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Mit Sushi und Schafspelz

Aufbruch zu neuen Horizonten

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Litang – Shangri-La -Lijiang, im Schnellzugstempo

Wir melden uns bereits aus Lijiang. Bereits! Ja genau..

Litang verliessen wir mit meintlich erholten Muskeln, mental gestärkt und gut genährt. Der erste Fahrtag war ziemlich einfach. Ein kurzer Aufstieg aber sonst geradeaus oder leicht abwärts. Die Sonne, stahlblauer Himmel leider aber ein kühler, böhiger Gegendwind waren unsere Begleiter. Unterhalb des ersten Aufstiegs fanden wir einen „hiube“ Zeltplatz. Mit den letzten wärmenden Sonnenstrahlen richteten wir unser Nachtlager ein und Pädu bereitet wieder ein leckeres Essen. Wir schliefen lange – Kälte macht müde und am Morgen war das Zelt wiederum vereist. Alles nicht weiter tragisch, kennen wir ja bereits.

Der Aufstieg am zweiten Tag war alles andere als easy. Kurze Distanz, 800 Höhenmeter und einen saukalten, ekligen Gegenwind blies uns den ganzen Tag um die Ohren. Pädu strampelte, nicht schnell aber stetig, zum Gipfel, ich hingegen musste schon bald auf Fahrradwandern umstellen – zu viel Wiederstand für mich. Fahrradwandern mit Klickschuhen ist alles andere als angenehm und zusätzlich belastete es die Arme und Schultern. Praktisch den ganzen Tag benötigten wir für die paar Km und endlich oben angekommen, stellten wir fest, dass es auf der anderen Seite recht schwierig sein wird, einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Doch das Glück verlies uns auch diesmal nicht und wir fanden Unterschlupf bei den Strassenarbeitern. Wir wurden sogar verköstigt und schliefen wohlig im Einzelbett zu zweit aneinander gekuschelt wieder viele Stunden. Sobald es dunkel wird, geht man in China schlafen. Das ergibt ab 8 Uhr abends bis morgen um 7.30 Uhr etliche Stunden.

Richtig garstig wars am dritten Tag. Bedeckter Himmel, eisig kalt, Schneefall und ohne Frühstück radelten wir so rasch wie möglich wärmeren Gegenden zu. Am Mittag in Sangdui wars bereits wieder sonnig aber dieser Wind wollte uns nicht loslassen. Die Kälte raubt Energie und der murksige Aufstieg vom Vortag waren genug, um zu folgender Entscheidung zu kommen. Wir lassen uns ein weiteres Mal transportieren. 2 Personen, 2 Fahrräder, 80 Km, 3 h Fahrt, 2x Pinkelpause, 2x Fotostop – das alles für nur 13 Fr., da ist nichts zu meckern. Die Strecke führte wiederum über einen Pass mit zum Teil nicht alsphaltierter Strasse. Ich war heilfroh, Pädu schlussendlich auch, über den Entscheid. 

In Xiangbala angekommen, buchten wir gleich für den Folgetag eine Busfahrt bis nach Shangri-La, denn die Pässe wollten nicht enden und weniger steil und anstrengend wurde es auch nicht. Auch die Busfahrt war super günstig – 15 Fr. / 2 Personen, diesmal 200 Km, mehrere Pinkelpausen, Fotostops und Mittagspause. Die Fahrräder seien kein Problem, nur der Preis müsse mit dem Chauffeur ausgehandelt werden. 

Das Zimmer für die kurze Nacht war riesig – so viel Platz hatten wir schon lange nicht mehr, leider mussten wir früh aus den Federn. Die Busfahrt startete um 6.10 h, eintreffen am Busbahnhof um 5 h. Wir nahmen es mal nicht so mit der schweizerischen Pünktlichkeit und standen um 5.15 h vor verschlossener Türe. 5.35 h rauschte die Blechtüre auf und um 5.55 h erschien der gähnende Buschauffeur. Er war bald hellwach als er die beiden vollbepackten Fahrräder sah. Pro Tasche und Fahrrad wollte er nun 9 Fr. . Pädu wie immer blieb ruhig und setzte die Coolman-Miene auf und verhandelte schlussendlich 9 Fr. für das ganze Gepäck und basta. Wir mussten alles selber im Busbauch einladen und befestigen (in Shangri-La wussten wir dann auch wieso – dazu aber etwas später) und um 6.30 h konnte die Reise endlich starten.

Kurz ausserhalb des Ortes war die Reise aber auch schon zu Ende. Eine Schlamm- und Steinlawiene versperrte die Strasse und ein Räumungsversuch war nur langsam im Gange. Das hiess im kalten Bus warten und hoffen, dass da bald was passieren wird. Eine Stunde später konnte die Reise auch wirklich beginnen. Ja das war was. Über sicher 4 Pässe alle über 4000müm und dazu eine unbefestigte Strasse, die ich dann wieder fahrradwandernd begehen hätte, führte uns die 9 stündige Busfahrt nach Shangri-La.

9 Stunden lang machten wir uns Sorgen um unsere Fahrräder. Die Strasse war nicht nur unbefestigt, es hatte auch arge Schlaglöcher. War es ein Fehler uns transportieren zu lassen? Für was haben wir nun in Chengdu die Räder durchchecken lassen? Alles kaputt? Kratzer? Was bricht bei diesem Geholpper alles ab? Fahrrad in zwei Stücke?

Shangri-La ist wiederum sehr touristisch. In einem gemütlichen Hostel fanden wir Unterschlupf und trafen auf vier andere Cyclists. Ein Ehepaar aus Frankreich und ein Paar aus der Türkei (er Franzose und sie Türkin). Mit Englisch unterhaltend verbrachten wir einen gemütlichen Abend mit einem Gläschen Wein – wieder einmal – und vergassen schnell unseren Höllentrip. 

Ach ja den Fahrrädern geht es gut. Meins hat einen Kratzer am Ramen und mein aufgeklebter Pandabär auf dem Schutzblech viel ab. Der Kratzer nicht wirklich schlimm und der Panda ist schnell wieder aufgeklebt. Pädu’s Vorderrad wies einen tiefen und breiten Kratzer über den Pneu und Felgen auf. Jedoch bremstechnisch kein Problem und der Pneu ist immer noch intakt. Glück gehabt – uff.

Wir gönnten uns zwei Nächte in Shangri-La. Zu sechst gings weiter Richtung Lijiang. Alles auf einer Nebenstrasse ohne grossen Verkehr durch Pinienwälder mit Weitsicht auf die 5000-Berge mit Schneespitzen. Das Wetter spielte immer noch mit. Am morgen sehr fröstlig, sobald die Sonne schien aber T-shirt-Wetter und abends ums Lagerfeuer wohlig warm. Zu sechst radeln entspannt und wir genossen es mal in Gesellschaft zu sein. Das hatten wir ja bis hierhin noch nie.

Nach drei Zeltnächten entschieden wir eingangs Tiger Leaping Gorge im Hostel abzusteigen. Die anderen reisten weiter. Wir besuchten morgens die Gorge und am Nachmittag wanderten wir für 4 Stunden zusammen mit den Ziegen über Stock und Stein. Mal wandern anstelle von strampeln tat Gutes.

Die Tiger Leping Gorge ist eine etwa 15 Kilometer lange Schlucht im Norden der chinesischen Provinz Yunnan. Der Legende nach soll ein Tiger die Schlucht an ihrer engsten Stelle über einen Felsblock in der Flussmitte mit zwei Sprüngen überwinden können. Misst man den Höhenunterschied vom tiefsten Punkt zum höchsten, ist sie mit rund 3900 m Höhenunterschied die tiefste Schlucht der Welt.

Nach weiteren zwei Tagen erreichten wir gestern Lijiang. Damit die Altstadt besichtigt werden kann, wird Eintrittsgeld verlangt – nicht gerade wenig. Die Altstadt besteht aus unzähligen Übernachtungsmöglichkeiten, Touristenständen und Fressecken. Herrlich kitschig beleuchtet, bieten sie Tanzshows an und Kaffees und Bars laden zum verweilen ein.

Die Altstadt von Lijiang ist von engen Kopfsteinpflastergassen und einem Netz an Kanälen durchzogen. Sie ist eine der am besten erhaltenen Altstädte Chinas. Die alten Häuser ruhen meist auf einem Steinfundament und Mauern aus weiß getünchten Lehmziegeln, haben Türen, Balkone und Fensterläden aus rotem Holz und typisch geschwungene Ziegeldächer. Seit 1997 hat das alte Stadtzentrum Lijiangs den Status des UNESCO-Weltkulturerbes. Zudem ist die Altstadt das frühere Zentrum der Naxi-Minderheit.

Die Naxi sind eine der 55 ethnischen Minderheiten, die von der chinesischen Regierung offiziell anerkannt werden. Ursprünglich aus dem Nordwesten Chinas migrierten sie in tibetische Gebiete um saftiges Grassland zu bevölkern. Zudem betrieben die Naxi die nicht ungefährliche Handelsroute zwischen China, Lhasa und Indien, besser bekannt als die TeaHorseRoad.

Die TeaHorseRoad war ein Handelsweg zwischen den chinesischen Provinzen Yunnan und Sichuan im Osten und Tibet und Indien im Westen. Manchmal wird sie auch Südliche Seidenstraße genannt. Die wichtigsten Güter waren Tee aus China, von dem der größere Teil nach Tibet und der kleinere Teil nach Indien ging, und Pferde aus Tibet, die in China vorallem für die Armee gebraucht wurden.

Zusammengefasst, sind wir froh den südwestlichen Ausläufer des Himalayagebirges überquert und hinter uns gelassen zu haben. Nun freuen wir uns auf die kommenden tieferen Gegenden, auch wenn uns hier sicher der einte oder andere Anstieg noch erwartet. Die Temperaturen sollten jedoch wieder über die 20° Marke klettern wobei die Luftfeuchtigkeit mitsteigt. 

Heute ist Wasch- und Einkaufstag angesagt. Morgen gehts weiter Richtung Dali -Kunming. Ca in 10 Tagen möchten wir dieses Ziel erreichen und die Fahrräder für ein paar Tage deponieren. Die Flüge für unseren Sidetrip nach Hongkong sind gebucht (20. – 26.11.).

Von all dem berichten wir gerne, wie bereits erwähnt, in ca 10 Tagen. Bis bald.

Liebe Grüsse,

Cornelia & Patrik

Chengdu – Litang, dem Himmel entgegen

Nach 10 Tagen Fahrt und x-tausend Höhenmetern sind wir in Litang angekommen. Das liegt auf 4100müm und bietet wiederum eine wunderschöne Klosteranlage und einen Sky burial place, die wir heute besichtigt haben.

„Sky burial“ – Himmelsbestattung, ist ein altes, traditionel tibetisches Ritual, wo der Leichnam auf einem vorgesehenen Ort zerstückelt und so den Geiern zum Frass vorgeworfen wird. Man streitet sich jedoch darüber ob die Zeremonie aus religiösen Überlegungen durchgeführt wird oder aus rein praktischen Gründen, da der Boden auf über 4000müm zu hart für ein Begräbnis ist und für eine Feuerbestattung schlicht das Brennholz fehlt.  

Die Bevölkerung in Litang besteht zu 94% aus Tibeter und ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in alle vier Himmelsrichtungen. Hystorisch hat die Stadt jedoch Ruhm erlangt durch die Geburten des 7ten (1720 – 1757) und des 10ten (1826 – 1837) Dalai Lama. Der Dalai Lama wird gerne als Oberhaupt der buddistischen Religion dargestellt, diese Stellung hat aber der Ganden Thripa inne. Der Dalai Lama ist die Reinkarnation einer Bodhisattva, eines erleuchteten Wesens, welches unter dem Name Avalokiteshvara als Schutzpatron des Landes Tibet gilt. Der heutige Dalai Lama, Tenzin Gyatso ist der 14te, 81 Jahre alt und wurde 1989 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Chengdu verliessen wir bei Nebel und echt trübem Wetter. Unsere Fahrräder laufen nach den getätigten Reparaturen und Check-ups aber wieder wie geschmiert. Am ersten Tag verlief die Strasse noch geradeaus durch die Aussenquartiere von Chengdu, ein Dorf dem nächsten folgend und dazwischen Ackerlandschaften ohne Ende. Auch am zweiten Tag war der Himmel bedeckt und eine leichte Depression kam auf, zumal es am Nachmittag auch noch zu regnen began. Jedoch die Gegend wertete alles auf, denn wir fuhren durch Bambuswälder, den grünen Reisfeldern entlang und passierten typische chinesische Dörfer, die uns sehr gut gefielen. So sagte ich, sieht doch China aus und nun endlich durften wir dies auch mit eigenen Augen betrachten… halt bei Regen, aber was solls.

Ab dem dritten Tag war uns die Sonne eine treue Begleiterin. Da aber began auch der eigentliche Krampf. Wir überquerten mehrere Pässe über 4000müm und dabei waren es Anstiege über kurze Distanzen aber gleich locker um die 1000 Höhenmeter. Dazu war der Verkehr auf dem Abschnitt Ya’an – Kangding sehr anstrengend. Der Gütertransport nach Lhasa ist vorwiegend auf der Strasse und geht über diesen Abschnitt. Zudem haben die Trucks und Busse eine nervtötende Angewohnheit immer und überall zu hupen und diese sind sicher über 100dB laut. 

Zum Glück gab es aber immer genug Wassertankmöglichkeiten, zur Mittagszeit eine Nudelbeiz und abends ein passendes und günstiges Bettchen um die müden Glieder auszustrecken. Drei Mal haben wir unser eigenes Zuhause, das Zelt aufgebaut, da es einfach keine andere Lösung gab. Da gibt es keine warme Dusche, aber immer ein leckeres Abendessen von meinem Starkoch Pädu geköchelt. Die Nächte im Zelt waren kalt, am Morgen die Zeltwände vereist. Jedoch ab 7.30 strahlte die Sonne und wärmte unsere kalten Glieder und heizte den Pelz auf.

Die Strecke Chengdu – Lhasa, auch genannt Sichuan-Tibet-Highway ist auch unter chinesischen Tourenfahrer sehr beliebt, vergleichbar mit den Europäern, die den Jakobsweg begehen. Die Chinesichen Kollegen haben meist light weight, also viel weniger Gepäck als wir und hüpfen nur so die Pässe hoch. Die obligaten Gespräche unter Velöler erstickten jedoch jedesmal nach dem ersten „Ni-hau“ (chinesisch für Hallo), denn dann war unser Wortschatz bereits zu Ende. Auf der Strecke zum höchsten Punkt hatten wir zwei treue Begleiter die uns dann aber „ohne Worte“ wertvolle, moralische Unterstützung boten. 

Der Sichun-Tibet-Highway, unter der ofiziellen Bezeichnung G318, verläuft über eine Länge von 5’476km von Shanghai bis an die Nepalesische Grenze, wobei der Abschnitt Lhasa-Katmandu besser als Friendship-Highway bekannt ist. Die G318 ist einer der weltweit längsten, durchgehend nummerierten Strassen, hat vier Pässe über 5000müm und eine Brücke mit 472m, welche derzeit als die Höchste gilt.    

Ermüdungserscheinungen zeigten die Beine so am 7/8 Tag. Als sich eine Mitfahrgelegenheit mit einem Kleinbussli bot, nahmen wir diese gerne an. Also wir geben gerne zu, ca. 500 Höhenmeter wurden wir ausnahmsweise transportiert.
Die Gegend in der wir nun stecken ist einfach herrlich. Die weite, zur Saison bräundliche Grass-/Hügellandschaft mit stahlblauem Himmel, ab und zu mal eine Wolke und überall strahlende Tibeter, die uns „Taschidele“ = Guten Tag, Wie geht’s, Hallo, bedeutet fast alles… zurufen – stellt auf und spornt an weiter zu strampeln. Hier oben, permanent über 4000müm und keine höheren Berggipfel weit und breit die einem die Sicht versperren, hat man das Gefühl effektiv auf dem Dach der Welt zu sein.  

Wir sind auch essenstechnisch froh, wieder im Tibetenland zu sein. Obschon uns die chinesische Küche sehr gut mundet, hatten wir doch ein paar Erlebnisse damit. So assen wir vom Kuhmagen über Lebern bis hin zum Schweinedarm alles, ohne beim Bestellen zu wissen was da daher kommt. Sehr gut gewürzt geht jedoch alles runter.  

Hier in Litang verlassen wir nun den Sichuan-Tibet-Highway und radeln weiter Richtung Süden nach Shangri-La. Eigentlich planten wir hier nur einen Ruhetag, jedoch beim gestrigen Besichtigungsrundgang des Klosters bemerkten wir, da wird mehr benötigt. Die Beine sind schwach, der Kopf ist müde und der Magen knurrt immer und immer wieder. 

Also liebe Leute unsere Reise wird erst morgen weiter gehen. Könnt gespannt sein, die Höhenmeter nehmen nur ein bisschen ab 😜😅.

„Taschidele“,
Körndle & Patrik

Im Reich der Tiere

Der letzte Bericht war ja nur ein kurzes Lebenszeichen unserer Seits. Hier also etwas mehr Infos:

Das Kloster Labrang, 1709 erbaut, wurde es zu einer Drehscheibe im Handel zwischen Zentralchina, Tibet und der Seidenstrasse. Es gilt als ein wichtiges geistiges Zentrum in Nordwestchina und dient als höhere Lehranstalt des tibetischen Buddhismus. Beheimatet von über 2000 Mönchen ist es eines der sechs grössten, aktiven Klöster.

Die Stadt behielt uns noch einen Tag mehr als geplant, da das Wetter wiedermal auf nass stellte. Da die Ortschaft auf 2800müm liegt und die Hotelzimmer nicht geheizt sind, verkrochen wir uns fast den ganzen Tag unter unserer elektrischen Heizdecke und genossen den Tag mit einfach mal nichts tun. 

Weiter radelten wir am nächsten Tag in Richtung Langmusi (Grenze zur Sichuan Provinz). Zuerst noch einer Nebenstrasse folgend, hatte uns nach ca. 80km die Hauptverkehrsachse (G213) wieder und somit auch die LKW’s. Und just als wir auf der G213 landeten war es auch an der Zeit ein Platz fürs Zelt zu suchen. Die Gegend war jedoch wieder stärker bewohnt und somit viel Land im Ackerbau genutzt. Als wir schon langsam nervös wurden, hielt ein Auto neben uns und der nette (tibetische) Fahrer lud uns sogleich zu sich nach Hause ein. 

Die Fahrräder wurden Parterre im Lagerraum und bei den Schweinen parkiert, gewohnt wird im ersten Stock, denn das Haus steht auf Stelzen. In der geheizten Stube (der Ofen wird mit getrocknetem Kuhmist eingefeuert, da Brennholz rar ist in der Höhe) gab es erst mal ein herzhaftes Tsampa (Weizenmehl vermischt mit Butter, Zucker, steinhartem Käse und Wasser). Tsampa ist ein traditionel Tibetisches Gericht, was immer wilkommenen Gästen vorgesetzt wird. Der „Teig“ wir dann von Hand geknetet und gegessen. Wenn die Mischung zwischen Wasser und Mehl stimmt, verlässt man den Tisch mit sauberen Finger (und sauberer Schüssel) ohne diese zu waschen.

Nächtigen durften wir in der warmen Stube, wobei die Familie sich in die eigenen Zimmer zurückzog. Ein Highlight war auch die Toilette. Plumsklo wie immer, aber die Mauern waren nur halb hochgezogen und somit hatte man perfekte Aussicht. Super Alternative zum Zeitunglesen 😉 .

Nach einem kräftigenden Tsampa (am Morgen ohne Käse) gings am nächsten Tag weiter. In dieser Gegend gehts meistens entweder rauf oder runter, aber nie allzu steil. Die Fahrt nach Langmusi dauerte 3 Tage. Langweilig wurde es uns dabei nie, obschon die Landschaft, nun meist Weideland, durchwegs gleich blieb. Was uns Abwechslung verschuf, waren die Tiere. In dieser Gegen gibt es mehr Yaks, Ziegen und Pferde als Menschen. Die Herden sind meist frei und benutzen auch gerne mal die Strasse, zur Belustigung der Radfahrer und zum Ärger der motorisierten Verkehrsteilnehmer. 

Der Ort Langmusi liegt in einer Gegend, wo die Berge wieder etwas schroffer und die Tähler tiefer sind. Dies macht die Gegend interessant für Trekking, entweder zu Fuss oder im Sattel. Langmusi beheimatet zwei Klöster, wobei das Einte von der tibetischen Gesellschaft finanziert wird und das Andere von der Chinesischen. Und hier sieht man auch den Bezug zum Buddismus beider Völker. Die Tibeter haben weniger Geld um prunkvoll zu bauen, leben die Religion aber mit Leib und Seele. Die Klöster sind voller Leben, die Mönche immer für einen Scherz zu haben und Besucher herzlich willkommen. Auf der chinesichen Seite ist die Kasse praller gefüllt und die Gebäude mit Gold verziert, jedoch spielt sich das Leben hinter verschlossenen Türen ab. 

Was uns hier aber am meisten gefiel, war die Schlucht hinter dem tibetischen Kloster in welcher wir gute 4h umherwanderten. Bei Ankunft trafen wir auf bekannte Gesichter aus Labrang und so hatten wir gleich Gesellschaft beim Abendessen.
Die selben Zwei (Anne & Julian) trafen wir drei Tage später in Songpan wieder. Songpan ist vorallem bekannt für die beiden Nationalparks, Jiuzhaigou und Huanglong. Wir blieben nur eine Nacht und radelten am nächsten Tag gleich weiter Richtung Chengdu. Da wir uns für die Nacht aber ein gutes Hotelzimmer leisteten, nutzen wir dies in voller Länge und brachen erst nach Mittag auf.

Auf der Strecke nach Chengdu nahm der Verkehr nun drastisch zu. Ferienzeit war angebrochen. Im engen Tal war die Fahrtweise der Chinesen beinahe schon lebensgefährlich. So wird überholt, auch wenn man den Gegenverkehr nicht sieht (Rechtskurven, Hügel, Ausfahrten, etc.). Als Velofahrer macht man sich breit um Präsenz zu markieren, was meistens hilft. Von den 360km bis nach Chengdu ist man meist eingekesselt von Bergen und im Anblick der Holzhäuser fühlt man sich fast wie im Wallis. 

Die Gegend welche wir nun durchradelten, wurde 2008 von einem schweren Erdbeben (Magnitude 7.8 / mehr als 70’000 Opfer) heimgesucht. Die Spuren der Verwüstung sind heute noch sichtbar. Auch ein Teil der Strassen ist noch im Wiederaufbau, sodass wir teilweise auf der Autobahn radeln mussten. Zum Glück aber verliesen wir diese rechtzeitg um die Umrundung um den Zipingpu-Stausee nicht zu verpassen. Dieser befindet sich noch auf etwa 1000müm womit die Gegend nun auf tropisch wechselt. Für uns heisst das, feucht, üpige Vegetation und milde Temperaturen.

Die letzte Nacht vor Chengdu verbrachten wir im Ort Shuimo, in welchen uns besonders die Altstadt sehr gut gefiel. 
Angekommen in Chengdu, durften wir uns bei Callum und seinen WG-Genossen einquartieren. In der douplex Attikawohnung mit grosser Dachterrasse fühlten wir uns auch sogleich wohl und konnten endlich unsere 7 Sachen wiedermal ausbreiten (und waschen). Donnerstag Abend war Karaoke in einem KTV-Lokal angesagt. Dazu muss man wissen, dass Chinesen (Asiaten im allgemeinen) verrückt sind nach Karaoke. In guter Gesellschaft und mit viel Bier, verbrachten wir seit langem wiedermal eine Nacht welche erst um 4 Uhr morgens endete. Freitags ging mein Rad in die Werkstadt für die dringend benötigten Reparaturen. Zudem zeigt die Benzinpumpe unseres MSR-Kochers erste Verschleissspuren und wir organisierten uns eine Neue in der Stadt. Samstags war BBQ auf der Dachterrasse angesagt. Organisiert von Peter (einer der WG Bewohner), welcher aus Südafrika stammt, waren es hauptsächlich Seinesgleiche, die anwesend waren. Also viel Fleisch auf dem Grill (alles andere ist Beilage), genügend Bier und schon ist jeder happy. 23:00 deslozierte man dann ins nächste Pub, denn es war Rugby angesagt. Südafrika gegen Neuseeland. Leider hatten die Springbocks das Nachsehen und verlohren haushoch 55 zu 15. Also ab ins Bett.

Am Montag nach der Urlaubswoche kehrte wieder Normalität ein in China und für uns hies das ab in den Pandazoo. Die Tiere sind ja sooooo knudlig 🐼! Wir waren bereits um 8:00 dort, damit wir die Fütterung der Tiere sehen konnten. 

Nun sollten wir heute unsere Fahrräder beim Mechaniker wieder abholen können, damit morgen die Reise in Richtung Kunming weiter gehen kann. 

Lieber Gruss, 

Körndle & Patrik

Zwischenbericht & Ausblick Weiterreise

Wir sind immer noch im Land der Tibeter unterwegs. Heute aufgestanden in Songpan, besser bekannt für die beiden Nationalparks, Jiuzhaigou und Huanglong. Wir haben keinen dieser Parks besucht. Zum Einten, da die Eintritte horend sind (300 Yuan rep. 200 Yuan) und zum Andern beginnen ab heute die „Golden Week Holidays“, wo in China rund eine Milliarde Leute unterwegs sind um irgendwo Ferien zu machen. Also ab nun werden wir für 7 Tage nicht mehr alleine unterwegs sein, die Hotels 300% teurer und im öffentlichen Verkehr kein Platz mehr sein. 

Bis wir Chengdu erreichen, rechnen wir aber noch mit 5-6 Tagen und sollten somit das Schlimmste abwenden können. In Chengdu können wir privat übernachten (Bekanntschaft aus Xining) und mein Velo kriegt endlich ein neues Hinterrad und einen soliden Ständer. 

Mein Hinterrad hat ja arg gelitten auf dem Pamir Highway und bekam Risse bei den Speichenlöcher. Da aber bis Chengdu kein Velomech zu finden war, wo wir das Gefühl hatten der versteht sein Handwerk, wollten wir die Reparatur erst dort ausführen. Bis jetzt hat zum Glück alles gehalten, hoffen wir dass dies auch die nächsten Tage noch so bleibt. Denn komische Geräusche macht das Rad schon lange. 

Was die Weiterreise anbelangt, so haben wir uns entschieden, den Weg von Chengdu über Shangri-La nach Kunming fortzusetzen. In Kunming planen wir einen Abstecher nach Hongkong ohne Fahrräder. Dann radeln wir Richtung Grenze zu Vietnam und hinunter bis Hanoi. In Vietnam gönnen wir uns ein paar Tage am Strand um unsere Radlerbeine zu entspannen. Weiter gehts dann über Laos und Kambodscha nach Bangkok, von wo wir voraussichtlich mitte Januar über Sydney nach Wellington fliegen werden.   

Was aber alles bis hierher passiert ist, schreiben wir euch in einem ausführlicheren Bericht aus Chengdu. 
Lieber Gruss,

Körndle & Patrik

Activity – kennt ihr das Spiel?

Xining haben wir einen Tag später verlassen als geplant. Eine Grippe war im Anflug und so entspannten wir uns nochmals einen Tag im Hostel. Zudem war unser Hostelbesitzer ein super Tourguide und nahm uns mit in die besten Nudelrestaurant und gab uns wertvolle Tips für die Stadt- und Umgebung. Etwa eine Stunde ausserhalb Xining besichtigen wir die erste Tempelanlage des budistischen Klosters von Kumbum. 

Die Extranacht war leider alles andere als entspannend. Unser 6er Zimmer, das wir für eine Nacht zu zweit bewohnen durften, erhielt zwei Neuankömmlinge. Der Taiwanese schnarchte soooooo laut, dass sich die Balken bogen. Kurzerhand nahmen wir unsere Duvets und Kissen und schlichen in ein leerstehendes Hostelzimmer und konnten endlich in Ruhe schlafen.

Xining verliessen wir bei herrlichem Sonnenschein. Die Strassen sind in China gut bis sehr gut und es war Heimat wiederauf dem Fahrrad zu sitzen so nach zwei Wochen Fahrradpause. Wir passierten typische chinesische Dörfer, viel Ackerbau, Blumen gesäumte Strassenränder und Weidelandschaften mit Yaks, Kühen, Schafen, Ziegen und Ross und Eseln. Nach zwei Nächten im Zelt bezogen wir in Tongren ein einfaches aber für uns ein top Hotelzimmer für ca. 10$/Person.

Wir besichtigen das Kloster von Repkong (Tongren) und genossen feines Essen. Es war sowieso regnerisch an diesem Tag und so dachten wir nicht mal im Traum an eine Weiterfahrt. Übrigens in China ist mit Englisch fertig lustig. Deshalb stellten wir auf Activity-das Spiel um. Mit Zeichen(nung)sprache, Pantomime oder direkter Gang in die Küche – so bestellen wir hier unser Essen. Ja wir sind im Land der Nudeln – dicke oder dünne – kann noch gewählt werden. Mit den Stäbchen essen ist zusätzlich eine echte Herausforderung. Auf jeden Fall ist keines meiner T-shirts mehr ohne Flecken. Das „SiletpängunddieFleckensindweg“-Mittel führe ich nun wirklich nicht auch noch im Gepäck mit. Anyway Flecken hin oder her das Essen ist lecker, wir kriegen was wir bestellen. Hauptsache !!! – meist ist es aber einfach sau scharf.

Die Reise führte uns weiter über drei Pässe (der höchste 3644 müm) nach Labrang (Xiahe). Eine Zweitagestour mit Zeltübernachtung, die es in sich hatte. Kaum stand das Zelt, fing es auch schon an zu Regnen und der Schnee folgte lückenlos. Unser Abendessen mussten wir roh verzehren an Kochen im Freien war nicht mehr zu denken – Rüebli, Brot und ein paar Guetzli. Das war nun wirklich Premiere. 

Die Fahrt nach Labrang führte uns über tibetische Grasslandschaften (Hochplateaus auf 3000müm+). Die Dörfer bestehen aus einfachen Hütten und meist tront mittendrin ein budistischer Tempel oder eine Stupa (Gedenkstätte). 

Ach ja, wenn ihr euch wundert, wieso wir für die Ortschaften nun meist zwei Namen brauchen, so ist der Erste meist der Ortsname in Tibetischer Sprache und der Zweite dann auf Chinesisch.  

Morgen besichtigen wir das Kloster von Labrang (Xiahe), eine der grössten budistischen Klosterschulen. Tagsdarauf radeln wir weiter Richtung Chengdu und melden uns wieder aus ? – ist noch in Planung….

Ach ja, die Grippe hat sich verzogen. Es sind keine gute Besserungswünsche nötig :-).
Lieber Gruss,

Körndle & Patrik

Das Land der aufgehenden Sonne

Wir radelten von Sary Tash los in Richtung der Chinesischen Grenze. Da wir die Anfahrt und den Grenzübertritt nicht in einem Tag schaffen würden, zelteten wir noch ein letztes Mal in Kirgistan. Wir fanden ein schönes Plätzchen, direkt am Wasser und nur die Kühe schauten uns zu. 

Am nächsten Morgen hatten wir kein Stress, da die Grenze nur noch etwa 15km entfehrnt war. Also gemütlich los. Die Ausreise aus Kirgistan war super einfach und in 5 min. waren wir durch. Zwischen den beiden Grenzen trafen wir auf eine Gruppe Touristen unter welchen auch Berner waren. Die staunten nicht schlecht, als wir ihnen erzählten, dass wir den ganzen Weg aus der Schweiz mit dem Fahrrad gekommen sind. 

An der Chinesischen Grenzabfertigung angekommen, wurden sogleich unsere Pässe eingezogen. Aufgefordert die Räder stehen zu lassen und dem grimmigen Soldat zu folgen, passierten wir die Grenze schon mal aber nur um herauszufinden, dass die Mittagspause angebrochen war. Netterweise durften wir auf chinesischem Boden unser Mittagessen einnehmen aber die Beamten wollten partout erst wieder um 16:30 zu arbeiten anfangen! Waaassss! So lange wollen wir nicht warten, war es doch erst gerade knapp nach 11:30 auf unserer Uhr. Keiner gemeinsamen Sprache mächtig, erklärte uns der Soldat irgendwann, dass hier bereits alles nach Peking-Zeit tickt und das hiess für uns +2h. Also, alles Betteln hilft nichts, 3h warten ist angesagt. Wenigstens gabs eine leckere Nudelsuppe im Restaurant. 

Nach dem Grenzposten kommt erst einmal 160km Sperrzone und da darf als Ausländer nicht geradelt werden. Sammeltaxis standen bereit und nach 30min. Warten konnten wir uns sogar auf einen Preis einigen. Die Fahrt zur effektiven Zollabfertigung dauerte etwa 2h und war mitunter einer der schönsten Autofahrten, welche ich bis anhin geniessen durfte. Die Landschaft ist fantastisch farbig, grün die Wiesen, blau das Wasser und die Felsformationen leuchteten in den Farben, Braun, Grau, Rot und Gelb. Leider ist das mit dem Fotografieren auch so ne Sache in Sperrzonen. Also behalten wir diese Erinnerung lieber in unseren Köpfen als die Chinesen uns in ihrem Land. 

Die effektive Einreise war dann nur noch formalität und ca. 20:00 waren wir offizielle und freie chinesische Touristen. Nur waren es von der Zollabfertigung bis nach Kashgar, unserem eigentlichen Tagesziel, immer noch 100km. Als unsere Versuche im Ort zu übernachten bereits beim Beziehen von Bargeld scheiterten, entschieden wir uns für die Variante Taxi bis nach Kashgar. Und wir fanden einen waren Taxi-Meister. Nicht wegen seiner Fahrweise (Nachts war er eh halb blind) sondern wegen seiner Packkünste. Er brachte es fertig, unsere beiden Fahrräder in den Kofferraum zu verstauen, ohne dass irgendetwas Schaden genommen hätte. So erreichten wir Kashgar zwar erst spät (nach Abendessen und Umweg auf Nebenstrassen) aber immerhin noch am selben Tag.  

Der nächste Tag gehörte dann mal der Erkundung des neuen Ortes. Die Altstadt in der wir unser Hostel hatten, erinnert mehr an Zeiten von Marco Polo als manch andere Stadt welche wir auf der Seidenstrasse bereist hatten. Die Gassen waren voller Leben und in jeder Ecke feilten Marktverkäufer um ihre Ware. Meist waren dies Früchte, Brot oder sonstige Esswaren, teils aber auch Kessel und Töpfe aus Kupfer, handgeschmiedete Messer oder Kleidung auf Mass geschneidert. Klar gibt es auch den chinesischen Teil der Stadt mit modernen Gebäuden, Supermärkten und viel Propaganda an jeder Hausecke. Uns gefiel aber der alte Teil der Stadt, wo sich die eigentlichen Einheimischen, die Uiguren, aufhielten. 
So hatten wir auch unser erstes Erlebniss mit Abendessen auf dem Nachtmarkt. Man isst sich durch die vielen Stände mit gekochten Eier, gegrilltem Reis, Nudelsalat, gefüllte Teigtaschen oder Schafsinnereien bis hin zum süssen Reis mit Honig und Yogurt. Lecker! Jedenfalls war für uns Kashgar das Paradies, gemessen an der Essensvielfalt, welche im Pamir Gebirge doch zeimlich reduziert war.

In Kashgar besorgten wir uns Fahrkarten nach Urumqi und weiter nach Xining. Also ab an den Bahnhof. Dort angekommen wurden wir 2x durchleuchtet und mussten 2h in der Schlange stehen, bis wir die gewünschten Tickets in der Hand hielten. Die Räder mussten wir als Cargo bereits vorschicken, das Gepäckt durften wir selber schleppen. Da die ersten freien Plätze erst ne Woche nach unserer Ankunft verfügbar waren, hatten wir wiedermal viel Zeit es uns gemütlich zu machen.
Die Zugfahrt von Kashgar nach Urumqi dauerte 16h. In den chinesischen Schlafwagen gibt es meist 6-er Abteile, welche aber nicht durch Türen abgetrennt sind. Trotzdem war die Zugfahrt ganz angenehm, kein lautes Geschnarche oder sonstig erdenkliche Geräusche. Zum Essen gabs? Ja richtig, Nudelsuppe. Mal aus dem roten Pappbecher und dann aus dem Grünen. Einfach mit heissem Wasser aufgiesen und fertig ist das Gericht. 

So erreichten wir Urumqi ganz entspannt (mal abgesehen von dem schweren Gepäck). Die Stadt selber war dann aber doch ehre eine Enttäuschung. Hier fehlt einfach der Charm einer Altstadt. Überall nur moderne Hochhäuser, Shops mit aller erdenklichen Ware und riesen Strassen die als Fussgänger fast nicht zu überqueren sind. In den 2 Tagen, welche wir eingeplant hatten, fande wir dann doch unsere Nischen zum verweilen, waren aber froh, dass es weiter ging.

Nun sind wir in Xining und bereiten unsere Weiterreise mit dem Radl nach Chengdu vor. 
Lieber Gruss, 

Körndle & Patri

4656 müm, Schneegestöber und Murmeltiere

So präsentierte sich uns der zweite und eigentliche Teil des Pamir Highway. Ausgeruht und voller Tatendrang verliesen wir unser Nest in Khorog. Visatechnisch entschieden wir uns, einen Teil per Taxi zu fahren. Da wir uns aber erst an die Höhe gewöhnen mussten, fuhren wir „nur“ bis Jelandy (3400müm) und nicht gleich bis nach Alichur (4000müm). Zwar war auch dieser Anstieg von fast 1500 Höhenmeter von Khorog aus anspruchsvoll für unsere Körper, dank den heissen Quellen die uns aber in Jelandy erwarteten, konnten wir dies gut verkraften. 

Am nächsten Tag gings über einigermassen gute Strassen auf den ersten Pass, Koytezek (4272müm). Eigentlich kamen wir schon fast zu gut voran, was sich dann büste als wir ein Platz für’s Zelt suchten. Denn, wurden wir gewarnt, das Wasser rar sei in dieser Gegend, sahen wir doch drei Seen auf unserer Karte und wollten uns dort mit dem notwendigen Nass versorgen. Was wir aber nicht beachteten war, dass diese Seen salzig sind. Eigentlich schon erstaunlich, befindet man sich auf über 4000müm, trinkt bedenkenlos aus jedem Bach der dahingeflossen kommt (ausser es weiden Tiere weiter oben) und die Seen sind salzig. Wir können uns immer noch nicht erklären, woher dieses Salz kommt. Aber eben, für uns erst mal nix mit zelten. Also mussten wir durchradeln bis Alichur, wo wir uns in einem Homestay einquartierten. 

Übrigens ist die ganze Sache mit den Homestays im Pamir angezettelt und finanziel unterstützt von der Schweizer Eidgenossenschaft. Eh, hat es viele Projekte (Wasserversorgung, Unwetter-Vorwarnung, etc.) die mit Schweizer Kreuz markiert und somit mit Schweizer Geld finanziert sind. 

Nachdem Tajikistan 1991 die Unabhängigkeit erklärt hatte, versank das Land in einem schweren Bürgerkrieg der viele Ressourcen aus der Sovietzeit zerstörte. Zudem kämpfte Tajikistan lange mit dem Nachbar China um die Grenzgebiete im Pamir. Dieser wurde 2011 beigelegt indem eine Landmenge von 1100km2 an China als neutrale Zone abgegeben wurde. 
All diese Unruhen sind heute noch sichtbar in Form von zerstörten Häuser, schlechten Strassen oder einfach fehlenden Mittel (Geld, Gesundheit, Strom, etc.). Da kommt der Tourismus als Einnahmequelle gerade richtig, zumal das Geld so auch in die entlegenen Regionen fliesst. 

Nach einer erholsamen Nacht radelten wir von Alichur weiter Richtung Murgab. Die Höhe machte sich in Form leichter Kopfschmerzen bemerkbar, war aber weiter nicht schlimm. Für die zweite Nacht nahmen wir dann die Hilfe der LKW-Fahrer in Anspruch um genügen Wasser für das Zeltlager zu kriegen. Die meisten Brummifahrer haben 10L oder mehr Wasser mit und geben gerne ein paar Liter ab an dürstende Radfahrer. Eh, denken die meisten motorisierten Verkehrsteilnehmer, dass alle die den Pamir ohne Abgase (mal abgesehen vom Methan-Gas hinten raus) durchqueren, einen Sprung in der Schüssel haben und so ist man der Hilfe sicher wann immer man sie braucht. 

Speziell zu erwähnen gilt hier der Sternenhimmel, welchen man nach Sonnenuntergang betrachten, besser bestaunen kann. Selten sieht man so viele Sterne am Firnament. Besonders in unseren Breitengraden, wo die Lichtverschmutzung markant ist und eine ungestörte Sicht auf den Himmel nicht mehr zulässt. 

Am dritten Tag erreichten wir Murgab, die grösste Ortschaft im Pamirgebirge. Nur viel ist da nicht. Es hat zwar ein Hotel, in welchem wir uns einquartiert haben und sogar ne warme Dusche genossen und einen Bazar, welcher aus alten Schiffscontainer besteht, ansonsten gibt es aber nicht viel. Frisch geduscht und ausgeruht (das Hotel hat Duvets und Matratzen ! ) fuhren wir in den dritten und letzten Teil des Pamir Highways. Diese Etappe radelten wir in Gesellschaft eines Spaniers und eines Franzosen. Gemächlich ging es bergauf zum höchsten Punkt des Pamir Highways und wahrscheindlich unserer ganzen Reise, über den Akbaytal-Pass auf 4656müm. 

Es ist schon erstaunlich, ist man auf 4656müm und alles was man sieht sind noch höhere Berge um einem herum. Wer hier oben eine super Fehrnsicht erwartet wird enttäuscht. Eingekesselt in der Bergwelt schaut man an farbenfrohe Felsformationen gedeckelt von schneebedeckten Gipfeln. Die Sicht auf die höchsten Berge (Peak Lenin 7134müm, Peak Revolution 6940müm und Peak Soviet Officers 6233müm, ehm man beachte die Namensgebung der Berge und wundere sich wer da wohl die Federführung hatte 😉 ) blieb uns allerdings verwehrt, da das Wetter gerade auf Schneesturm schaltete. 

So verliesen wir den Pamir Highway in Sary Tash (Kirgistan) bei gefühlten -20°C und Schnee. Und obschon die Leute in Sary Tash (3200müm) das ganze Jahr da wohnen, sind die Häuser mehr schlecht als recht isoliert und so schlotterten wir uns den halben Nachmittag warm, bis die Elektroheizung endlich ihre Wirkung entfaltete. 

Am nächsten Tag gings weiter an die Chinesische Grenze. Dies aber im nächsten Bericht, der in Balde folgen wird. 

Lieber Gruss, 

Körndle & Patrik     

Es geht weiter

Es geht weiter
Nachdem der Doktor uns grünes Licht für die Weiterreise erteilt hat, fahren wir am Montag erneut in den Pamir Highway ein. Leider kann man das Visum für Tajikistan in Khorog nicht verlängern und somit nehmen wir ein Taxi, welches uns die ersten 100km mitnimmt. In der Gegend von Alichur werden wir erneut auf die Räder satteln. Die Strecke bis zur Kirgisischen Grenze sollten wir in den verbleibenden 10 Tagen bewältigen können. 
Das Pech hat uns jedoch noch nicht ganz verlassen. So entdeckte ich (Patrik) beim putzen meines Rades, dass die hintere Felge feine Risse um die Speichenlöcher aufweist😕. Hoffentlich hält diese bis wir in Kashgar (China) sind, da Ersatzteile bis dort schlicht nicht vorhanden sind. 
Aber nun freuen wir uns zuerst darauf das Körndle wieder fit ist und wir die Weiterreise antretten können. Die nächsten Tage werden wir auf über 4000 müm kletter, in menschenleeren Gegenden unser Zelt aufbauen und die Berge (+7000 müm) des Pamirgebirges bestaunen. 
Also, melden können wir uns frühsten wieder wenn wir in Sary Tash (Kirgistan) oder gar in Kashgar (China) sind. Bis dahin alles Gute und drückt uns die Daumen, dass Mensch und Material auch die zweite Etappe des Pamir Highway besteht. 
Lieber Gruss, 

Körndle & Patrik

Der Pamir Highway, ultimativer Test für Mensch & Maschine

Wir sind in Dushanbe in einem netten Hostel abgestiegen, dem Green House Hostel. Anscheinend Treffpunkt aller Radfahrer, Motorradreisender und sonstigen langzeit Travelers. So hatten wir genug Gspändli um Erfahrenes und Neues sowie Details über die bevorstehende Route auszutauschen. 

Für uns hiess es einsteigen in den Pamir Highway. Die Strasse über welche wir schon so viel gelesen und gehört haben und welche von uns den höchsten Respekt zollt. Aber erst mussten wir uns Materiel dafür vorbereiten. D.h. Linsen und Reis einkaufen, Gewürze aufstocken und Haferflocken für den Poridge besorgen. Zum Glück ist der lokale Bazar nur gerade 5min vom Hostel entfehrnt und da lässt sich alles einfach und günstig besorgen. Zudem ist das Einkaufen auf dem Bazar bereits ein Erlebnis für sich. 

Dann mussten natürlich auch die Fahrräder auf Forderman gebracht werden. Also Ketten entfetten, reinigen und neu ölen, Bremsklötze austauschen und neu einstellen, Schaltung justieren und einfach mal den ganzen Göppel grüntlich waschen. Im Team mit den andern Radreisenden macht dies sogar noch Spass und man gibt sich Tips und Tricks. 

Von Dushanbe selber haben wir ehrlich gesagt ausser bei der Einfahrt und er Ausfahrt nicht viel gesehen. Die Stadt präsentiert sich ziemlich grün, es gibt anscheinend auch einen Park mit einem Welt-Kriegsdenkmal, wir jedoch hatten weder Energie noch Lust die Tage mit rumlaufen in der Stadt zu verbringen. Zumal die Mittagstemperaturen immer noch gerne die 40° Marke knackten. 

Nachdem unser Gedärme auch wieder einigermassen i.O war, konnte die Weiterfahrt losgehen. Mit Conny und Jens, zwei Radfahrer aus Deutschland, nahmen wir die ersten km auf der M41 (offizielle Bezeichnung des Pamir Highways) unter die Räder. Leider mussten wir uns nach der ersten Nacht von den beiden bereits weider verabschieden, weil Conny eine noch nicht ganz auskurierte Magengeschichte erneut zu Schaffen machte.

Zu zweit radelten wir also durch die immer bergiger werdende Gegend. Als uns am zweiten Tag dann auch bereits der Aspahlt unter den Rädern verlies, bekamen wir einen ersten Vorgeschmack wie es weiter oben aussehen würde. 

Ab Tag drei waren die geteerten Abschnitte der Strasse so rar, dass wir jedesmal dankbar waren wenn das Geholper für ein paar Minuten aufhörte. Also von einer Strasse sprachen wir eigentlich schon lange nicht mehr. Grösstenteils war die M41 ein Feldweg, manchmal Flussbett oder Sanddüne. Und so litten unsere Räder und wir mit ihnen. So verlies mich mein Ständer (also der am Fahrrad) indem er einfach wegbrach, meiner Klingel lupfte es den Hut und bei Körndles Flaschenhalterung riss der Haltegummi. Aber nichts, dass wir nicht reparieren oder entbehren können. 

Als dann bei einer Einladung zum Mittagessen irgendwo auf der Weid auch noch der Gaskocher explodierte (nicht unserer), fragten wir uns ernsthaft, ob sich das Glück nun von uns gewandt hat. 

Irgendwie schafften wir den Anstieg auf den Pass (Khaburabot 3252müm) welcher uns ins Tal des Flusses Panj brachte. Der Panj entspringt im Vakangebirge, eine der Gebirgsketten im Pamir und bildet über weite Strecken die Grenze zu Afgahnistan. War die Gegend hoch zum Pass noch weitläufig und begrünt, so gings auf der anderen Seite in einem engen Canyon steil herunter. Die Schlucht war so eng, dass wir Mühe hatten einen Platz für unser Zelt zu finden. 

Am nächsten Tag erreichten wir den Ort Kalaikhum, wo die südliche und die nördliche Route nach Khorog aufeinander treffen. Übrigens haben wir uns für die Nördliche entschieden, obschon diese anstrengender ist, da auf der Südlichen auf einem Anschnitt von über 100km gebaut wird und man vor lauter Staub anscheinend den Vorderman nicht mehr sieht. Von Kalaikhum verläuft die Strasse, welche zwischenzeitlich wieder etwas besser geworden ist, dem Panj entlang bis nach Khorog. Und hier sahen wir auch zum ersten Mal rüber nach Afgahnistan. Einzig getrennt von Wasser, winkt man den Leuten zu und könnte fast mit ihnen einen Schwatz halten, vorausgesetzt man ist der Sprache mächtig. Und doch sind es Welten, die beide Länder trennen. Hier Tajikistan, das nach seiner Bürgerkriegszeit nun als ziemlich sicher gilt und auch dementsprechend auf die Karte Tourismus setzt und da drüben Afgahnistan, das Land welches auf der Liste der gefährlichen Regionen wohl die unrühmliche Spitze einnimmt (evt. zwischenzeitlich abgegeben an Syrien). Trotz aller Medienberichte und öffentlichen Meinungen, die Leute in Afgahnistan winken uns fröhlich zu. 

Das schlechte Ohmen, welche uns vor dem Pass bereits zu schaffen machte wollte aber einfach nicht von uns lassen. So bekam Körndle Schmerzen in der Backe als sich eine, zuerst als Pickel entwickelte Eiterstelle einfach nicht besser werden wollte. Etwa 150 km vor Khorog entschieden wir uns unser Glück per Anhalter zu versuchen. Und bereits der erste LKW, geladen mit Melonen, Karotten und Kartoffeln, nahm uns mit. Unterwegs blockierte ein umgekippter Anhänger die Strasse, sodass wir ein paar Stunden auf die Bergung warten mussten und somit Khorog nicht mehr am selben Tag erreichten. Wir schliefen zu dritt in der Fahrerkabine, wobei Körndle und ich die 60×160 grosse Liegefläche hinter den Sitzen beanspruchen durften.

In Khorog angekommen fuhren wir direkt ins Spital um Körndles Backe untersuchen zu lassen. Wie es sich herausstellte, hatte sie zwei Furunkeln im Gesicht. Diese mussten operativ aufgeschnitten werden, damit das angesammelte Eiter entfehrnt werden konnte. Nun, 4 Tage später geht es uns den Umständen entsprechen gut. Die Wunden verheilen ziemlich gut und wir wohnen in einem netten Hostel, wo sich die Zeit locker mit Essen und Nichtstun verbringen lässt. Die nächste Hürde wird wieder eine administrative sein, denn uns laufen die Tage auf unserem Tajik-Visa aus. Bekommen wir keine Verlängerung der Visa müssen wir die zweite Hälfte des Pamir Highways wohl oder übel in einem Jeep durchrasen.

Aber ob es soweit kommen wird, lest ihr in unserem nächsten Blog.

Liebe Grüsse,

Körndle & Patrik

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