemeinsamen Schlaf- und Ruheraum.

Unser Gepäck verstaut, genossen wir den Abend mit diversen Festivitäten in der Stadt. Bewusst der Tatsache, dass wir diese Nacht mit anderen Leuten im gleichen Raum verbringen werden, zögerten wir die Rückkehr ins Spa solange als möglich hinaus. Gegen 22 Uhr obsiegte die Müdigkeit und wir installierten uns im temporären Zuhause. Und dann ging die Show erst richtig los. Türe auf, Türe zu. Licht an, Licht aus. Und natürlich läuft der TV auf voller Lautstärke. Aber das Schnarchen der Südkoreaner ist wohl das Schlimmste. Witzig nur, eine Frau meinte „kann man den Fehrnseher nicht endlich ausschalten, so schläft ja keiner“ während ihr Mann nebenan schnarchte wie ein brüllender Löwe! 

Der Regen kam dann mit einem Tag Verspätung. Uns nochmals in ein Gingiban (koreanisch für das Spa) einquartieren wollten wir dann doch nicht und so gönnten wir uns wiedermal ein nettes Motel.  

Angekommen in Seoul, nahm uns Michael bei sich auf. In seiner 1 Zimmer Wohnung hausten wir zu fünft. Es ist immer noch Ferienzeit und da sind die meisten Schlafplatzanbieter selber unterwegs. Stephan (DE) und Jessica (FR) bauten aber kurzerhand ihr Zelt auf der Dachterrasse auf und so war genügen Platz für jeden da. Michael war, glauben wir, ganz froh um die Gesellschaft, so hatte er doch jeden Abend jemand der mit ihm ein Schnaps zur Brust nahm. Und davon hatte er reichlich, was er uns am dritten Abend bei einer Degustation unter Beweis stellte. 

Unsere Hauptaufgabe in der Stadt bestand darin, die Fahrräder flugtauglich zu verpacken. Und hier hatten wir Hilfe von einem anderen Warmshower. Er wollte uns 2 Bikeboxen organisieren und in seinem Bikeshop sollte wir die Räder verpacken können. So hatten wir 2 Tage um die Stadt zu entdecken, was für eine 25Mio. Einwohner Metropole in einem Land mit so bewegter Geschichte wie Südkorea nie und nimmer ausreichend ist. Gut, Tempel hatten wir bereits so einige gesehen und da konnten wir Abstriche machen. Was aber immer wieder fasziniert (und umso besser wenn man ortskundige Leute mit hat) sind die Nachtmärkte, wo man sich querbeet durchfressen kann. Den Tag rundeten wir ab mit einem Nachtspaziergang hoch zum Fehrnsehturm von wo man die beste Aussicht über die Stadt hat. 

Etwas umständlicher und aufwändiger als geplant, stellte sich das Verpacken der Bikes heraus. Eine Bikebox war zu gross, die Andere zu klein. Und da Daniel, mit dem wir alles organisiert hatten nicht vor Ort war, hatten wir so einige Disskussionen mit seinen Mitarbeitern. Ein Anruf von Körndle an Daniel aber regelte die Sache. Unser Gepäck durften wir dann im Bikeshop über Nacht lagern, da der Airportbus gleich vor der Ladentüre anhält. Fertig gepackt, lief dann alles wie am Schnürchen und wir landeten nach einem angenehmen Flug 5h später in Bangkok.

Am Flughafen wurden wir auch gleich von unserem Gastgeber in Empfang genommen. Das Gepäck ins Auto verstaut, wurden wir noch am Flughafen zu einem Willkommens-Kokosnussdrink eingeladen. 10min später wussten wir dann auch wieso der Drink nicht bei ihnen zuhause serviert wurde, denn unsere Bleibe für die Nacht war im Shop seiner Frau. Schlafenstechnisch sind wir uns ja bereits so einiges gewöhnt, aber alleine in einem schwühlheissen, leeren Raum oberhalb eines ab 18:30 geschlossenen Shops zu hausen, war uns dann doch zu viel. So qartierten wir uns nach 2 Nächten in eine nettes Guesthouse Downtown, wo wir unsere Fahrräder für die nächsten 2 Monate sogar stehen lassen dürfen.

Bangkok war bei unserer Ankunft ganz im Zeichen der Trauerfeier um den verstorbenen König. Ihre Maiestät wurde nach seinem Tod (13. Okt. 2016) ein Jahr lang „aufbewahrt“, damit die Leute von ihm Abschied nehmen konnten. Am 26. Okt. war dann die offizielle Kremierung, wobei die Tage davor mit zahlreichen Zeremonien gefüllt wurden. 

Nach den hohen Lebensmittelkosten in Südkorea war Thailand für uns das Paradies. Und so futterten wir uns von Curry zu Curry, mit einer Ladung frischer Tropenfrüchte dazwischen. Auf unserer Shoppingliste standen 2 neue Seidenschlafsäcke, da die alten durchlöchert in Südkorea blieben. Deren fündig im Decathlon gaben Körndles 20ig jährige Sandalen im Anblick neuerer Kameraden auch gleich den Geist auf. Perfekt, da lohnte sich die Hinfahrt gleich doppelt.

Von Bangkok ging die Reise mit dem Nachtzug weiter nach Chiang Mai. Durchgefrohren (Asien = Klimaanlage immer auf vollgas) und geblendet vom grellen Licht, welches die ganze Nacht brannte, entlud uns der relativ neue Zug (made in China) morgens um 7:00. Nach einem herzhaften Frühstück reisten wir per Bus weiter nach Tao Tan von wo wir am nächsten Tag per Boot nach Chiang Rai gelangten. Fluss abwärts, führte uns die rassante Bootsfahrt durch grüne Junglelandschaft vermischt mit Tee- & Kaffeeplantagen eingebettet in sanfte Hügel. 

Von Chiang Rai aus erkundeten wir das Hinterland auf einem Motorrad. Und ja, wir waren jedesmal froh, wenn wir die steilen Anstiege mit einem leichten Zucken am rechten Handgelenk bewältigen konnten. Denn die Strassen im Grenzgebiet zu Myanmar sind teils so steil, das selbst motorisierte Fahrzeuge an ihre Grenzen kommen. Dafür wird man mit einer einmahligen Landschaft und vielfältiger Vegetation belohnt. 

Per Goldenes Dreieck (Thailand, Myanmar und Laos) wo der Opiumhandel wohl immer noch sein Unwesen treibt, ging die Fahrt durch Reisfelder zurück nach Chiang Rai und am nächsten Tag weiter nach Nan. Die Provinz Nan liegt einen Hügelzug weiter östlich von Chiang Rai, was uns eine kurvenreiche, 6h Bussfahrt beschehrte, welche Landschaftlich aber erneut auf höchstem Niveau war. 

Angekommen in der Stadt, die am gleichnamigen Fluss liegt, war der Wochenendmarkt gerade voll im Gange. Und so futterten wir uns gleich mal ne Runde durch die Stände. Wenn man nie mehr als 2 CHF pro Teller bezahlt, sagt einem der Magen eher Stop, als dass das Kleingeld ausgehen würde. Ansonsten bietet Nan eine unglaubliche Anzahl an Tempel oder man wandert in den umliegenden Nationalparks herum.

Wenn wir von der Landschaft im Norden Thailands schwärmen, dann muss man sich steile Hügel vorstellen, die mit einer undurchdringlichen Vegetation aus Bäumen, Bambus und Schlingpflanzen bewachsen sind, welche ab und zu zerrissen wird von kargen Felsformationen (Kalkstein) oder handgefertigten Reisterrassen. In diesem Dickicht zwitschert, zirpt, kreucht und fleucht es ohne dass man die Tiere je zu Gesicht bekommt. 

Zurück in Chiang Mai gönnten wir uns eine Woche ausspannen mit Yoga, Massage und gutem Essen. Wobei die Yoga Stunde morgens jeweils um 06:30 begann, wir also den Wecker auf 05:30 stellten. Die Thais sind eh alle Frühaufsteher und das Leben beginnt meist schon vor 6Uhr und spätestens 22Uhr ist Licht aus. 

Nach einer erneuten Zugsfahrt, diesmal aber ohne AC, flogen wir ab Bangkok nach Yangon (Myanmar). Neues Land, neue Eindrücke….folgt im nächsten Bericht.

Liebe Grüsse, Körndle & Patrik

PS: Als Rucksackreisender hat man mehr das Bedürfniss den Tag draussen zu verbringen, da man beim Reisen ja meist eingeschlossen in einem Bus, Zug oder Flugzeug sitzt. Und so kommt das Schreiben leider etwas zu kurz. Wir versuchen aber, die nächste Episode wieder schneller zu verfassen.