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Mit Sushi und Schafspelz

Aufbruch zu neuen Horizonten

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Ruppige Zeiten auf Neuseelands Südinsel

Am 3. Januar 2018 rollten wir unsere Räder auf die Interislander Fähre, die uns bei schönstem Wetter über die Cook Strait auf die Südinsel nach Picton führte. Dank dem kaum spürbaren Wellengang blieb das leckere Essen, welches wir über die Festtage genossen, auch dort wo es hingehört. Entlang der Küstenstrasse in einem kleinen, flachen Waldstück stellten wir unser Nachtlager. Mit Sicht auf Picton genossen wir unser abentliches Tee, krochen aber schon bald in unser geliebtes Zelt. Ausser einem Opossum besuchten uns keine weiteren Tierchen. Wir wurden nochmals verschont.

Viel Schlaf verleit Flügel…… Ganze 107 km mit X Auf- und Abstiegen absolvierten wir in 9 Fahrstunden am zweiten Tag. Philip unser Host in Nelson servierte uns Lasagne, Salat und leckeres Eis mit Cake zum Nachtisch. Das stellt auf und lies uns die müden Glieder etwas vergessen. Der angekündigte Regentag veranlasste uns, eine weitere Nacht in Nelson zu bleiben. Sowieso hatte Patrik noch was wichtiges zu erledigen. Die bestellten Laufschuhe waren eingetroffen und mussten im Sportgeschäft noch anprobiert werden.

Die Reise Richtung Westport konnten wir am vierten Tag wieder bei Sonnenschein aufnehmen. Philip beschrieb uns die Strecke bestens und die Landschaft war einfach nur einmalig. Für eine Teilstrecke verliesen wir den Highway 6 und verfolgten einen einfach zu fahrenden Trail. So konnten wir einige Höhenmeter einsparen und dem Ferienverkehr entgehen. Generell, versuchten wir so viel wie möglich den grossen State Highways auszuweichen. Beim dünnen Strassennetz in NZ aber nicht immer möglich.

Bis nach Westport campierten wir zwei Mal. Am ersten Abend wehte eine angenehme Brise und diese hielt Mücken und die lästigen Sandflies auf Abstand. Jedoch am zweiten Abend war es fast windstill und es begannt ein Kampf gegen und mit diesen Biestern. Unsere Ausrüstung bestand sehr wohl aus Mückenspray und antiseptischer Salbe. Doch das nützt vielleicht eine halbe Stunde und die Viecher sind imun. Am sichersten ist es im Innenzelt und Einhüllen in Kleider. So werden die wunderbarsten Zeltplätze zum reinsten Horror.

In Westport entschied sich Körndle, die Reise für sich vorerst zu beenden. Mit der Ankunft bei ihren Verwandten in Wellington war für sie das Hauptziel erreicht und wer schon mal solch eine Reise angetretten ist, der weiss das ohne Ziel vor Augen, jeder Anstieg anstrengender, jeder Regentag kälter und die fehlende Hygiene unausstehlicher ist.

Meine Reise aber geht weiter und führte mich von Westport nach Greymouth, vorbei an Felsformationen die wegen ihrer Ähnlichkeit zu Pfannkuchen, Panncake rocks genannt werden. In Greymouth durfte ich nochmals einen Regentag ausharren, dies jedoch in einem der angenehmsten Hostels, welches wir soweit gebucht hatten. 

Nächste Station war der Gletscher im Ort Franz Joseph. Verglichen mit unseren Alpen, haute mich der Anblick dieser Eismassen jedoch nicht gerade von den Socken. Einzig die Bäume, welche oberhalb des Gletschers auf einer Krete thronen, sind doch ein ungewohnter Anblick. Das selbe Bild bot sich mir nochmals beim Fox Glacer. Danach führt die Strasse wieder ans Meer und somit in eine mir fremderen Gegend. Verlassenen Küstenabschnitte, übersäht mit massivem Schwemmholz sieht man bei uns nun doch nicht alle Tage und veranlassen einem zum Staunen.

Nun stand der Haast Pass auf dem Menuplan. Zwar nicht hoch, ca. 500hm, aber permanent über 10% Steigung geht einem doch in die Beine. Das Positive an diesem Pass ist aber, dass man in eine trockenere Gegend kommt und die lästigen Sandfliegen so gut wie weg sind. Das heisst, wieder normal campen, im sitzen Essen und beim Erinnerungsfotoschiessen nicht von einem Bein aufs andere hüpfen.

Queenstown war die nächst grössere Ortschaft. Der geplante Ruhetag viel jedoch aus, da alle Hostels ausgebucht waren und ich nur ein Bett für eine Nacht erhielt. Hochsaison halt. Und so querte ich am nächsten Tag den Lake Wakatipu mit einem alten Dampfschiff (TSS Ernslaw, Baujahr 1912) zur Walter Peak Country Farm. Ebenfalls an Bord waren Pet & Clare, zwei radreisende Kanadier aus Quebec. Die nächsten Tage radelten wir gemeinsam durch einmalige Landschaften. Geprägt von sandigem Fels, sanften Hügeln und trockenen Flüssen, könnte Winnetou hinter jeder Kurve auf uns lauern! 

Pet & Clare hatten bereits einen Ausflug ab TeAnau in den Milford Sounds gebucht. Kurzerhand entschloss ich mich, ihrer Tour anzuschliessen. Dan, unser Guide und Fahrer kannte jeden Busch, jeden Stein und jeden Berg in dieser Gegen. Ein Glücksgriff! So war der Ausflug nicht nur landschaftlich, sonder auch intellektuel bereichernd. Obschon, wenn man in den Milford Sounds einfährt, braucht man keine Anleitung zum Staunen, die überwältigende Schönheit der Natur lässt alle Mäuler offen stehen. 

Ein erstes Highlight an dem Tag hatten wir aber bereits ein paar Stunden früher, als Dan an einem abgelegenen Rastplatz Scones (lokaler Kuchen) mit Tee oder Kaffee servierte. Beim Essen schlägt das Radfahrerherz immer höher!

Die darauffolgenden Tage radelten wir gemeinsam weiter nach Invercargill und Bluff, die Südspitze der Südinsel. Dazwischen zelteten wir an Orten wie Monkey Island, ein Strandabschnitt so schön wie aus dem Ferienkatalog oder Clifden, ein saftiger Rassenplatz direckt neben dem Fluss worüber eine alte Hängebrücke führt. Und wenn mal nichts in Aussicht war, fragten wir lokale Leute und landeten bei denen in alten Hütten, sogar mit funktionsfähiger Küche.

Vor der Curion Bay trennten sich dann unsere Wege wieder. Und so schwamm ich alleine mit den Delfinen in besagter Bay und hielt abends Ausschau nach Gelbaugenpinguine. Sowieso, der Küstenabschnitt genannt Catlins ist etwas vom abwechslungsreichsten was Neuseeland zu bieten hat. Grüne Hügel mit Vieh und Schafen im Hinterland, steile Küsten und verlassene Strände am Meer. Atemberaubend!

Die Stadt Dunedin holte mich aprupt wieder zurück in die Zivilisation. Verkehr, ungeduldige Fahrer und grosse Trucks, waren mir die letzten Tage fremd. Einquartiert bei einem netten Warmshower Gastgeber, war es abgemacht, dass ich unser Zelt im Garten stelle. Rose & Brian haben aber zwei Katzen, die sehr neugierig sind. Und Zelt und Katze ist eine sehr schlechte Kombination. Resultat war eine unruhige Nacht und ein malträtiertes Zelt 😦 Die Löcher welche die Krallen hinterliesen lassen sich zwar sicher flicken, entäuscht bin ich trotzdem, hatten wir zu unserem Zuhause die letzten zwei Jahre doch so Sorge getragen. 

Meine Stimmung heiterte sich aber schnell wieder auf, als ich nach dem Bustransfer von Duniden nach Christchurch bei Juliet und Grum abstieg. Die beiden liesen mich in ihrem Zuhause in Christchurch wohnen, wie auch später in Hanmer Springs. Und Grum als passionierter Radreisender (www.grumgoesglobal.com) weiss genau, was müde Radfahrer brauchen. Müde war ich, nachdem ich die 140km von Christchurch nach Hanmer in einem Schnutz gemacht habe. Die starken Winde am Vortag, liesen das Radfahren aber schlicht nicht zu. 

Wandert man durch die Gassen von Christchirch, sieht man überall stille Zeugen vom letzten Erdbeben. Das Stadtzentrum ist fast komplett neu aufgebaut, wobei die modernen, verglassten Gebäude nicht gerade viel Charme haben. Entsprechend ist das Zentrum gefüllt mit shopping-wütigen Touristen, Einheimische sucht man aber vergebens. 

Von Hanmer Springs folgte ich dem Molesworth Track, einer Naturstrasse durch die grösste Farm Neuseelands. Die Molesworth Station ist eine sogenannte High-Country Farm und umfasste zu den besten Zeiten 37’000ha. Heute beheimatet die Farm 10’000 Kühe, 90’000 Schafe und über eine Million Hasen, welche wild in der Landschaft umherhoppeln. Ein Eldorado für Naturliebhaber.

Weiter in Richtung Blenheim folgt die Naturstrasse einer Schlucht mit spektakulärer Aussicht und einigen knackigen Auf- und Abstiegen. Und am 7 Februar fuhr mich die Fähre bei erneut ruhiger See wieder zurück auf die Nordinsel und wieder zurück zu Heinz, Trix und Körndle. 

Wie es weiter geht? Die Antwort wie immer hier im Blog.

Lieber Gruss,

Körndle & Patrik 

Kia ora Aotearoa

Nach ca. 20’000km und mit einem Jahr Verspätung, haben wir unser erstes Etappenziel, Neuseeland erreicht!

Es gibt wieder Käse und Milchprodukte, wir haben ein temporäres Zuhause bei Körndles Tante, Trix und Heinz bezogen und der neuseeländische Wind blässt uns kalt um die Ohren. Schafe blöken uns entgegen, Kühe rennen muhend davon und die meisten Menschen beachten uns kaum. Abendessen kommt direkt vom Grill, das Bier aus der lokalen Brauerei und Wasser trinkt man bedenkenlos vom Hahnen. Wir sind angekommen!

Zurück in Thailand, verbrachten wir eine Woche auf Koh Lanta, wobei das Wetter wiedermal auf Sturm stellte. Die Temperaturen lagen zwar immer noch bei angenehmen 25° doch aus dem Tauchen, was ich mir eigentlich als verfrühtes Weihnachtsgeschenkt leisten wollte, wurde leider nichts. An einem einzigen Tag konnte wir raus ins Meer, wobei die Sicht unter Wasser nicht gerade berauschend war. So verbrachten wir die meiste Zeit mit Lesen, Schlafen und Essen. Auch nicht schlecht. 

In Bangkok schnappten wir unsere Bikes, die ja von Südkorea her noch in den Boxen waren und schon sassen wir im Flieger nach Neuseeland. Einzig Nennenswertes aus unserem letzten Aufenthalt in Bangkok war der Besuch der Grabstädte des verstorbenen Königs, Bhumibol. 150 Künstler und unzählige Freiwillige haben den Sanam Luang Platz in ein temporäres Krematorium umgewandelt. Bedenkt man, dass das ganze innerhalb 10 Monate aufgestellt wurde, staunt man über die Detailverliebtheit und den Prunk der einzelnen Gebäude und Statuen. Und so vergänglich wie das Leben, wird auch dieses Krematorium ende 2017 wieder verschwinden. 

Ein letzter Task wurde uns ein Tag vor Abflug auferlegt. Parn, der Besitzer unseres Guesthouses in Bangkok hatte einen Kunden für Bike-Shirts aus Wellington und wir durften sein Kurier spielen. So reisten wir fortan mit 2kg T-Shirts durch die Gegend. 

Angekommen in Auckland, wurden wir erstmal gründlich durchleuchtet. Kreuzt man auf dem Einreiseformular an, dass man mit Campingequipment reist, wollen die auch sicher gehen, dass man keinen Käfer mitschmuggelt. Also, Bikes gezeigt und Zelt ausgesprait, konnten wir uns ans Zusammenbauen machen. Die netten Neuseeländer stellen dazu extra Bikeständer zur Verfügung, was uns aber erst erklärt wurde als wir unser Hab und Gut bereits um eine Sitzbank ausgebreitet hatten. Es ging auch so und schon radelten wir hinein in die Stadt zu unserem Warmshower Host, Will & Tammi.

Die ersten Tage auf dem Rad waren, nach 2 Monaten abstinenz, anstrengend. Aber die Freude, endlich Neuseeland erreicht zu haben, überwiegte. Auf der Flucht vor überfüllten Schnellstrassen, wählten wir die anstrengenderen, aber meist auch attraktiveren Nebenstrassen. Zudem versüssten uns die unterschiedlichsten Warmshower Gastgeber die Reise mit leckerem Essen, fantastischen Häuser/Lage und einem netten Schwatz. So erreichten wir nach 5 Tagen das Zuhause von Körndles Cousine, Lisa & Andy. 

Am Fuss des Vulkans Ruapehu wohnend, war dies der ideale Ort für zwei Ruhetage. Am ersten Tag nach Ankunft, bestiegen wir den Vulkan um dessen Kratersee zu begutachten. Oben lag zwar immer noch sehr viel Schnee, aber Andy, der am Berg arbeitet, führte uns sicher und zielstrebig. Einzig die paar Skitourengänger, welche wir im Aufstieg sahen, liessen etwas Heimweh aufkommen. 

Weiter südlich führte uns der Weg durch das Tal des Wanganui Flusses. Zuerst radelten wir durch subtrobische Gegenden mit Farn und Palmen dicht bewachsen und am Ende entliess uns das Tal inmitten saftiger Wiesen, gespickt mit Kühen und Schafe, eingebettet in sanfte Hügel. Fast wie im Jura, aber das werden wir noch ein paar mal sagen. 

Auf halbem Weg am Wanganui lebt eine alte Nonne, welche Leute beherbergt. Als Unterkunft dient das ursprüngliche Missionarshaus, welches 1854 von einer französischen Missionarin gebaut wurde. Im Obergeschoss des original restaurierten Gebäudes hat es einen grossen Schlafsaal und unten kocht man in der grossen Küche und lässt den Abend in einem der 70er Jahr Sessel in der Wohnstube ausklingen. Während unseres Aufenthalts hier trafen wir auf eine Gruppe Leute, welche den Te Araroa abmarschieren, eine 3000km langen Wanderroute, die Neuseeland der länge nach durchläuft. Die meisten werden zufuss 5 Monate oder mehr unterwegs sein. Und schon wieder ein neues Ziel für unsere eigene Bucket-Liste.

Von Wanganui nach Wellington gibt es nicht mehr viel Nebenstrassen und so landeten wir immer wieder auf den State Highways. Und mit dem nahenden Weihnachtsfest war der Verkehr noch verstärkt. Nicht gerade angenehm, aber so halt. Zwei Nächte verbrachten wir wieder im Zelt, ehe uns die Akatarawa road mit einem letzten Anstieg (400hm) am 23.12. beim Haus von Heinz und Trix entlies.

Seither wohnen wir wie Fürsten in unserem eigenen Palast mit Schlafzimmer, Bad, Wohnstube, Küche und grosser Terrasse. Am 24. und 25. feierten wir Weihnachten mit der ganzen Familie Jäggi & Hoyle. Bei angenehmen Temperaturen wurde draussen der Grill gestartet, ein paar Bierchen getrunken und über Gott und die Welt geredet. So entspannt kann Weihnachten in kurzer Hose und Flip-Flops sein. 

Die letzten Tag im alten Jahr zeigte sich das Wetter eher von der wechselhaften Seite, was uns aber nicht im geringsten störte, konnten wir doch so unsere Palast richtig auskosten. 

Nun wünschen wir allen einen schönen Silvester und einen guten Rutsch ins neue Jahr, wo es bestimmt wieder interessante Berichte von den Weltenradlern gibt. 

Tau Hou Hari (traditioneller Neujahrswunsch der Maori)

Körndle & Patrik   

Magical Myanmar

Und wieder sind/waren wir in einem Land, welches aus menschenrechtlichen Gründen eigentlich nicht bereist werden sollte. Die neusten Ausschreitungen im Westen (Staat Rakhine) mit den Verfolgungen Einheimischer, muslimischer Glaubensrichtung, treibt 100’000 zur Flucht ins benachbarte Bangladesch. Das Land bietet aber zu viel um links liegen zu lassen. Die Leute, die Landschaft und das Klima sind das grosse Potential dieser Gegend.

Angekommen in Yangon, brachte uns eine 1,5h Taxifahrt zur Unterkunft. Was wir auf der Fahrt zu sehen bekamen, erinnerte uns mehr an Indien als an Südostasien. Die Männer kleiden sich mit einem Wickeltuch um die Lenden (Longhi) und die Bevölkerung ist stark durchmischt zwischen Asiaten und Inder. 

Zentral gelegen, erkundeten wir von unserem kleinen Hostel (man schläft in seiner zugeteilten 2,5x1x1m Box) aus die Stadt. Nach gerade mal 100m wurde uns bereits der ersten Teller Nudelsuppe mit der Aufforderung hinzusitzen überreicht. Wir sind mitten in der Zeit des Vollmondfestes angekommen, wo es Tradition ist, freies Essen zur Verfügung zu stellen. Doch trotz der Gastfreundschaft, mussten wir beim dritten Angebot innert 3h doch dankend ablehnen. 

Wir wanderten vorallem im alten Kolonialteil der Stadt herum und bestaunten die Häuser aus dieser Zeit. Jede Gasse erzählt ihre eigene Geschichte, wobei der Zustand der Gebäude teils doch sehr morad ist. Am Abend machten wir uns auf um die Shwedagon Pagode (einer der heiligsten Orte des Buddhismus) zu besuchen. Uns wurde gesagt, dass die Zeit zum Sonnenuntergang besonders günstig sei, da weniger Besucher als tagsüber und die Sonne das Monument schön anstrahlt. Wir haben aber vergessen, dass immer noch Vollmondfest ist. So war der Ort gerappelt voll von Burmesen, welche sich hier installierten um die ganze Nacht durchzufeiern.

Am nächsten Tag stand ne Zugsfahrt mit der „Circular Line“, die S-Bahn von Myanmar, auf dem Programm. Der Loop, ca. 52km, dauert 3h und führt der Stadtgrenze entlang. Die alten Schienen sind so krumm, dass man ziemlich durchgeschüttelt wird. Die Fahrt ist nicht zu empfehlen, wenn man Seekrank wird! Vom Zug aus sieht man vorallem das ärmere Yangon. Leute die sich in einem Drecktümpel waschen, streunende Hunde, Katzen, Ratten und Kakarlaken die irgendwo hin verschwinden und die Baraken in welchen gehaust wird, fallen bereits vom Hinsehen auseinander. Was uns aber am meisten bedrückt ist der Müll. Überall liegt offener Abfall herum. Teils wird er verbrannt, was zu einem beissenden Rauch führt, ansonsten modert er vor sich hin. Dies wird uns leider immer wieder begegnen während unseres Aufenthalts in Myanmar. 

Unser Highlight der Stadt sind die vielen Teestuben. Überall wird einem süsser Tee (Schwarztee mit gesüsster Kondenzmilch) serviert und dazu eine reichhaltige Auswahl an Güezli beigestellt. Aber eigentlich ist das Essen generell ein Highlight. Denn nicht nur die Leute sind indisch angehaucht, auch die indische Küche ist reichlich vertreten, und die mundet uns sowieso besonders.

Von Yangon gings mit dem Nachtzug nach Mawlamyine. Nicht ganz selbstverständlich, dass wir dies geschafft haben, denn ein Fahrkahrtenkauf ohne Hilfe eines englisch sprechenden Burmesen ist schlicht unmöglich. Nachdem wir den grössten, liegenden Buddha der Welt gesehen, den Sonnenuntergang auf einer weiteren Pagode begutachtet und unsere Bäuche mit feiner indischer Kost vollgeschlagen hatten, gings am nächsten Tag bereits um 6:00 weiter zum goldenen Stein.

Dieser „Golden Rock“ ist der heiligste Ort im Land. Ein perfekt ausbalancierter Felsbrocken zuoberst auf dem Berggipfel. Die Legende besagt, dass dieser Stein so perfekt ausbalanciert sei, weil ein Haar von Buddha darunter liegt. Endsprechend viele Leute pilgern an diesen Ort. Bis zur letzten Ortschaft unten im Tal geht es bequem per Bus, dann wird umgestiegen auf LKW’s mit Sitzbänken für 42 Personen auf der Ladefläche. Nun beginnt die Achterbahnfahrt mit ca. 1000hm, auf einer Strasse mit teils 20% und mehr Steigung. Aber sehr eng eingepfercht, kann nichts und niemand verrutschen oder herausfallen. 

Nächster Halt war Nay Pyi Taw, seit 2005 die Hauptstadt des Landes. Über 4 Milliarden USD wurden in den Ausbau der Stadt investiert, vorallem aber in administrative & militärische Gebäude. So fährt man auf einer 16 spurigen Strasse und ist alleine unterwegs. Ausländer müssen in einer eigens errichteten Hotelzone übernachten. Der ganze Ort ist ziemlich spookie, da auch tagsüber fast niemand auf den Strassen unterwegs ist. Dennoch steht an jeder Ecke Securitas und überwacht was es auch immer zu überwachen gibt. Zwei Weisse auf einem Roller sind da sehr suspekt!

Von hier gings an den Inle See. Dieser ist bekannt für die Fischer und ihre Art, die Boote zu steuern. Denn hier rudert man nicht mit den Armen, sondern klemmt das Ruder mit einem Bein fest und paddelt in kreisförmigen Bewegungen vorwärts. So sind beide Hände frei für die Fischernetze.

Das Klima am See ist angenehmer als die schwühlheissen Tage im Flachland. Wir bleiben 3 Tage, wovon an einem Tag der See per Boot erkunden und am andern Tag per Fahrrad um den See radeln wird. Ein Highlight ist sicher das Glas lokalen Weines, getrunken auf dem einzigen Anbaugebiet der Region im Anlitz der untergehenden Sonne. 

In Myanmar trifft man entweder auf Rucksackreisende oder solche, die alles mit Tourguide & Chauffeur besuchen. Denn ein grosser Schwachpunkt des Landes sind die öffentlichen Transportmittel. Der Zug fährt meist nicht schneller als Schritttempo und die Strassen sind knapp 1,5 spurig. Für eine Strecke von 150km braucht man gut und gerne 3-4h. Hinzu kommt, dass man von seinem momentanen Standort nur Informationen über Busse die diesen verlassen, nicht jedoch über evt. Verbindungen unterwegs bekommt. Da wir nach dem Inle See unsere Freunde Sonja und Tom am Ngapali Beach treffen wollten, blieb uns einzig das Flugzeug um auch rechtzeitig dahin zu kommen. Der stündige Flug bot uns aber viel fürs Geld, denn die Aussicht von da oben ist phenomenal. 

Nun waren erstmal 4 Tage Strand angesagt. Lesen, plaudern, baden, sünnelen, essen, morgens ne Runde Yoga und schon war die Zeit am wunderschönen Ngapali Beach wieder um. Zudem genossen wir die Gesellschaft unter Schweizer, mit News von zuhause und für einmal schnoren wie der Schnabel gewachsen ist. 

Alles Schöne hat auch seine Schattenseite. Am Ngapali Beach ist dies die Busfahrt zurück in den zentralen Teil des Landes. 9h für 250km und die Hälfte der Passagiere am Erbrechen!

Irgendwie erreichten wir Bagan, die Tempelstadt schlechthin. Über 3000 Pagoden datierend zwischen 11 & 13 Jahrhundert verteilen sich auf 36km2. Die Anlage besucht man am besten mit einem Elektroroller, denn bei Temparaturen über 30° ist jegliche Anstrengung sehr schweisstreibend. Zudem bringt einem der Roller morgens früh bequem zur jeweiligen Pagode, von wo man den Sonnenaufgang geniessen kann. Welcher Tempel gerade besonders geeignet ist für Sonnenauf- oder -untergang erfährt man am besten von anderen Reisenden im Guesthouse. 

Der Zufall wollte es, dass wir bei der Ankunft in Bagan auf Nicolas und Gökben trafen, zwei Veloreisende mit denen wir 2016 3 Tage in China unterwegs waren. Das musste natürlich gebürdig gefeiert werden. Zudem hatten wir das Vergnügen am zweiten Tag einem Konzert einheimischer Künstler beizuwohnen. Naja, der nächste Superstar war da noch nicht mit dabei. 

Morgens um 5:30 Uhr gings dann per Schiff auf dem Ayeyarwady Fluss nach Mandalay. Dort wollten wir aber noch nicht allzulange verweilen und reisten am nächsten Tag gleich weiter nach Monywa. Die Gegend ist bekannt für eines der schönsten Klöster, mit über 500’000 Buddhastatuen. Zudem steht hier der anscheinend grösste Buddha der Welt (der in Mawlamyine liegt ja, ist aber auch der grösste der Welt). Tja, Burmesen lieben grosse Buddhas.

Am nächsten Tag mieten wir uns wiedermal einen Roller um die Höhlen in 30km Entfehrnung zu Erkunden. Die über 400 meist kleineren Höhlen (14 – 18 Jahrhundert) beinhalten fast alle einen Buddha wobei die grösseren mit schöner Wandmalerei verziert sind. Etwas weiter südlich versuchte man eine neuzeitlich, buddhistische Kopie der Tempelstätte Petra zu erstellen, indem man 46 Kammern 8m tief in den Felsen grabte. Naja.

Zur Zeit sitzen wir in unserem Hotelzimmer in Hsipow, wo wir eigentlich die Landschaft bei einem Trekking erkunden wollten. Nur seit Ankunft regnet es ununterbrochen. Und so geniessen wir einen ruhigen Tag mit administrativen Aufgaben, viel Essen und Schlafen. 

Morgen gehts zurück nach Mandalay, von wo wir am 27.11 nach Bangkok fliegen um noch ne Woche Strandurlaub im Süden von Thailand zu machen, bevor wir am 10.12 nach Neuseeland fliegen.

Lieber Gruss,

Körndle & Patrik

Endlich Urlaub. Umsatteln vom Rad- zum Rucksackreisenden

Bitte verzeiht, aber aus dem Bericht aus Seoul wurde nichts. Wir waren schreibfaul, fanden keine Ruhe, hatten zu tun mit Bikeboxen packen und der Umstellung vom Radfahrer zum Backpacker. Egal, dafür folgt ein Weiterer jetzt.

Mr Choi und Mrs Lee verliessen wir sehr ungern. Die Gastfreundschaft war enorm und wir fühlten uns wie zu Hause. Die Lichtinstallation funktionierte auf Anhieb und verlangte von daher auch keinen längeren Aufenthalt. Der Abschied war turbulent. Mrs Lee plagte einen schlimmen Husten bis zum Erbrechen. Zur Beobachtung blieb sie über Nacht gleich im Spital. Unsere dankenden Worte und Genesungswünsche wurden somit per Whatsapp übermittelt. 

Die Fahrt bis nach Seoul war angenehm. Bei Sonnenschein und auf einer verkehrsarmen Regionalstrasse gelangten wir zu unserem ersten Zeltplatz. Wiederum in einem Holzpavillion mit Aussicht in eine Meeresbucht in der Salz gewonnen wird. Viele kleine Krebse krabbelten beim Gang zur Toilette um unsere Füsse.

Mit der frischen Meeresbrise im Gesicht gelangten wir am zweiten Tag auf die Inseln Sinsido und Seonyu. Sie wurden uns von Elodie und Roman (Bekanntschaft aus Busan) empfohlen. Die Inselgruppen sind über einen Damm mit dem Festland verbunden, welcher zur künstlichen Landgewinnung dient. Partiel werden Teile des Binnenmeers trocken gelegt und für die Landwirtschaft oder industielle Betriebe freigegeben. 

Anfang Oktober feiert Südkorea die Zeit des Erntedankfestes (zusammen mit dem Tag der Streitkräfte, dem Gründungstag der Nation und dem Tag des koreanischen Alphabets). Dementsprechend waren wir nicht die Einzigen unterwegs. Die Zeltplatzsuche war aus Mangel an Platz und starken Winden auch überhaupt nicht einfach. Körndle kletterte aus Intuition ein paar Steinblöcke weiter und fand eine Betonplatte die sich als Zeltplatz sehr gut eignete. Zwei koreanische Motorradfahrer gesellten sich auch gleich zu uns. Mit Fahrrad sind die beiden auch oft unterwegs. Im August leiteten sie eine 12tägige Radreise durch die Mongolei. Auf der Videozusammenfassung erkannten wir sogar ein bekanntes Gesicht. Die Reisegruppe traf auf Michel, unser Host in Kunming, China. Die Welt ist nun mal einfach klein

Dem Fluss Geum folgend, verbrachten wir einen ruhigen dritten Tag. Velowege vereinfachten die Navigation und bieten genügend Unterstände für Rast und Nacht. Am darauffolgenden Tag wurde uns von mehreren Quellen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Regen am Abend vorhergesagt. Da wir uns in einer Gegend mit hoher Dichte an UNESCO Weltkulturerbe bewegen (Gongju) und immer noch Ferienzeit ist, wussten wir, dass die Hotelsuche schwierig sein könnte. Zudem haben wir schon mehrmals gehört, dass man in 24h Spas (Termalbäder) günstig übernachten kann. Genau das Richtige für heute Abend. Beim Einchecken sicherheitshalber nochmal nachfragen, ob das mit dem Übernachten ok ist, aber klar doch. Für ca. 7.- CHF pP. kriegt man Zugang zur Bäderlandschaft mit Sauna und Wirlpool, Mann und Frau getrennt. Ein Stock tiefer gelangt man zum gemeinsamen Schlaf- und Ruheraum.

Unser Gepäck verstaut, genossen wir den Abend mit diversen Festivitäten in der Stadt. Bewusst der Tatsache, dass wir diese Nacht mit anderen Leuten im gleichen Raum verbringen werden, zögerten wir die Rückkehr ins Spa solange als möglich hinaus. Gegen 22 Uhr obsiegte die Müdigkeit und wir installierten uns im temporären Zuhause. Und dann ging die Show erst richtig los. Türe auf, Türe zu. Licht an, Licht aus. Und natürlich läuft der TV auf voller Lautstärke. Aber das Schnarchen der Südkoreaner ist wohl das Schlimmste. Witzig nur, eine Frau meinte „kann man den Fehrnseher nicht endlich ausschalten, so schläft ja keiner“ während ihr Mann nebenan schnarchte wie ein brüllender Löwe! 

Der Regen kam dann mit einem Tag Verspätung. Uns nochmals in ein Gingiban (koreanisch für das Spa) einquartieren wollten wir dann doch nicht und so gönnten wir uns wiedermal ein nettes Motel.  

Angekommen in Seoul, nahm uns Michael bei sich auf. In seiner 1 Zimmer Wohnung hausten wir zu fünft. Es ist immer noch Ferienzeit und da sind die meisten Schlafplatzanbieter selber unterwegs. Stephan (DE) und Jessica (FR) bauten aber kurzerhand ihr Zelt auf der Dachterrasse auf und so war genügen Platz für jeden da. Michael war, glauben wir, ganz froh um die Gesellschaft, so hatte er doch jeden Abend jemand der mit ihm ein Schnaps zur Brust nahm. Und davon hatte er reichlich, was er uns am dritten Abend bei einer Degustation unter Beweis stellte. 

Unsere Hauptaufgabe in der Stadt bestand darin, die Fahrräder flugtauglich zu verpacken. Und hier hatten wir Hilfe von einem anderen Warmshower. Er wollte uns 2 Bikeboxen organisieren und in seinem Bikeshop sollte wir die Räder verpacken können. So hatten wir 2 Tage um die Stadt zu entdecken, was für eine 25Mio. Einwohner Metropole in einem Land mit so bewegter Geschichte wie Südkorea nie und nimmer ausreichend ist. Gut, Tempel hatten wir bereits so einige gesehen und da konnten wir Abstriche machen. Was aber immer wieder fasziniert (und umso besser wenn man ortskundige Leute mit hat) sind die Nachtmärkte, wo man sich querbeet durchfressen kann. Den Tag rundeten wir ab mit einem Nachtspaziergang hoch zum Fehrnsehturm von wo man die beste Aussicht über die Stadt hat. 

Etwas umständlicher und aufwändiger als geplant, stellte sich das Verpacken der Bikes heraus. Eine Bikebox war zu gross, die Andere zu klein. Und da Daniel, mit dem wir alles organisiert hatten nicht vor Ort war, hatten wir so einige Disskussionen mit seinen Mitarbeitern. Ein Anruf von Körndle an Daniel aber regelte die Sache. Unser Gepäck durften wir dann im Bikeshop über Nacht lagern, da der Airportbus gleich vor der Ladentüre anhält. Fertig gepackt, lief dann alles wie am Schnürchen und wir landeten nach einem angenehmen Flug 5h später in Bangkok.

Am Flughafen wurden wir auch gleich von unserem Gastgeber in Empfang genommen. Das Gepäck ins Auto verstaut, wurden wir noch am Flughafen zu einem Willkommens-Kokosnussdrink eingeladen. 10min später wussten wir dann auch wieso der Drink nicht bei ihnen zuhause serviert wurde, denn unsere Bleibe für die Nacht war im Shop seiner Frau. Schlafenstechnisch sind wir uns ja bereits so einiges gewöhnt, aber alleine in einem schwühlheissen, leeren Raum oberhalb eines ab 18:30 geschlossenen Shops zu hausen, war uns dann doch zu viel. So qartierten wir uns nach 2 Nächten in eine nettes Guesthouse Downtown, wo wir unsere Fahrräder für die nächsten 2 Monate sogar stehen lassen dürfen.

Bangkok war bei unserer Ankunft ganz im Zeichen der Trauerfeier um den verstorbenen König. Ihre Maiestät wurde nach seinem Tod (13. Okt. 2016) ein Jahr lang „aufbewahrt“, damit die Leute von ihm Abschied nehmen konnten. Am 26. Okt. war dann die offizielle Kremierung, wobei die Tage davor mit zahlreichen Zeremonien gefüllt wurden. 

Nach den hohen Lebensmittelkosten in Südkorea war Thailand für uns das Paradies. Und so futterten wir uns von Curry zu Curry, mit einer Ladung frischer Tropenfrüchte dazwischen. Auf unserer Shoppingliste standen 2 neue Seidenschlafsäcke, da die alten durchlöchert in Südkorea blieben. Deren fündig im Decathlon gaben Körndles 20ig jährige Sandalen im Anblick neuerer Kameraden auch gleich den Geist auf. Perfekt, da lohnte sich die Hinfahrt gleich doppelt.

Von Bangkok ging die Reise mit dem Nachtzug weiter nach Chiang Mai. Durchgefrohren (Asien = Klimaanlage immer auf vollgas) und geblendet vom grellen Licht, welches die ganze Nacht brannte, entlud uns der relativ neue Zug (made in China) morgens um 7:00. Nach einem herzhaften Frühstück reisten wir per Bus weiter nach Tao Tan von wo wir am nächsten Tag per Boot nach Chiang Rai gelangten. Fluss abwärts, führte uns die rassante Bootsfahrt durch grüne Junglelandschaft vermischt mit Tee- & Kaffeeplantagen eingebettet in sanfte Hügel. 

Von Chiang Rai aus erkundeten wir das Hinterland auf einem Motorrad. Und ja, wir waren jedesmal froh, wenn wir die steilen Anstiege mit einem leichten Zucken am rechten Handgelenk bewältigen konnten. Denn die Strassen im Grenzgebiet zu Myanmar sind teils so steil, das selbst motorisierte Fahrzeuge an ihre Grenzen kommen. Dafür wird man mit einer einmahligen Landschaft und vielfältiger Vegetation belohnt. 

Per Goldenes Dreieck (Thailand, Myanmar und Laos) wo der Opiumhandel wohl immer noch sein Unwesen treibt, ging die Fahrt durch Reisfelder zurück nach Chiang Rai und am nächsten Tag weiter nach Nan. Die Provinz Nan liegt einen Hügelzug weiter östlich von Chiang Rai, was uns eine kurvenreiche, 6h Bussfahrt beschehrte, welche Landschaftlich aber erneut auf höchstem Niveau war. 

Angekommen in der Stadt, die am gleichnamigen Fluss liegt, war der Wochenendmarkt gerade voll im Gange. Und so futterten wir uns gleich mal ne Runde durch die Stände. Wenn man nie mehr als 2 CHF pro Teller bezahlt, sagt einem der Magen eher Stop, als dass das Kleingeld ausgehen würde. Ansonsten bietet Nan eine unglaubliche Anzahl an Tempel oder man wandert in den umliegenden Nationalparks herum.

Wenn wir von der Landschaft im Norden Thailands schwärmen, dann muss man sich steile Hügel vorstellen, die mit einer undurchdringlichen Vegetation aus Bäumen, Bambus und Schlingpflanzen bewachsen sind, welche ab und zu zerrissen wird von kargen Felsformationen (Kalkstein) oder handgefertigten Reisterrassen. In diesem Dickicht zwitschert, zirpt, kreucht und fleucht es ohne dass man die Tiere je zu Gesicht bekommt. 

Zurück in Chiang Mai gönnten wir uns eine Woche ausspannen mit Yoga, Massage und gutem Essen. Wobei die Yoga Stunde morgens jeweils um 06:30 begann, wir also den Wecker auf 05:30 stellten. Die Thais sind eh alle Frühaufsteher und das Leben beginnt meist schon vor 6Uhr und spätestens 22Uhr ist Licht aus. 

Nach einer erneuten Zugsfahrt, diesmal aber ohne AC, flogen wir ab Bangkok nach Yangon (Myanmar). Neues Land, neue Eindrücke….folgt im nächsten Bericht.

Liebe Grüsse, Körndle & Patrik

PS: Als Rucksackreisender hat man mehr das Bedürfniss den Tag draussen zu verbringen, da man beim Reisen ja meist eingeschlossen in einem Bus, Zug oder Flugzeug sitzt. Und so kommt das Schreiben leider etwas zu kurz. Wir versuchen aber, die nächste Episode wieder schneller zu verfassen.


Das Land mit dem Bruder den niemand will

Angekommen in Busan verweilten wir hier ganze 6 Nächte. Nicht das die Stadt super interessant wäre, aber bei Chris wars einfach zu gemütlich. Er ist ein Gastgeber der speziellen Art. Besitzer eines englischen Passes, spricht mit amerikanischem Akzent, ist fliessend in Französisch und nach 10 Jahren in Korea nun auch in Koreanisch. Was er ursprünglich gelernt hat wissen wir nicht, unterrichtet heute aber an der Uni in Busang Englisch. Während den Schulferien, Januar-Februar, segelt er in den grossen Ozeanen und im Juli-August verbringt er irgendwo Fahrradferien. Sein Zuhause teilten wir mit Roman und Elodie. Zwei Fahrradreisende aus Frankreich. Elodie liess sich für 2500 Euro die Augen lasern. Extrem preisgünstig, letzter technologische Wissensstand und top Qualität. Überlegt haben wir es uns, jedoch schnell verworfen. Wir wollten kein Risiko eingehen, mit Sonne und täglich Wind im Gesicht ist nicht zu Spassen.

Die Weiterreise führte uns über einen sehr gut unterhaltenen Radweg entlang des Nakdong Flusses ins Inland Südkoreas. Über diesen Radweg (4-Flüsse-Radweg) gelangt man von Busan bis nach Seoul. Zeltplätze mit Toiletten und Duschen sowie Fahrrad Pump- und Mechstationen sind reichlich vorhanden. Ja, diese haben teilweise bereits das Niveau von Autobahnraststätten, mit kleinen Shops und Imbissständen. Wir nennen diese Velobahnraststätte 🙂 . 

Die Koreaner fürchten die Sonne, helle Haut ist ein Schönheitsideal (dunkle Haut zeugt von Feldarbeit und signalisiert Armut). Die uns entgegen kommenden Radfahrer sind alle von Kopf bis Fuss verhüllt. Wir hätten bei knapp 30 Grad nicht nur eine Wallung geschwungen, nein wir wären kollabiert. Da in Korea die Etikette sehr wichtig ist, wird nur in den neusten und teuersten Radklamotten geradelt. Und wir staunen auch nicht selten über die Hightech-Räder welche hier ausgefahren werden. 

Der dritte Tag führte in die Berge. Wiederum erwarteten uns Anstiege mit bis zu 11%. An einem der eingelegten Rasts bergauf, wurden wir von einem Obstbauer mit Äpfel beschenkt. Ob aus Mitleid oder reiner Gastfreundschaft wissen wir nicht, ist jedoch egal. Die Koreaner sind extrem freundlich und die Gastfreundschaft wird hoch geachtet. Man respektiert das Eigentum anderer Leute und Vandalismus ist schlichtweg unbekannt. Gerade dieser Punkt gibt uns immer wieder zu Denken, beachtet man die Schäden welche in Europa durch Vandalismus entstehen. Nicht nur bezahlt der Steuerzahler die Reparatur, fast noch ärgerlicher ist, wenn man z.B. eine öffentliche Toilette benutzten will und diese dafür aber schlicht nicht mehr zu gebrauchen ist. 

Wir erreichten den Zeltplatz im Gayasan National Park verschwitz und mit müden Oberschenkeln und freuten uns auf eine warme Dusche. Bezahlen mussten wir den Hochsaisontarif (waren die einzigen Gäste), zu unserem Unglück gabs nur kalt Wasser und zum ersten Mal seit langem kamen unsere Daunenjacken wieder zum Zug. Es blies ein eher ungewohnt kühler Wind. Bereits am nächsten Tag wärmte die Sonne aber wieder vom stahlblauen Himmel. Unserer 5 stündigen Wanderung auf den GayasanPeak (1433müm) stand nichts mehr im Wege. Es waren rund 1000 Höhenmeter und das meist steil rauf und logisch wieder runter. Muskelkater war vorprogrammiert, und ja was für welchen. Die Aussicht in die sanft grüne Hügellandschaft mit den goldigen Reisterrassen war die Anstrengung aber allemal wert.

Eingebettet in dieselben grünbewachsenen Berghügeln steht die Tempelanlage Haeinsa, Aufbewahrungsort der Tafeln der Tripitaka Koreana, gegründet im Jahre 802. Das Unesco Weltkulturerbe bezeugt die Anwendung des ersten Gravur-Druckverfahrens zur Verbreitung der buddistischen Schrift. Dabei wurden die Holztafeln so raffiniert aufbewahrt, dass weder das Wetter, noch Nagetiere diesen über die Jahre etwas anhaben konnten.

Bei der Gemeindeverwaltung im letzten Ort Hwangsalli, liessen wir unser Gepäck stehen, zur Erleichterung unserer Beine, und nahmen die stündige Fahrradanreise zum Tempel „legere“ in Angriff. Schon fast per Zufall stellten wir fest, dass die Klosterküche auch für Gäste zugänglich ist. Da unsere Besichtigungszeit und unser Hunger (der eh omnipräsent ist) mit deren Essenszeit übereinstimmte (11:00 Lunch), genossen wir kostenlos ein köstliches Tempelmahl.

Die Gegend des darauf folgenden Nationalparks, Jirisan, ist bekannt für seine Wasserfälle. Wir liessen es uns nicht nehmen und planten den Besuch eines dieser Naturwunder ein. Der Wasserfall war enttäuschend, für unsere Begriffe eher ein Bergbach der sich über Steine den Weg sucht und dabei etwas plätschert. Mit uns besuchte auch eine koreanische Cargruppe diesen und machte gleich auf dem Parkplatz Mittagspause. Das war ein Gaudi. Dabei wird laute, traditionelle Musik gehört, Tische und Stühle inkl. Sonnensegel aufgestellt und feines Essen aufgetischt. Die Getränke dürfen natürlich nicht fehlen, wovon das meiste mit „Gügx“ getrunken wird. Dabei gibt es Bier, Makuli (Reisbier, 5-6%) oder Soju (klarer Reisbranntwein, 20%). Spontan landeten wir inmitten dieser Gruppe. Die darauf folgende Talfahrt war doppelt so rassant und auch nicht ungefährlich. Streifenhörnchen könnten die Strasse kreuzen, grosse Schilder warnen davor. Keine Bange uns passierte nichts dergleichen.

Die Reise von Busang bis in die Gegend Gochang dauerte 9 Fahrtage / 8 Zeltübernachtungen. Jeder einzelne Schlafplatz war ein Highlight. Wir nennen es gerne und zu Recht unser „Room with a view“. Die Temperaturen liessen es zu, meist nur das Innenzelt zu stellen und so geniessen wir die Aussicht durchs Netzfenster. Diese stellten wir meist unter eine der traditionellen Holzpavillions, welche in jeder Ortschaft stehen und von den Leuten für einen kurzen Schwatz tagsüber oder ein Picknick rege gebraucht werden. Das Gepäck und die Fahrräder stehen so dann im Freien und ungesichert. Aber Südkorea ist ein solch sicheres Land, wir hatten noch nie Bedenken.

Seit Dienstag, 26. September wohnen und arbeiten wir in Seongsong bei Mr. Choi und Mrs Lee. Da staunt ihr was! Mr Choi ist ein Gastgeber auf http://www.workaway.info. Körndle macht sich mit Holzfenster schleifen und Pädu als Elektriker an der Lichtinstallation nützlich.

Heute abend wird uns Orsi aus Ungarn mit einem Pörkölt (Gulasch und Spätzle) bekochen. Auch sie nutzt die Plattform workaway und bereist so Südkorea und Vietnam für die nächsten fünf Monate.

Unsere Weiterreise Richtung Seoul ist abhängig von der Arbeit. Ja genau! Sobald die Lichtinstallation hängt, wird wieder geradelt.

Aus Seoul werden wir wieder berichten. Seid gespannt.
Liebe Grüsse

Körndle & Patrik

Angekommen am östlichen Ende der Eurasischen Platte

Die letzten 3 Tage im Zug nach Vladivostok waren angenehm. Diesmal hatten wir unsere Betten übereinander und so immer einen Platz zum Sitzen. Einzige Hektik kam beim Laden der Bikes auf. Wie wir später herausfanden, hatten wir für die Strecke von Ulan-Ude nach Vladivostok für die Velos Tickets als Handgepäck gekauft. Und so mussten diese mit in das Abteil. Unser Glück war, dass wir im ersten Wagen gebucht waren uns so die Fahrräder bei der Tür hin zur Lok platzieren konnten, welche dauernd geschlossen war. Zwar ging auch dies nicht ohne Diskussionen, aber wir stellten einfach auf „ich nix verstehen“. 

Die Strecke selber ist abwechslungsreicher als der erste Teil nach Irkutsk. Lange fährt man einem breiten Fluss entlang, der sich durch bewaldete Hügel schlängelt. Eigentlich ist die ganze Gegend ziemlich feucht und moorähnlich, gespickt mit alten, verlassenen Fabriken, die von der guten alten Zeit des Kommunissmus zeugen. Die Ortschaften entlang der Strecke sind, wie man sich Sibirien vorstellt, liebloss, trist und am zerfallen. Da finde ich den Kommentar von Paul passend: „Man fragt sich, was dieses Land zusammenhält“.  

Vladivostok hat uns überrascht. Positiv. Eingebettet in Hügel mit Meer auf beiden Seiten, hat die Stadt fast schon einen mediteranen Flair. Man nennt die Stadt auch San Francisco des Ostens. Passt irgendwie, denn die Hängebrücken sind da und auch die alte Strassenbahn welche sich die steilen Strassen hinaufschlängel, fehlt nicht. 

1 1/2 Tage verbrachten wir in der Stadt, bevor die Fähre nach Südkorea auslief. John, unser Gastgeber, führte uns an die schönsten Plätze um den spektakulären Sonnenuntergang über der Stadt zu sehen. Ein fantastisches Abschiedsgeschenk um Russland zu verlassen. 

Am 30.08. um 14:00 legte unsere Fähre in Vladivostock ab. Mit uns an Bord viele Russen, Südkoreaner, Japaner und ein paar Europäer. Wir hatten unsere Kajütenbetten in einem grossen Schlafsaal, nach Geschlechter getrennt. Die meiste Zeit aber verbrachten wir in einem der Aufenthaltsräume, möglichst nahe dem Mittelpunkt des Schiffs. Zwar war die See nicht überaus unruhig, aber doch genug, dass man das Schaukeln fühlte. Abendbrot bestand aus letzten Einkäufe, welche wir noch in Russland tätigten. Hungerstillend, aber nicht gerade was man sich als Geburtstagsmenu vorstellt.

Donghae (Südkorea) erwartete uns bei strahlendem Sonnenschein und 27°. Die Einreiseformalitäten waren schnell erledigt, und wir berechtigt, uns 90 Tage im Land aufzuhalten. Da wir um die Mittagszeit ankahmen, war unsere erste Anlaufstelle ein Restaurant. An den Fakt, das wir mit den Leuten nicht kommunizieren können, haben wir uns bereits gewöhnt. So helfen uns Google Translate und Zeichensprache, an unser Ziel zu kommen. Auch in Südkorea brachte uns dies eine Nudelsuppe, nicht zu scharf gewürtzt und eine Karaffe gefiltertes Trinkwasse.

Unsere erste Destination war Samcheok, wo wir bei Allie und Joel übernachteten. 6 Tage liesen wir uns in Samcheok Zeit, um uns an die neue Umgebung zu gewöhnen. Nicht, dass Südkorea so speziell oder kompliziert wäre, im Gegenteil, aber wir brauchten einfach mal ne Pause. Zudem bietet das Land sehr viele Sehenswürdigkeiten. Hauptsächlich Buddistischen Glaubens, hat es viele Tempelanlagen. Die hüglige Landschaft bietet endlose Wandermöglichkeiten und versteckt darin einige der grössten Höhlen Asiens. 

Das must-to-see in Samcheok ist aber der Penispark. Ja, ein Park voller Statuen der Manneskraft. Dahinter steckt natürlich eine Geschichte. Eine unglückliche Jungfrau ertrank im Meer, nachdem sie von ihrem Mann auf einer kleinen Insel vergessen wurde. Aus Rache hielt sie die Fische im offenen Meer zurück, und die Fischer im Dorf gingen in den kommenden Tagen leer aus. Als ein frustrierter Fischer sich mit seiner vollen Mannspracht dem Meer zeigte, wurde er mit einem reichlichen Fang belohnt. Und so begannen die Fischer, Statuen des männlichen Geschlechtsteils zu schnitzen, worauf im Dorf wieder Normalität einkehrte. Und so steht dieser ominöse Park heute dort. Interessant ist zu beobachten, wie sich die ansonsten prüden Südkoreaner hinter vorgehaltener Hand amüsieren, um dann doch zu Erschähmen, wenn sie merken, dass man ihnen dabei zusieht.

Von Samcheok radelten wir Richtung Süden, immer der Küste entlang. In Südkorea darf man überall zelten, insofern man niemand dabei stört. Zudem hats in jedem Dorf mindestens ein Holzhäuschen, welches sich super als Unterstand eignet. Mit dem Meer vor der Haustüre und angenehmen 20°+ abends genossen wir unser tägliches Bad um die Strapatzen abzuwaschen. Denn tagsüber klettert das Termometer gerne nahe an die 30° Marke, wobei die Luft doch ziemlich feucht ist. Gepaart mit Anstiegen von gut und gern 12% treibt das einem doch den Schweiss auf die Stirn. Denn auch ohne hohe Berge kummulierten sich die Höhenmeter auf nahezu 1000m pro Tag.

Was uns in Südkorea jeden Tag wieder schockt, sind die Preise für Lebensmittel. 1kg Äpfel kostet 5.-Chf, 1kg Karotten ist 2.50 und 2kg Reis 5.- und mehr. 1 Liter Milch sogar fast 3.-, sowieso Milchprodukte sind rar und kostspielig. Einzig „So-Ju“, der lokale Reisschnapps, ist mit 1.50 pro Liter doch ziemlich günstig. Aber keine Angst, wir stellen nicht um auf flüssige Ernährung. 

Eigentlich beehrt uns die Sonne seit Ankunft in Südkorea täglich, ausser letzten Mittwoch, als ein Wolkenbruch sindflutartige Niederschläge brachte. Überschwemmungen im Süden und für uns eine Nacht im Motel, waren das Resultat. Von unserem trockenen Zuhause aus, erkundeten wir den lokalen Markt nach essbaren Leckereien. Was es mir besonders angetan hat, sind Reisküchlein gefüllt mit einer süssen Paste aus roten Bohnen. Hmmm. Ansonsten gibt es viel Fisch und Meeresfrüchte. Wobei auch Poulet ist beliebt aber teuer. Ein weiteres Highlight sind frische Sushirollen, die man für wenig Geld in jedem Tankstellenshop kriegt. 

Apropos Sushi, die Koreaner und die Japaner sind nach dem Pazifikkrieg nicht gerade beste Freunde. So findet man hier fast keine japanische Produkte. Eigentlich sowieso, wo Einheimisches vorhanden ist, wird Einheimisches gekauft. Auf den Strassen sieht man ausschliesslich Koreanische Marken und das Elektroniksegment wird dominiert von Samsung und LG. 
Bedenkt man, dass Südkorea (zusammen mit seinem nördlichen Namensvetter) in den 60er Jahren noch zu den ärmsten Länder der Welt gehörten, ist es wahnsinnig eindrücklich wie weit das Land heute fortgeschritten ist. Sicher haben die Amerikaner aus strategischen Überlegungen viel Geld ins Land gepumpt, die Koreaner verstanden es aber, dies nachhaltig zu investieren, damit eine solide Wirtschaft wachsen konnte.

Was uns auch gleich zum Thema Nordkorea führt. Was im Moment abgeht ist traurig aber hier schon fast Normalzustand. Informiert bei den lokalen Leuten, bestätigen die uns, dass Kim jedes Jahr im September seine Machtspielchen auf die Spitze treibt (Nationalfeiertag = 9.09.). Natürlich halten wir Augen und Ohren offen, wie es weitergeht zwischen Nordkorea und den USA, aber den Alltag dominieren lassen wir uns von diesem Thema sicher nicht.  

So sind wir nun in Busan, der drittgrössten Stadt des Landes, ganz im Süden. Hier wollen wir unsere Weiterreise organisieren, die Bikes wiedermal durchwaschen und revidieren und uns einfach ein paar Ruhetage gönnen.

Lieber Gruss, 

Körndle und Patrik 

Sibirien wir kommen

Nach der ganzen Anstrengung mit Fahrkahrten für uns und unsere Räder zu organisieren, waren wir nun doch etwas angespannt, was uns den erwarten würde. Damit die Zeit nicht auch noch ein Stressfaktor wird, begaben wir uns gute 2h vor Abfahrt an den Bahnhof. Nur werden die Züge in Russland erst ca. 40min vor Abfahrt angeschrieben und so mussten wir warten um nicht auf dem falschen Perron zu landen. 

Dabei beobachteten wir 3 junge Leute, wie diese Gepäckstück um Gepäckstück auf in die Bahnhofshalle zügelten. Wohin die wohl wollen mit all dem Zeugs, fragten wir uns. 

Nun gut, unser Zug wurde aufgerufen, wir eilten auf’s Perron, entluden unsere Fahrräder, demontierten das Vorderrad, packten die Velos in Abfallsäcke (ja, in Russland müssen die Fahrräder auf dem Zug verpackt sein), zwängten das ganze in ein leeres Abteil der 2. Klasse und begaben uns zu den zugewiesenen Betten in der 3. Klasse. Schon komisch, wenn das Material besser reist als wir selber 🙂 .

Wir hatten zwei Betten oben, das war alles was beim Buchen noch übrig war. Unter uns logierten zwei ältere Damen und mit ihnen hatten wir, na ja, nicht gerade Spass aber sie boten uns immer wieder Süssigkeiten an und überliesen uns ihr Bett, wenn wir essen wollten. 

Essen ist auch ein gutes Stichwort. Vor der Abfahrt deckten wir uns mit Nudelsuppen, Karotten, Güetzi, Tee und Kaffee ein. Es gibt zwar ein Restaurantwagon, doch dort geht irgendwie niemand essen. Eine weitere Quelle für Nahrung sind die Mamuschkas (alte Damen) auf den Perrons, welche ihre lokalen Leckereien anbieten (Fisch, Fleisch, Kartoffeln, Gurken und Tomaten). Hungern mussten wir also nie. Zudem gibt es teils längere Stops, 30min – 1h, wo man auch schnell in den nächsten Supermarkt laufen kann. Man sei jedoch gewarnt, die russische Eisenbahn fährt pünktlich. Ja, fast noch pünktlicher als in der Schweiz. Bedenkt man die Strecke (Moskau – Irkutsk = ca. 4000km) hatten wir nie mehr als 2-3min Verspätung. Unglaublich. 

So zogen die ersten Tage an Bord ins Land. Das Programm vor dem Fenster wechselte nicht wirklich. Wald, Wiese und ab und zu mal ein Ort. Trotzdem wurde es einem nie langweilig. Man hat ja genug Lesestoff mit oder unterhält sich mit anderen Reisenden. Klar, unser Russisch ist „chu-chu = ein wenig“, doch die drei mit dem riesen Gepäck waren Kristina, Killian und Julius aus Berlin und reisten im gleichen Wagon wie wir. 

In Novosibirsk (halbe Strecke) wendete sich das Blatt. Als eine der älteren Damen ausstieg, wurde sie durch einen stinkenden, übel aussehenden Russen ersetzt. Und wenn wir sagen stinkend, dann könnt ihr euch nur halb vorstellen, wie streng die Körpergerüche waren, die er von sich gab. Zum Glück ist Rauchen und Alkoholtrinken in den Abteils strickt verboten. Denn wer weiss, was uns sonst noch alles erwartet hätte.

Nach 4 Tagen und 4 Nächte spickte uns der Zug in Irkutsk wieder aus. Wir sind angekommen in Sibirien. Wer jetzt aber an Kälte, Schnee und Bären denkt, liegt falsch. Irkutsk ist eine Grossstadt wie jede andere in Russland. Eine alte Strassenbahn schlängelt sich durch die Strassen und die meisten Gebäude sind bereits in die Jahre gekommen oder gar nicht mehr bewohnbar. 

Bei 30 Grad und mehr radelten wir am nächsten Tag los Richtung Baikalsee. Die Insel Olkhon liegt etwa 300km von Irkutsk entfehrnt, wobei man von der Strasse aus den See erst auf den letzten 50km sieht. So radelten wir erst durch bekannte Vegetation mit grünen Wälder und Wiesen, diese stellte dann um auf trockene Steppe und endete am See in der russischen Taiga. Genau so abwechslungsreich waren auch die Zeltplätze welche wir in der Natur fanden. Wobei der See von einem Ring aus Hügel (3-400m hoch) umgeben ist, was uns eine atemberaubende Abwechslung zum Flachland bot. 
Alles in allem also eine schöne Strecke, wären da nicht die letzten 35km. Man passiert eine Engstelle am See mit einer Fähre um auf die Insel zu gelangen. Von da an sind die Strassen nicht mehr geteert und in einem desolaten Zustand. Die Autos suchen sich eigene Wege neben der Hauptpiste und trotzdem wird man durchgeschüttelt wie bei einem Rodeoritt. Das zerrte an unserer Kraft und Nerven. Aber die Schönheit der Insel war guter Lohn für die Anstrengung und so erholten wir uns 2 Tage in Kushir, dem Hauptort und einzigen Dorf auf der Insel. 

Der Baikalsee soll über 25 millionen Jahre alt sein, ist mit einer max. Tiefe von 1600m das tiefste Binnengewässer und fasst ein Fünftel des weltweiten Süsswasservorkommens. Durch seine Tiefe wird das Wasser an manchen Stellen nicht wärmer als 6-7 Grad. Manche Leute fahren sogar an den See um sich einer Radon-Behandlung zu unterziehen. Das radiokative Material soll durch die Tiefe des Sees freigesetzt werden. Tja, „wenn’s schee macht“!

Bei Kushir ist der See allerdings flächer (wird auch kleines Meer genannt) und bietet im Sommer angenehmer Badespass. Im Winter gefriert der See komplett zu, sodass man mit den Autos darauf fahren kann. Zudem ist die Insel Olkhon ein heiliger Ort für die Schamanen, welche in der Natur ihre Religion sehen und an entsprechend schönen Orten ihre Rituale vollbringen.

Eigentlich wollten wir per Schiff über den See an die Ostseite und dann weiter nach Ulan-Ude. Doch so eine Bootsverbindung gibt es leider nicht und ein ganzen Schiff zu chartern für 700€ war uns dann doch zu teuer. Also ging die Reise wieder zurück nach Irkutsk, diesmal jedoch per Bus. Dort trafen wir am Samstag unsere drei Freunde aus Berlin wieder und verbrachten einen lustigen Abend in der Ausgangsmeile im Ort. 

Wir umradelten nun die Südspitze des Baikalsees um nach Ulan-Ude zu gelangen. Die Fahrt dauerte 5 Tage, wobei das Wetter auch wiedermal auf und ab spielte. Am dritten Tag landeten wir in einem Touristenort direkt am See, aber natürlich einen Touristenort nach russischem Standard. Unser Logie hatte ein Plumsklo im Innenhof, Dusche waren im Hauptgebäude, dafür stand uns eine kleine Küche zur Verfügung. Im ganzen Haus roch es jedoch nach Toilette, und die Anlage hatte die besten Tage bereits hinter sich. Aber warm hatten wir allemal.

Nun sind wir in Ulan-Ude, der buddistischen Hauptstadt Russlands. Erstaunlich ist, dass hier der buddhistische Glauben eine Tempelanlage erstellen konnte, zur Zeit, als Stalin jegliche Religionen nicht christlicher Herkunft verbat. 
Morgen steigen wir erneut in den Zug um uns nach Vladivostok transportieren zu lassen. Das heisst erneut 3 Tage und 3 Nächte in einem Wagon mit 52 anderen Reisenden. Mal schauen was uns diese Fahrt so alles an Abenteuer bringt. In Vladivostok besteigen wir am 30.08 die Fähre nach Südkorea. So werdet ihr von uns erst wieder hören, wenn wir bereits in Südkorea sind. Aber die Berichte werden sicher nicht weniger spannend sein. 

Liebe Grüsse,

Körndle & Patrik  

Dobro Pozhalovat v Rossii

(Soll soviel heissen wie „Herzlich Willkommen in Russland“, hoffen wir wenigstens)

Für die Strecke von Tallinn an die russische Grenze konnten wir uns so richtig viel Zeit lassen. Mehrheitlich radelten wir der Küste entland, was uns auch immer wieder einen hervorragenden Zeltplatz für die Nacht bot. Die Tage mit einem kühlenden Bad zu beenden ist schon hervorragend. Wenn mann beim Abendessen dann noch den Sonnenuntergang in voller Pracht geniessen kann, tendiert man bereits von einem perfekten Tag zu sprechen. Die einzige Aufregung welche wir diese Tage erlebten war, als sich nachts ein Frosch in unser Zelt schlich und Körndle ihn für eine Schlange hielt. Der Aufruhr nach hätte es aber ebenso auch ein Bär sein können. 

Die letzte Nacht vor dem Grenzübertritt gönnten wir uns ein Hotelzimmer und vor allem eine Dusche (oder zwei, drei). Schliesslich hatten wir viel gelesen und stellten uns auf eine mühsame & langwierige Prozedur bei der roten Armee ein. Da wir das Hotel breits kurz nach Mittag bezogen, schlenderte ich zum Supermarkt und kaufte an der Frischetheke was es so alles an Leckereien gab. Mit Kohlsalat, 2x Hähnchenkeule, Brot & 2 Bier machten wir es uns in unserem temporären Zuhause gemütlich. Abends gabs dann übrigens Pizza, nur um unser kulinarisches Programm abzuschliessen 🙂 .

Punkt 09:00 standen wir am 01. August an der Grenze zu Russland. Und 09:30 waren wir bereits auf russichem Boden, hatten ein Stempel mehr im Pass und dürfen uns nun 30 Tage frei im Land bewegen. Ging doch ganz flott. Mit einem netten Startpacket an Rubel in der Tasche, vielen Dank nochmals, Mam & Ton, radelten wir in Richtung St. Petersburg. 
Da der Verkehr eigentlich gut auszuhalten war (entgegen Warnungen anderer Russland-Radler) beschlossen wir den direkten Weg und damit die Hauptstrasse nach St. Petersburg zu verfolgen. 2 Tage dauert die Fahrt dahin aber trotzdem. Die Nacht schlugen wir unser Zelt nahe einem kleinen Flugplatz auf. Das nahende Gewitter zwang uns zu einem schnellen Abendessen und kündigte einen weiteren Tag Regen für morgen an. Na ja, so halt. 

Auf dem Weg nach St. Petersburg wunderten wir uns immer wieder über unterschiedliche Kilometerangaben. Als wir die Stadtgrenze im Süden passierten, wussten wir wieso. Von hier dauerte es nochmals 30km bis wir unser Lager für die Nacht erreichten. Die Fahrt durchs Zentrum führte uns bereits an fast allen nennenswerten Sehenswürdigkeiten vorbei. Und da unser Host uns erst ab 19:00 erwartete, hatten wir Zeit uns umzuschauen. Die Vielzahl an Paläste, Kirchen und historischen Gebäude ist beachtlich. Aber auch die Anzahl an militärischen Einrichtungen ist beeindruckend. 

Uns in irgendwelche Museen zu begeben, hatten wir schlicht keine Lust dazu. So bestaunten wir die „Hermitage“ und alle anderen „must-see’s“ von aussen. Wir wollen uns ja noch ein paar Sehenswürdigkeiten für’s Reisen im Alter aufheben. 

Unseren Host verbrummten wir gleich dazu uns am nächsten Abend an den Bahnhof zu begleiten, um Fahrkarten für uns und unsere Fahrräder zu besorgen. Was der arme Kerl damals noch nicht wusste ist, dass wir einen 3,5h Schalter Marathon vor uns hatten (wir wussten dies natürlich auch nicht). Also, anstehen an Schalter 1. Nach einer Stunde Wartezeit erfuhren wir, dass Schalter 1 nur Fahrkarten aber keine Gepäckkarten verkauft. Gut, wenigstens hatten wir unseren Platz im Zug. Am Schalter 2 (dieser ausschliesslich für Gepäck) war die Schlange noch etwas länger. Als unser russischer Freund der guten Dame unser Anliegen (Fahrrad in den Zug und so) erklährte, schloss diese gleich den Schalter für 15min Pause. Super. Zu ihrem Pech standen wir nach 15min immer noch da, mit immer noch denselben Anliegen. Nun war der Supervisor gefragt. Dann wurden Ordner durchgeblättert, im Computer herumgetöggelt, intensiv gesprochen und ich vermute auch leise etwas geflucht. Aber, nach 3,5h hatten wir folgende Ausbeutung:

– Fahrkahrten 3kl. im Schnellzug von St.Petersburg nach Moskau

– Fahrkahrten 3kl. im Zug Moskau – Irkutsk inkl. Billette für die Fahrräder 

– Fahrkahrten 3kl. Ulan Ude – Vladivostok (Für die Räder besorgten wir uns Tickets in Moskau)

Bereits am nächsten Tag erfuhren wir von einem Warmshower Host in Moskau, dass man in den Schnellzügen keine Fahrräder mitnehmen kann, schon gar nicht mit so viel Gepäck wie wir es haben. Hmm, also wieder hin zum Bahnhof, diesmal ohne russichen Dolmetscher und Fahrkarten tauschen. Nach 1h hatten wir nun einen Nachtzug und Tickets für unsere Räder. Ging doch, zeigt aber, dass man hier mit dem Fahrrad doch ein Alien ist. 

Im besagten Nachtzug hatten wir dann irgendwie 2kl. und das heisst ein Schlafabteil zu viert. Unter uns zwei flotte, junge Männer, die ins Militär nach Moskau gingen (oder in den Krieg mit den Ukrainen, so genau haben wir uns nicht verstanden). Leider hatte einer der Beiden panische Angst vor dem Schlafen, half sich mit Vodka und Zigaretten über die Runde, was bei uns ein gewisses Unwohlsein auslöste (nebst einem ziemlich unruhigen Schlaf). Am nächsten Morgen verabschiedeten uns die beiden, als ob sie nur Wasser getrunken hätten. 

Moskau. Endlich waren wir in der russischen Metropole angekommen. Wir gesellten uns zu den anderen Touristen auf den roten Platz und stellten uns vor, wie es Mathias Rust erging, der vor 30 Jahren mit dem Flugzeug hier landete. Wir besuchten den Kreml, trampelten auf Putins Rasen herum (obschon der grossen Verbotsschilder, hi hi hi) und schlenderten durch die Gassen der Innenstadt. Doch so richtig warm wurden wir mit der Stadt nicht. Die Stadt-Russen sind sehr auf Etikette bedacht und zeigen gern was sie haben. Nicht ganz unsere Welt. Da fühlten wir uns in unserem kleinen aber feinen Hostel viel wohler, zwischen Aserbaijaner, Nepali und anderen Reisenden. 

Am 09.08. um 00:35 bestiegen wir Wagen Nr.6 im Zug Nr.44 der Transsibirischen Eisenbahn, welche uns in 4 Tagen nach Irkutsk bringen soll. 4 lange Tage eingeschlossen in einem Wagon mit 52 Anderen, 2 Toiletten und einem Heisswasserspender. 

Was es da so alles zu berichten gibt, lest ihr in unserem nächsten Blog. 

Lieber Gruss

Körndle & Patrik

Baltikum, langweilig schön!

Mit langweilig schön zitiere ich eine ehemalige Arbeitskollegin von Pädu bei Biketech, Flyer. Damals beim Abschiedskaffee schwärmte Marlis von dieser Gegend, vor allem Estland und sagte abschliessend es sei einfach langweilig schön. Darunter konnten wir uns nur vage was vorstellen. Doch heute in Tallinn, fast am Ende der Reise durch’s Baltikum, können wir es ganz klar bestätigen und würden es auch unterschreiben: definitiv sehr schön aber anhaltend dann doch langweilig.

Die Landschaft ist immer grün, die Strassen verlaufen durch Wälder, entlang Raps- und Kornfeldern oder entlang satter, grünen Wiesen. Solange kein Regen fällt, ist es oben blau, unten grün. Dieses Bild zog sich nun wirklich seit Polen hin, bis nach Tallinn, wo wir im Moment gerade weilen.

Die Grenze nach Litauen überquerten wir beim Dreiländereck Polen, Kaliningrad (Russland) und Litauen. In Polen schien noch die Sonne, just ein paar Meter nach der Grenze begrüsste uns Litauen mit starkem Regen. Eigentlich wollten wir im Zelt übernachten doch dieses Vorhaben verwarfen wir rasch. Im Ort Vistytis hofften wir auf eine Unterkunft. Im einzigen Gästehaus war eine Hochzeit im Gange – geschlossene Gesellschaft. Schlussendlich landeten wir in einem ehemaligen Imbissrestaurant/Bar mit ein paar Betten im Obergeschoss und einer noch funktionstüchtigen Küche. Unser Abend war gerettet.

Bereits am nächsten Tag freuten wir uns auf eine private Übernachtung. Victoria und ihre Eltern nahmen uns für eine Nacht auf ihren Bauernhof. Es war ein Vergnügen, sich mit Victoria über Land und Leute zu unterhalten, während ihre Mutter uns reichhaltig bekochte. Endlich konnten wir unsere Mägen nach tagelangem Linsen schlürfen wiedermal mit reichhaltiger Hausmannskost vollhauen. Die Speise welche uns serviert wurde ähnelte verdächtig unseren Capuns und schmeckte einfach hervorragend. Und als wir nach einem kleinen Spaziergang zu Victorias Summerhaus (ein Chalet im Grünen) nach einem Kaffee fragten, kriegten wir nicht nur dieses sondern serviert dazu: Käse, Honig, Marmelade, Brot, Keckse, Schoggi, Glace, usw. Ein wahres Festessen.

Übertrumpft wurde der Abend am nächsten Morgen. Victoria offenbarte uns, dass es Hühnchen gibt. Hmm, Hühnchen zum Frühstück?! Und ja, Frühstück war Hühnchen mit Reis, Bulgur, Kohlsalat, Gurken&Tomaten, belegte Brötchen mit Lachs und Wurst, usw. Einfach unglaublich was uns hier geboten wurde. Victorias Mutter meinte nur, wer weit radeln will muss auch was essen. Recht hat sie 🙂  

Bis nach Riga, dies dann bereits in Lettland, hatten wir wechselhaftes Wetter. Die Sonne kämpfte, nur auch der Regen oder zumindest der Niesel hatte seinen täglichen Auftritt. So zu radeln macht auf die Dauer keinen Spass. Obschon unsere Regenkleider sind top aber die gute Laune aufrechtzuerhalten war schwierig. Die Balten sind sich aber einig. Das Wetter ist definitiv völlig atypisch. Im Sommer ist es meistens zwischen 25-27 Grad und kaum Regen.

Riga ist eine Reise wert. Angekommen bei wiederum ströhmendem Regen, verbrachten wir zwei sonnige und geschichtsträchtige Tage. Wir besuchten das ehemalige KGB-Gebäude. Was hinter dessen Mauern abging, ist wiederum ein trauriger Abschnitt sowietischer Geschichte. Menschen die an diesen Ort einberufen wurden, verschwanden meist spurlos. Die „Glücklicheren“ unter ihnen erhielten eine Fahrkarte nach Sibirien, die dem Staat Nutzlosen oder Gefährlichen, eine Kugel in den Kopf. 

Ironie des Schicksals: Da heute mehr als 40% Russen in Lettland leben, feiert man den Tag der Befreiung vom Deutschen Reich als Feiertag, obschon Lettland bis 1990 unter der Russichen Besatzung nicht weniger unterdrückt wurde. 
Riga ist aber ein Ort voller cooler Bars & Cafes. Die Strassen voller Leben und Altstadt voller Historie. Am Freitag wollten wir uns einem Friday-Night-Ride anhängen. Einer Velo-Ausfahrt also. Start war um 22:00. Mit den langen Tagen des Nordens war der späte Start auch ok. Wir erhofften uns jedoch einen easy Ride durch die Stadt, wobei die Organisatoren eher an einen längeren Ausflug durch die Nacht dachten. Als wir dies realisierten, waren wir zwar bereits 20km aus der Stadt, für uns aber Zeit umzudrehen. Und nach einem Bier versöhnten wir uns auch mit diesem Vorhaben. 

Wir sind nun wieder vermehrt am wild Campen. Die Landschaft eignet sich hervorragend dafür, auch wenn die Mücken ihre wahre Freude daran haben. Ohne Mückenspray, ein Ding der Unmöglichkeit. Die Dämmerung und Feuchtigkeit sind beides top klimatische Vorraussetzungen für die lieben Plaggeister. Wir geben das Terrain dann meistens frei und verkriechen uns im Innenzelt – Mücken-freie-Zone.

In Pärnu quartierten wir uns in ein Hostel. Zu Fuss gings am nächsten Tag auf Entdeckungstour. Die Stadt hat eine kleine aber schöne Altstadt und einen, für nördliche Verhältnisse sogar zum Sonnentanken einladenden Strand (mit Kite-Surf Event). Der Regen verscheuchte uns ins nächste Lokal, wo wir das schlechte Wetter bei Hamburger und Bier aussassen. Auch nicht schlecht, oder?

Weiter ging die Reise mit einem Umweg über Haapsalu (wunderschöne Altstadt) nach Tallinn. Wir haben Glück und unsere Wohnung ist in der wohl angesagtesten Gegend. Nur ein Steinwurf von der Altstadt, wohnen wir neben einer alten Fabrik, umgebaut zum Hypsterquartier mit Bars, Restaurants, Kino, Shops, Flohmi’s , usw. Der Altstadt selber statteten wir natürlich auch einen Besuch ab. Die Masse an Touristen (es lagen gerade zwei Aida Dampfer im Hafen) schlug uns aber schnell wieder in die Flucht. So genossen wir hier die Tage (4 insgesammt) vorallem in und um die Wohnung. Entspannung pur.  

Unser Russland Visum beginnt am 1. August. Bis dahin geniessen wir das endlich herrschende Sommerwetter in Estland. Wir sind sehr gespannt was uns in Russland erwartet und hoffen auf eine abwechslungsreichere Landschaft. Den Kontakt zu den Menschen wird wohl nicht mehr als im Baltikum sein – rar. So sind halt die Nationen verschieden.

Auf bald und lieber Gruss,

Körndle & Patrik

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