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Mit Sushi und Schafspelz

Aufbruch zu neuen Horizonten

Polen, die Masuren und der Papst

Wir warteten noch die Lieferung unseres neuen Wasserfilters (MSR Guardian) in Deutschland ab, dann gings endlich über die Grenze nach Polen. Bereits die Grenzstadt Swinoujscie, verkündigt neues Leben im neuen Land. Ist der Ostseeteil in Deutschland doch eher ruhig und gesittet, stept nach dem Schlagbalken wieder der Bär. An unzähligen Marktständen wird Ramsch lauthals feilgeboten, Taxis und Kutschen warten auf Kundschaft und, der beibehaltenen Währung Zloti sei Dank, gibt es auch noch die altbekannte Wechselstube.

Die Strassen sind ab nun merklich schlechter und den Veloweg sucht man vergebens. Auch das Tempo der Autofahrer nimmt rassant zu. Überland, Stadtverkehr oder auf dem Parkplatz, die Devise scheint immer die selbe, Vollgas voraus. Nicht immer angenehm für den Radfahrenden. Aber nach dem Moto „Defensive ist der beste Schutz“, kriegen auch wir die Kurve. 

Kurz nach der Grenzstadt fahren wir bereits durch den ersten Nationalpark. Schöne Hügellandschaft direkt am Meer mit imposanten Klippen und dichten Wäldern säumen unsere Route. Auf einem netten, kleinen Camping stellen wir unser Zelt, kochen unser standart Abendmahl und erkunden die 6-7 Häuser der Ortschaft. Ausbeute der Erkundungstour, ein nettes Gespräch mit dem Bademeister und ein leckeres Eis. So macht Polen spass. 

Unsere Route führte weiter Richtung Kotoberzeg, Koszalin und Bytow nach Gdansk (Danzig). Leider stellte Petrus wiedermal auf Sturm und so radelten wir tagsüber eingehüllt in unsere Regenkleider und suchten abends ein trockenes Dach. Bald mal stellte sich heraus, das Essen in Polen ziemlich günstig ist (Abendessen 7-8 CHF/Pers.), die Übernachtung im Verhältnis dazu aber immer noch ihren Preis hat (DZ ab 50 CHF) hat. Aber wir wissen ja mittlerweilen, wie man zu den Schnäppchen kommt. 

Und so landeten wir in Danzig völlig durchnässt bei Adam in der Wohnung. Als die Fahrräder da auch noch mit hinein mussten, hatten wir fast ein schlechtes Gewissen, aber eben nur fast. 

Am nächsten Tag machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Und wer noch nicht weiss wohin sein nächster Städtetrip geht, Danzig sollte definitv ganz oben auf die Liste. Danzig hat eine sehr schöne, grosse Altstadt. Wobei vieles wahrscheindlich gar nicht so alt ist wie es aussieht, haben die Aliierten der Stadt vor ca. 70 Jahren doch so einiges an Blei geschenkt. 

Wir verköstigten uns mit lokalen Spezialitäten, Pierogi (gefüllte Teigtaschen) und eine Suppe im Brot-Topf serviert. Auch fanden wir eine Gelateria die bereits seit über 50 Jahren besteht. Dies ist beachtlich, bedenkt man doch die Knappheit der Güter in der Zeit des Kommunismus. 

Die Weiterreise führte uns am Konzentrationslager Stutthof vorbei. Dieses zu Besuchen war heftig. Wir kennen alle die Grausamkeiten des zweiten Weltkriegs und der Judenverfolgung. Steht man aber auf den Steinen an denen einst das Blut unschuldiger Menschen klebte und schaut man an die Wände die noch stille Zeugen dieser Zeit sind, dann fühlt man sich unendlich traurig im Wissen zu welchen Schandtaten die Menschheit fähig ist. 

Nach einer Nacht in Elblag wollten wir die Schiffsaufzüge des Oberlandkanals erkunden. Um den Höhenunterschied im Gelände zu überwinden, entschied man hier anstelle der üblichen Schleusen, Schrägaufzüge getrieben aus reiner Wasserkraft zu Bauen. Einst des Güterverkehrs gedacht, benutzen die Anlage heute nur noch Touristenschiffe. Sehr eindrücklich, wenn man ein Schiff am Horizont auftauchen sieht und da nur grüne Wiese ist. 

Unsere nächsten Destinationen waren Morag, Lutry, Wegorzewo und Goldap, bevor wir die Grenze nach Litauen überschritten. Besser bekannt als die Masurische Seenplatte oder einfach Masuren, ist die Landschaft ein Mix von Weideland und Wälder durchzogen mit vielen Binnengewässer. Die sanften Hügel, das wenige Vieh und die Höfe ähneln sehr stark dem Schweizer Jura. 

Ebenfalls omnipräsent im ganzen Land sind die mächtigen Kirchen und Klöster. Das Papst Johannes Paul der II als einer der Ihren in den Vatikan geholt wurde, ehrt die gläubigen Polen besonders. Nur den Fremden gegenüber geben sich die Leute ziemlich verschlossen. Nicht mal ein nettes „Dobre“ (kurzform für guten Tag) kriegt man, geschweigen den ein Lächeln geschenkt. Für uns jedenfalls zeimlich ungewöhnlich nach all unseren Begegnungen im letzten Jahr.  

Auf unserem Tagesprogramm stand auch ein Besuch der Bunkerstätte Wolfsschanze an, wo sich A. Hitler von 1941 bis 1944 die meiste Zeit aufhielt und seine Grausamkeiten dirigierte. An diesem Ort wurde am 20. Juli 1944 auch das einzige Attentat auf ihn ausgeführt, erfolglos. 

Und so sind wir nun bereits in Litauen und steuern in Richtung Riga, Lettland weiter nordwärts. 

Lieber Gruss, 

Körndle & Patrik

 

Die Ostsee

Wir sind eine Tagesetappe von der Polnischen Grenze entfehrnt. Genauer bei Jonas in Wolgast, kurz vor der Insel Usedom. 
Ein Autofahrer würde jetzt sagen, dann seit ihr über die A1 und die A20 nach Rostock und weiter nach Wolgast. Ehm, nicht ganz. 

Bremen haben wir bei schönstem Wetter in Richtung Teufelsmoor verlassen. Dahin führt ein sehr schöner Radweg und dem sind wir nach Worpswede gefolgt, eine Künstlerkolonie am Rande des Moors. Die einzige Kunst die wir uns gönnten, war ein leckeres Stück Torte und ein Kaffee. Wir wollten ja nicht als Kunstbanausen dastehen 😉 . 

Auf der Weiterfahrt nach Hamburg stellte sich uns die Elbe in den Weg. Zum Glück hatten ein paar Ingenieure aber bereits ähnliche Sorgen und bohrten einen Tunnel unten durch. Was sie aber anscheinend vergassen, waren die Zu- und Wegfahrstrassen. Also mussten an beiden Enden Aufzüge hin. Und voilà, schon hat man den alten Elbtunnel in Hamburg. Nun nicht mehr für Autos geeignet, sind auch alle viel zu breit geworden, dafür aber umso bequemer für Fahrradfahrer und Fussgänger. 

Da am nächsten Tag aber die Elbe nicht nur durch Hamburg floss sondern auch von oben herunter zu prasseln schien, entschieden wir uns für einen Ruhetag in der Stadt. Zu bieten hats hier so Einiges. Aber nein, wir meinen natürlich nicht St. Pauli, sondern kulturel anspruchsvollere Ziele wie das Miniatur Wunderland. Eigentlich sollte man da über 1h anstehen. Körndle hat den netten Herrn an der Kasse aber so bezirzt, dass uns nicht nur sofort Einlass gewährt wurde, sondern auch noch 10€ weniger bezahlten (Arbeitslosenrabatt).

Von Hamburg gings weiter an den Nord-Ostsee-Kanal, genauer gesagt nach Brunsbüttel/Marne. Und falls irgendwann jemand vom zuständigen Amt der Schleusenwarten auf dem Radweg Hamburg-Brunsbüttel diesen Bericht lesen sollte, „Ihr -Zensur- könnt nächstes Mal ruhig länger arbeiten, damit wir keinen 30km+ Umweg machen müssen weil eure -Zensur- Schleusen bereits geschlossen sind!“. Nach somit 130 anstelle von 100 km kamen wir gerädert bei Ulrike und Peter an. Und die wissen wie man malträtierte Radfahrer wieder auf die Beine stellt. Michel deren Sohn und seine Frau Olga sind auch auf Fahrradweltreise. Um die 5 Jahre sind geplant – alles zu lesen auf http://www.rausgefahren.de.

Ja hier an der Ostsee ist das Wetter ein Thema für sich. Im täglichen, nein stündlichen Wechsel tauschen sich Regen und Sonnenschein. Die einzige Konstante dabei ist der Wind. Und so kam es auch, dass wir verschwitz vom fahren und durchnässt vom Regen bei Eckhart in Rendsburg an der Tür klingelten. Nach einer wärmenden Dusche, die Kleider fein säuberlich gehängt, die Schuhe mit Zeitungen ausgestopft, zeigte sich aber bereits wieder die Sonne, draussen wie auch in uns drin. Mit Fleisch vom Grill und leckerem Couscoussalat rundete Eckhart den Abend für uns ab.

Preetz bei Kiel war das nächste Ziel und auch unser erstes Etappenziel. Bei Ton, der Freund von Pädu’s Mutter Marlis, durften wir eine abwechslungsreiche Woche verbringen. Mit Spaziergang, Fahrradtour durch Preetz und Umgegung, Kinobesuch – Expedition Happiness, sehr empfehlenswert – Abendessen im Schwan, Tagesausflug nach Eckernförde und Schleswig, Hafenbesichtigung in Kiel, Einkaufsbummel ins grosse Einkaufzentrum Citty Park, Fahrräder auf Vordermann bringen….so rannen die Tage nur so dahin. Ausserdem wurden wir von Ton vorzüglich verköstigt, so dass der Abschied schon schwer gefallen ist. Vielen Dank nochmals für alles Ton.

Letzte Woche führte uns die Route über Lübeck, Wismar, Rostock, Strahlsund, Greifswald bis hin nach Wolgast wo wir heute gerade unseren neuen Blog schreiben. Zweimal übernachteten wir bei Warmshower Hosts, einmal in einem Motel weil wir uns trocknen lassen mussten und die restlichen Nächte im Zelt. Die Ostsee Badeorte sind bei Sonnenschein und Wärme wie im Reisekatalog bebildert und beschrieben schön. Sobald aber der Regen fällt, wird es echt garstig und extrem windig und so verliessen wir halt oft die Küstenstrasse und fuhren entlang der Alleenstrassen im Inland. Die hatten auch ihren Reiz. Grün über grün und Kornfelder gesäumt von Klatschmohn, Kamille und Kornblumen soweit das Auge reicht.

Heute werden wir die polnische Grenze überqueren und sind extrem gespannt auf neues Terrain, Sprache, noch nicht gekannte Gerichte und die Menschen.

Es ist und bleibt spannend.

Lieber Gruss

Körndle & Patrik

Und das Rad dreht sich wieder

Die ersten Tage im Sattel haben wir bereits wieder hinter uns. Zu sagen, es fühlt sich an als wären wir gar nie abgestiegen, wäre gelogen. Das Hinterteil schmerzt wieder und die Beine fühlen sich steif und müde an. Aber die Freude des erneut auf der Reise seins überwiegt!

Am Montag radelten wir gerade mal 40km nach Mümliswil. Unterwegs gabs ein Kaffee, spendiert von Ivan (Körndles Cousin) – an dieser Stelle nochmals vielen Dank. Am Ankunftsort versüsste uns die tolle Gastfreundschaft von Chantal & George den Start dann vollends. 

Tags darauf stand bereits das erste Hindernis im Weg, der Passwang. Mit 13% Steigung und unseren nicht grad leichten Rädern schnauften wir auf fast 1000müm, wohl der höchste Punkt für eine Weile. Päde & Sibylle päppelten uns am Abend aber mit einem leckeren Essen und ein paar Bierchen wieder auf. 

Mittwoch Morgen fuhren wir über die Grenze nach Deutschland und wer weiss, wie lange wir nun keinen Schweizer Boden mehr unter den Füssen haben werden. Dem Rhein entlag flussaufwärts gings Richtung Waldshut. Über das Wutachtal radelten wir nach Rottweil (wo die Hunde gezüchtet werden). Wobei uns in Achdorf ein Rast der besonderen Art aufwarten sollte. Lutz Gallinowski bietet allen Durchreisenden Getränke und kleine Snacks an, wobei der Erlös dessen an bedüftige Menschen oder Institution in Nepal geht, welche sich um die Flüchtlinge der von den Chinesen unterdrückten Regionen im Tibet kümmern. Seine eigene Reise und sein gegenwärtiges Werk sind eine grosse Inspiration für mich, vielen Dank Lutz. 

Weiter dem Neckar folgend radelten wir nach Stuttgart. Dort empfing uns Christoph in seiner Wohnung. Und klar, zum Abendessen gab es Spätzle mit Linsen und Würstchen, echt Schwäbisch halt. Christoph ist in seiner Freizeit Imker und so hatten wir am nächsten Morgen auch gleich lecker Honig zum Frühstück. Der Sonntag war unser erster Ruhetag und da war Tagwacht erst um 09:30. Nach dem Frühstück gings mit der Zacke (Zahnradbahn) vom Degerloch runter nach Stuttgart und zu Fuss in Richtung Bahnhof. Wobei dort wütet die Stuttgart 21 Baustelle und am Sonntag auch noch hunderte von Radfahrer, welche an einer Sternfahrt teilnahmen. Mit nem Eis in der Hand gings dann wieder auf den Nachhauseweg.

Nach einer Nacht in Heilbronn haben wir den Neckar verlassen und sind auf einem alten Bahntrasse ins Hinterland geradelt. in Oberneudorf empfing uns Julia in ihrem Elternhaus. Verköstigt wurden wir diesmal mit Grünkorn-Plätzchen und Kartoffelsalat. Grünkorn ist Dinkelkorn, halbreif geerntet und getrocknet. Somit konnte die Dinkelernte bei drohenden Schlechtwetterperioden gerettet werden. Lecker. 

Weiter folgten wir ein kurzes Stück dem Main, dann der Sinn und schlussendlich der Fulda nach Kassel. Den zweiten Ruhetag gönnten wir uns zuerst bei einem Ausflug in den Bergpark Wilhelmshöhe und abschliessend bei einem gemütlichen Abendessen in Begleitung unseres Host, Susanne.

Da es der Fulda und der Weser entlang unendlich viele Zeltplätze gibt, verbrachten wir auch öfters die Nacht zwischen Wohnwagen. Und die Camper sind lustige Leute. Kleine Anektote aus der Bäckerei: 

Er: Ich hätte gerne das Sportlerfrühstück. Die Bedienung: Müsli haben wir keines mehr, darf ich ihnen ein extra Brötchen anbieten? Seine Frau: Ach schon gut, Müsli hat mein Mann sowieso nicht gerne. 🙂

Nun sind wir in Bremen. Den gestrigen Tag schlenderten wir planlos in der Stadt herum und heute besuchten wir das Auswanderermuseum in Bremershaven. Dieses wurde uns von mehreren Seiten empfohlen und ist wirklich eine super Institution. Noch nie war einer von uns über 4h in ein und demselben Museum! Vorallem regt die Ausstellung zum Nachdenken an. Ist die Geschichte der Auswanderungen doch noch nicht so alt (ca.1850 bis 1960). Trotzdem kann man aber bereits wieder Parallelen ziehen zu der heutigen Entwicklung einiger Länder. Nur nennt man die industrielle Revolution heute Industrie 4.0, die Konzentrierung der Macht Erdogan und die Abschottung Brexit.   

Angekommen sind wir an der Nordsee. Weiter gehts an die Ostsee und wir nehmen wiedermal Kurs in Richtung Osten.  

So long.

Lieber Gruss, 

Körndle & Patrik

  

Es geht weiter !!!

Endlich. Die Genesung von Körndle ist soweit fortgeschritten, dass es uns wieder in die grosse, weite Welt zieht. Die Räder sind frisch renoviert und die Reifen prall gepumpt.

Merci beaucoup:

Als erstes möchte ich aber ein grosses Dankeschön an alle aussenden, die uns während unserem Aufenthalt in der Schweiz unterstützt haben. Wir durften bei unseren Familien hausen, deren Autos gebrauchen und wurden rundum verwöhnt. Vielen herzlichen Dank, denn ohne eure Hilfe und das Wissen um einen geborgenen Platz in der Heimat wäre eine solche Reise gar nicht erst möglich.

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Nun aber ne kurze Übersicht, was bei uns in den letzten 4 Monaten so alles gelaufen ist:

Während Kördle sich 100% ihrem Ellenbogen widmete, fand ich einen super Job bei der Biketech AG in Huttwil, besser bekannt für ihr Produkt, die Flyer Elektrobikes (www.flyer.ch). Nach dem kürzesten Vorstellungsgespräch in meiner Karriere war ich verantwortlich für die Fahrzeugflotte an Occasions- und Testfahrräder. An dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön an das Marketing Team von Flyer, ich hatte eine super Zeit bei euch.

Daneben zog es mich natürlich auch in die Berge um den verspäteten aber doch noch gefallenen Schnee zu geniessen.

Aber wir wissen auch, dass wir uns bei vielen unserer Kollegen nicht gemeldet haben. Die Rückkehr in die Schweiz war ja so nicht geplant. Wir wollen doch mit Fanfaren und Trompeten, hoch auf dem Velo, freudestrahlend und braungebrannt zurückkehren. Und dann standen wir an einem verregneten Morgen in Zürich ohne zu wissen wie uns geschehen war. Gescheitert sind wir deswegen sicher nicht, aber es braucht einen zweiten Anlauf um die Reise beenden zu können. Und dann, wir versprechen es hoch und heilig, werden wir das Versäumte nachholen.

und so geht’s nun weiter:

Am Montag 15. Mai stechen wir wieder in hohe See. Diesmal ab in den Norden, quer durch Deutschland nach Preez an die Ostsee. Von da radeln wir alles dem Meer entlang durch Polen, Litauen, Lettland und Estland. Sofern Putin uns gnädig ist, reisen wir über St. Petersburg nach Moskau wo wir die Fahrräder gegen ein Zugsabteil tauschen und mit der Transsibirischen Eisenbahn an den Baikalsee dampfen. Einmal um den See geradelt (falls die Tage im Visum es erlauben) geht die Bahnreise weiter nach UlaanBaatar (Mongolei). Hier steigen wir erneut auf die Drahtesel und radeln über China weiter bis wir Anfangs Dezember Bangkok erreichen. Läuft alles nach Plan, verbringen wir Weihnachten 2017 in Neuseeland.

Und so gibt es ab dem 15.05. nun wieder in regelmässigen Abständen Bericht aus aller Welt.

Viel Spass beim Lesen.

Lieber Gruss,

Körndle & Patrik

Was sich bewährt

Nach über 12’000km in den Beinen glauben wir hier ein paar wertvolle Typs zur Ausrüstung abzugeben dürfen.

Velo: Die beiden Räder von MTB Cycletech (Papalagi & Andale) sind Reiseräder erster Wahl und haben sich ausgezeichnet bewährt. Wir würden diese uneingeschränkt weiterempfehlen. Einzig die Felgen auf dem Papalagi (Mavic XM719) würde ich definitiv nicht mehr wählen. Wurde aber mittlerweile auch von MTB Cycletech aus dem Sortiment gekickt. Ein Bidonhalter für 1.5L PET-Flaschen empfehlen wir sehr.

Reifen: Unsere Schwalbe Marathon Reifen trugen uns über Asphalt, Schotterpiste oder Off-Road ohne dabei Schwächen zu zeigen. Auf der ganzen Reise hatten wir bis anhin nur 2x Platten zu beheben! Für uns ist dieser Pneu ein Muss. Ob es dann ein Mondial sein muss, bestimmt in erster Linie der anteil an Off-Road-Pisten.

Zelt: Die Gretchenfrage ist: Iglu- oder Tunnelzelt? Wir entschieden uns für ein Tunnelzelt, da das Platz-Gewicht Verhältnis eindeutig besser ist. Gekauft haben wir ein Hilleberg Nammatj 3GT. Folgende Punkte wiesen sich aber bald als Nachteile aus:
– Zelt ist nicht freistehend (braucht Heringe). Grosser Nachteil auf Plätzen mit hartem Untergrund (Teer, Beton, gepresste Erde).
– Schlechte Durchlüftung. Es sammelt sich viel Kondenswasser, welches nur mühsam wieder aus dem Zelt gebracht wird.

Nun, wir werden mit unserem Zelt sicher wieder in die Welt stechen aber bei einem erneuten Kauf würden wir uns wahrscheinlich anders entscheiden.

Schlafen: Hier bewähren sich die Unterlagen von Therm-a-rest. Mein 15 jähriges Therm-a-rest gab während der Reise den Geist auf und ich erhielt umgehend ein Neues, gratis. Das nenne ich Service.

Bei den Penntüten zog ich (Patrik) mit einem Marmot Couloir los. Komfortbereich ist bei -11°C und damit eindeutig zu warm für unseren Trip. Ich werde mir einen leichteren Schlafsack gönnen. Körndle kaufte sich vor der Reise einen Western Mountaineering Apache MF. Komfortzone bis -4°C. Sie friert sich jedoch schon bei einer Aussentemp. von +5°C den A. ab.

Küche: Ein Benzinkocher ist ein Muss! Den Gas gibt es nicht überall, Benzin aber schon. Wir hatten einen MSR WhisperLite der uns guten Dienst erwiesen hat. Was unbedingt mit ins Gepäck muss ist ein Sparschäler, ein scharfes Messer, eine kleine Schneidunterlage und ein Schwamm zum Abwaschen.

Ersatzteile: Nebst Ersatzschläuchen (je 2 Stk.) hatten wir einen Faltreifen mit (nie gebraucht), Ersatzspeichen (auch nicht), Kettenglieder und Kettenschloss. Zudem ausreichend Putzlappen und gutes Kettenöl. Ersatz-Bremsgummi, Schalt- und Bremszüge gehören selbstverständlich mit ins Gepäck.

Bitte behaftet uns nicht auf die Vollständigkeit der Liste.

Schöne Bescherung

Voller Vorfreude haben wir uns aus Vietnam verabschieded. Kulinarisch hat uns Vietnam auch an den letzten Tagen nicht mehr sonderlich beglückt und so freuten wir uns über die wieder etwas würzigere Laotische Küche. 

Doch dann sollte alles anders kommen. Am zweiten Tag nach der Grenze hatte Cornelia einen Sturz und brach sich dabei den Ellenbogen. Von da an funktionierten wir beide nur noch im Modus „Emergency“. Als uns bewusst wurde, dass Körndle nicht mehr aufs Rad steigen kann, organisierten wir einen Transport ins nächste Spital um den Schaden zu checken. Ohne Worte, aber mit Handzeichen und Bildern erklärten wir den Leuten vor Ort, dass wir ein Taxi brauchen. Als der nächste Sammeltransport angerauscht kam, notabene schon fast voll, stand das halbe Dorf auf die Strasse und handelte für Körndle einen Platz in der Fahrerkabine, für mich ein Sitz auf der Ladefläche und für die Velos Stauraum auf dem Dach aus. 

Nach 4h Fahrt erreichten wir Phonsavan und somit auch ein Spital mit Röntgenapparat. Obschon wir Laien auf den Röntgenbildern nichts erkennen konnten, meinte der Arzt, gebrochen und eine Reperatur wäre nur in Vientiane (Hauptstadt Laos) möglich. 

Also holperten wir am nächsten Tag geschlagene 11h in einem Minibus, mit viel zu kurzem Sitzabstand, durch bezaubernde Landschaften nach Vientiane. Auf der Reise wurde uns aber klar, dass solch ein Eingriff der Hand eines Fachkundigen bedarf und wir die Operation lieber in der Schweiz machen lassen. Denn das was wir an Spitäler auf unserer Reise bis jetzt angetroffen haben, weckt nicht gerade viel Vertrauen. 

Das Bewusstsein, dass unsere Reise so einen Unterbruch erfährt und wir nun wieder in die Schweiz reisen, anstelle das Jahresende in Südostasien zu verbringen, nagte stark an unserem seelischen Wohlbefinden. So ein jäher Abbruch/Unterbruch all unserer Pläne und Ziele muss zuerst verdaut werden.   

In der Hauptstadt angekommen, quartierten wir uns in einem netten Hotelzimmer ein, mit viel Platz, um die Fahrräder und unser Gepäck zu verpacken. Am nächsten Morgen machte ich mich auf die Suche nach 2 Velokartons und geeigneten Taschen um unsere Sacochen reisetauglich zu verpacken. Dann gings ans verpacken, umpacken, wieder entpacken…. stundenlang. Körndle übte sich in ihrer Geduld, da einarmig keine grosse Mithilfe geleistet werden konnte. Zwischendurch ein Thaicurry zwischen die Zähne (Thailand ist ja nur gleich über den Mekong) und abends ein Bierchen um den Stress etwas zu vergessen. 

Zum Glück konnten wir aber gleich Flüge mit Thai ab Vientiane nach Zürich buchen und zwei Tage später waren wir bereits in der Luft. Einzig die Velos gaben noch Diskussion am Flughafen. Die Dame hinter dem Schalter wusste nicht wie das Extragewicht der Fahrräder zu berrechnen und wollte uns 55$ pro Kilo Übergewicht abknöpfen. Bei 82kg anstelle 60 wären das somit 1’210$ Aufpreis und mehr als das die Flüge uns kosteten! Aber unser Verhandlungsgeschick lässt uns auch hier nicht im Stich und so bezahlten wir schlussendlich 150$ für beide Räder und das ist mehr als ein fairer Preis. 
In Kloten wurden wir von Paul und Ändu in Empfang genommen. Ich kann den beiden nicht genug danken für ihren Supprt, denn nun konnte ich zum ersten mal seit dem Unfall die Verantwortung abgeben. Nach einem Kaffee und einer Dusche gings gleich weiter ins Inselspital. Operiert wurde Körndle dann am 24. was zum Elend des Sturzes ihr auch noch das ganze Weihnachtsfest vermieste. 

Nun sind wir alle wohlauf bei den Eltern von Cornelia in Grafenried untergebracht. Ich mache mir Gedanken, wie ich die Zeit der Genesung verbringen will und werde mich nach einer Temporärstelle umschauen. Körndle lagert ihren Arm hoch und lässt sich von allen Seiten verwöhnen. Und gemeinsam schlagen wir uns mit einer Versicherung um die Ohren, von welcher wir noch keine Zusage haben, dass die Behandlungskosten auch gedeckt sind. 

Für uns ist aber eines klar, dies ist ein Unterbruch und kein Abbruch der Reise. Also, ihr könnt gespannt sein, wann und wo es wieder weitergeht. All das erfährt ihr natürlich über diesen Kanal. 

Lieber Gruss und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht euch, 

Körndle & Patrik  

Good Morning Vietnam

Nachdem wir bei Michael in Kunming weitere zwei gemütliche Tage verbracht haben, liessen wir uns mit Bus an die Grenze China/Vietnam fahren. Die Strecke schenkten wir uns aus verschiedenen Gründen – keine grösseren Highlights, angekündigte Baustellen und das Wetter. Am Tag der Abreise war es in Kunming recht kühl Im Nieselregen fuhren wir zur Busstation und auf der Fahrt Richtung Heku, Grenzort, regnete es wieder mal recht stark. Bevor unser Material im Bauch des Buses verstaut werden durfte, gabs wieder riesen Diskussionen wegen Preisen und ob all das Material überhaupt grundsätzlich mitgenommen wird. Mit Pädu’s Coolman-miene und Verhandlungsgeschick war bald ein Preis bestimmt und es durfte geladen werden. Aber Achtung was steht da genau auch noch im Bauch des Buses? Drei riesen Gitterkäfige voll kleiner jaulender Hunde. Die sind so eng eingepfercht, dass die einander bepinkeln und die Scheisse ist toll am dampfen. Na ja das ist China, da herrschen andere Gesetze – Tierschutz wieso? Augen zu und durch.

In Heku durften wir unsere Taschen zuerst einmal von Hundepisse und Scheisse befreien. Ich habe zum Glück ein kleines No-Name-Parfüm bei mir und damit sprayte ich alles am Abend im Hotelzimmer noch so richtig ein. Das war unsere letzte Nacht in China und wir konnten endlich wieder das Fenster über nacht geöffnet lassen, da das Wetter auf schwül-warm und Sonne umgestellt hatte.

Am 30. November überquerten wir die Grenze nach Vietnam, unserem 17. Land. In 5 Tagen radelten wir durch Bananenplantagen, entlang dem Red- und Lu-River und genossen die warmen Sonnenstrahlen. Auch muss nun vor Abfahrt wieder an Sonnencreme gedacht werden. Im Gegensatz zu den versteinerten Minen der Chinesen, winken uns hier die Leute lachend entgegen.    

In Hanoi nächtigten wir bei Quyin, einem Warmshowerhost. Es war und ist ein Erlebnis. Sein Zuhause ist vollgepackt mit Allerlei. Von der Türe bis zum Bett hatten wir eine schmale Einbahnspur und für das Material blieben noch so knappe 1m2. Wo beginne ich hier mit Aufräumen – waren oft die letzten Gedanken vor dem Einschlafen ;-).

Er war uns aber sehr behilflich in Sachen Essen. Wir sind beide ins Chinesische Essen vernarrt und waren enorm enttäuscht als wir in Vietnam in ein Restaurant einkehrten. Ausser Reis, Eier und etwas Grün gabs noch bitteren Grüntee, aber das wars dann. In Hanoi fanden wir endlich das viel gerühmte Vietnamesiche Essen. Nudelsuppe mit würzigen Kräutern und zum Frühstück brachte uns Quyin immer „Stickyrice“ (Klebereis) mit Zwiebeln und vermanschten Erbsen – so ala Röschti. Was uns in Vietnam die Speisekarte aber jeden Tag bereicherte, war die Auslage an bekannten und unbekannten Früchten, meist frisch vom Baum um die Ecke. 

Das Treiben in Hanoi beschreibt man am besten als „Motorrad-fahrender-Ameisenhaufen“. Es gibt zwar Trottoirs, nur nicht für Fussgänger, sonder als Parkplatz für Motorräder, was den sonst! Als armselige, herumlaufende Kreatur steht man dementsprechend am unteren Ende der Nahrungskette.  

Dr Samichlous haben wir verpasst, jedoch kam ds Christchindli bei uns schon etwas früher. Wir gönnten uns eine Halong Bay Cruise Tour auf einem 3* Schiff. Einmal für drei Tage Tourist – echter Tourist – sein und die Gedanken baumeln lassen. Der Bus holte uns „zu Hause“ ab und führte uns bis zum Schiff. Einmal die Kaijüte bezogen gabs den Welcome Drink und anschliessend Mittagessen. Schlag auf Schlag gings weiter mit einer Höhlenbesichtigung und Kajaken. Für die Dusche gabs 30 Minuten Zeit und schon wieder Essen mit vorab einem Vietnamesischen Portwein Apéro. Nach einer kurzen Nacht erhielten wir um 6.30h eine Kurzbleiche in Tai Chi. 7.00h Frühstück und 7.40h Abfahrt zur Perlenfarm, wiederum Kajaken oder Schwimmen dazwischen Mittagessen. Zurück auf dem Hauptschiff stand wieder ein Apéro und leckeres Nachtessen auf dem Programm. Die Rückfahrt in den Hafen am letzten Tag verbrachten wir lesend auf dem Deck und genossen nochmals die enorm schöne Aussicht in die traumhaften vielen Inselchen. Ein rundum Sorglospacket, fast schon schweizerisch pünktlich durchorganisiert, das wir wärmsten weiterempfehlen können. Danke auch Dir Ändu für die vorab guten Tips und Empfehlungen.

Die letzten fünf Tage sind wir wieder per Rad unterwegs und werden voraussichtlich übermorgen die Grenze nach Laos überqueren. Vietnam hätte noch viel zu bieten. Jedoch führt uns unsere Reise weiter nach Laos und Thailand. Am 10.01.2017 erwartet uns die Thai Airways und fliegt uns nach New Zealand.

Bis dahin heisst es nochmals strampeln was das Zeug hält. Kurz vor der Laotischen Grenze steht uns einen Aufstieg von 1000 m bevor wiederum auf nur kurzer Strecke. Wir hoffen auf keine senkrechte Wand 🙂 🙂 :-).

Wo und wie wir die Festtage verbringen werden ist unklar. Respektive wir nehmen diese auch nicht wirklich wahr. Ausser ein paar mini Tannenbäume und kleineren Merry Christmas Werbungen gibts hier nichts was uns daran erinnert.

Wir wünschen unseren Familien, Freunden, fleissigen Bloglesern und Kommentarschreibern frohe Festtage. Die feinen Guetzlis sollen mit Euch sein.

Frohe Festtage

Körndle & Patrik

Odyssee Hongkong

Bereits ein paar Wochen zum Voraus haben wir diesen Abstecher nach Hongkong geplant. Schliesslich mussten wir ja Flugtickets organisieren und diese sind bekanntlich günstiger im Voraus (oder gratis im Nachhinein).

Die Idee unsere Reiseroute zu verlassen, die Fahrräder für ein paar Tage zu parkieren und nach Hongkong zu fliegen hatten wir um die dort lebende Burgdorfer Delegation zu besuchen. Zudem kam es uns gelegen, dass wir ein paar dringend benötigte Sachen an eine uns vertraute Adresse schicken lassen konnten.

Bei Michael, unserem netten Gastgeber in Kunming, durften wir die Velos und das meiste unseres Gepäcks für ne Woche einstellen. Nach einem gemütlichen Abend (Körndle bekochte uns und wir Mannen kümmerten uns ums Bier), mussten wir am nächsten Morgen bereits um 4:00 aus den Federn. 07:45 war Abflug. 

Hongkong präsentierte uns an diesem Morgen mit einem Mix aus Wolken und Sonne. Noch am Flughafen bezogen wir unsere Octopuskarten (el. Zahlungsmittel für Metro, Bus und kleine Beträge in Shops) und stiegen in den Bus Richtung HK Island. 40min dauerte die Fahrt, entlang am Meer, an Wolkenkratzern und an viel Wald. Ja, Hongkong ist wohl einer der dicht besiedelsten Orte der Welt, jedoch ist man fast von überall innert kürzester Zeit im Grünen. Der längste Wanderweg geht über 100km und man bewegt sich konstant ausserhalb der Stadtgrenze. 

Nun, was noch wichtig zu erwähnen ist, obschon Hongkong seit 1997 zu China gehört, gelten hier eigene Spielregeln. Z.b.braucht man als Europäer kein Visum, bezahlt wird in Hongkong Dollar und die offizielle Sprache ist Kantonesisch. Anders herum aber, reist man aus China nach Hongkong, verliert das China Visum seine Gültigkeit. Da wir nur ein „single entry“ Visum für China hatten, bedeutete dies, wir müssen in HK ein neues lösen.

Angekommen auf der Insel, quartieren wir uns erstmal bei unserer Gastfamilie, Chloe und Jacques ein. Nachdem unsere hungrigen Bäuche gefüllt waren, machten wir uns auf, die Stadt zu entdecken. Ab ins doppelstöckige Tram und auf nach Causeway Bay, schliesslich haben wir ein grosse Shoppingliste mit nach Hongkong genommen. Im Gegensatz zu China sind hier die Importzölle viel tiefer, was ausländische Ware erschwinglich macht. Nur der Tag und Ort war die falsche Wahl unsere Shoppingtour zu starten. Die vielen Leute erdrückten uns fast und schnell hatten wir die Schnauze gestrichen voll, sodass wir wieder zurück in unser neues Zuhause zottelten. 

Montag morgen war Visum Tag. Gemeinsam mit unseren Gastgeber standen wir auf (7:30), sie an die Arbeit und wir auf in die Chinesische Botschaft. Da wir auf nummer sicher gehen wollten, besorgten wir uns vorab Kopien aller erdenklichen Dokumente. Einmal in der Botschaft, warteten wir ca. 1.5h bis uns ein Schalter zugewiesen wurde. Hierzu ist anzumerken, draussen war es sommerlich warm, drinnen aber sibirisch kalt. So schlotterten wir in Shorts und T-Shirt wartend vor uns hin. Einmal am Guichet nahm die Unfreundlichkeit in Person unsere Papiere entgegen, blickte kurz darauf, schmiss uns das ganze wieder entgegen und meinte nur kurz „Namen fehlen auf der Hotelbuchung und wo ist der Rückflug (aus China)?“ Aber wir reisen doch Überland! Keine Diskussion, nächster bitte. Ups, was nun.

Das mit der Hotelbuchung war easy, einfach einen neuen Ausruck besorgen, erledigt. Wo nehmen wir aber eine Flugbuchung her, die wir so nicht machen werden?! Wir hatten die Idee, ein Zugsbillett bis an die Grenze zu lösen. Kosten 3CHF p.P. nicht so tragisch wenn wir die verfallen lassen. 

Am Nachmittag Runde N°2 auf der Botschaft. Natürlich wieder 1,5h warten. Mit der Dame hinter dem Schalter hatten wir nun etwas mehr Glück. Nur auch die wollte uns kein Visum geben ohne Rückflugbestätigung. Oh, je, werden wir unsere Räder jemals wiedersehen? Beim Abendessen erzählten wir Jacques und Chloe von unserer Misere. Jacques meinte nur, wieso nicht einen fiktiven Rückflug vorweisen? Gesagt getan, kopierten wir das Dokument von unserem Hinflug, änderten das Datum und schon hatten wir unsere Bestätigung. 

Dienstag 09:00 zurück auf der Botschaft. Da Wartezeit hielt sich diesmal in Grenzen. Überzeugt, dass wir alle Dokumente vorweisen können, traten wir an den Schalter. Erste Frage: Wo ist der Ausreisestempel von eurem Aufenthalt in der Türkei? Was, wie, wo nun?! Was spielt hier die Türkei für ne Rolle??? Aber gut, Leute hinter der Scheibe einer Botschaft haben natürlich immer Recht. Also einmal erklärt, dass das verschmierte Ding neben dem Einreisestempel der Ausreisestempel ist, ging die Fragerei weiter. Was habt ihr in der Türkei gemacht? Wieso habt ihr ein Jahr Urlaub? Wo geht die Reise sonst noch hin? Wie finanziert ihr das? Ihr kommt doch aus Kunming, wieso fliegt ihr dahin zurück? usw. Die ganze Fragerei brachte uns ziemlich aus dem Ruder und obschon unser Dossier angenommen wurde, waren wir überzeugt, dass wir am Freitag einen negativen Bescheid entgegennehmen werden und so nicht wieder nach China zurückreisen können.

Dies hat uns natürlich den ganzen Tag versaut. Wir schlenderten noch etwas lustlos durch die Läden und versuchten uns von den negativen Gedanken abzulenken. Draussen regnete es nun in Strömen, was auch nicht gerade hilfreich war um unsere Stimmung aufzuhellen. Erst am Abend, als wir zu viert beim Inder um die Ecke speissten, konnten wir die Misere etwas vergessen. 

Am Mittwoch wechselten wir Gastgeber. Die neue Bleibe war in Sai Kong, etwa eine Stunde mit dem Bus aus der Stadt. Wir haben diesen Ort gewählt, da hier ein paar super schöne Wanderungen starten und zudem die besten Strände von Hongkong anzutreffen sind. Leider war das Wetter an diesem Tag immer noch regnerisch und so verbrachten wir die meiste Zeit irgendwo drin.

Unser neuer Gastgeber überraschte uns mit einer Flasche Wein und französischem Brie. Wow, genau das was unsere Seele nun braucht. Als am nächsten Tag uns auch noch die Sonne vom Himmel lachte, war die Welt wieder in Ordnung. Unserer Wanderung stand nichts mehr im Wege. Zudem trafen wir am Abend meine Kollegen und wie es sich gehört unter Schweizern die fern der Heimat sind, man geht ins Swiss Chalet und bestellt ein Fondue! Gut, in der Schweiz würde der Koch wohl nicht mehr lange dort arbeiten aber für ein Fondue gute 10’000km ab der Heimat war es ganz ok. Wichtiger war die gute Gesellschaft. Und wir erhielten ein Stück Appenzeller und eine Tafel Nussschokolade frisch importiert aus der Schweiz. Was will man da noch mehr. 

Freitag war Tag der Wahrheit. Zurück bei der Botschaft ging nun alles sehr schnell. Wir beide am Eingang, nur einer darf rein, ich hoch, 3. Stock, Schalter 1, Quittung abgeben, 400HK$ bezahlen, Schalter 2 Pässe entgegennehmen und wieder raus. Alles ging so schnell, ich hatte nicht einmal Zeit nervös zu werden. Das Beste aber, wir hatten unser neues China Visum 🙂🙃🙂. 

Am Samstag wechselte das Wetter wieder auf Sturm. Zum Glück luden uns Jacques und Chloe nochmals zu sich ein und wir wurden mit einer Tartiflette (Käseauflauf) und einer Flasche Weisswein verwöhnt. 

Am Flughafen kam aber nochmals Nervosität auf, als der Mann am Check-in Schalter nach dem Rückflug fragte. Da wir den fiktiven Rückflug mit der selben Airline getrickst hatten wie unser regulärer Flug, konnte wir hier natürlich nicht schwindeln. Also tischten wir ihm die Wahrheit mit der Überlandreise auf. Darauf hin mussten wir einen Zettel unterschreiben wo draufstand, dass die Airline nicht verantwortlich gemacht werden kann, wenn uns der Zoll bei der Landung in Kunming abweisen sollte. Ok, langsam machten wir uns über solchen Schwachsinn keine Gedanken mehr. Und auch diesmal sollten wir Recht behalten. In Kunming fragte keine Sau nach irgendwelchen Rückflügen oder sonstigen Papieren. Es war spät, alle wollten nach Hause, wir hatten ein gültiges Visum, also Stempel rein und adios amigos.

Müde aber glücklich fielen wir bei Michael ins Bett. 

Wie es weiter geht, erfährt ihr im nächsten Bericht. 

Liebe Grüsse,

Körndle & Patrik  

Lijiang – Kunming, nässer als nass – mehr geht nicht!

Um Lijiang zu verlassen brauchte es viel Überwindung. Die Nacht durch regnete es stark und die Progrosen meldeten kein Ende für die kommenden zwei Tage. Am Morgen war es Nieselregen, jedoch kaum ausserhalb des Ortes prasselte das Wasser nur so auf uns runter. Somit absolvierten wir nur 25 Km und mussten im einzigen Ort auf dieser Strecke ein Zimmer nehmen. Die Betten hatten Heizdecken sonst war alles kalt. Wir kochten unser Essen im Zimmer auf dem Plattenboden und verkrochen uns dann auch bald in den etwas wärmeren Betten. Dusche gabs nicht und die Toilette war auf der Etage – nicht gerade die schönste. Egal wir waren am Trocknen und draussen wütete das Unwetter weiter.

Die Kleider konnten nicht trocknen, das hiess am nächsten Morgen Zähne zusammen beissen und rein in die noch feuchten Kleider. Wir wussten, dass auch dieser Tag sehr nass werden wird. So war es dann auch. Wasser und Schlamm floss in Bächen die Strassen hinunter. In tieferen Stellen kumulierte sich beides zu knietiefen Seen durch welche wir radelten oder wateten (je nach Untergrund). Ein Glück das unsere Sacochen wasserdicht sind und halten, denn waren diese doch öfters auch 2/3 eingetaucht. Später kamen zum Mix Wasser & Schlamm dann auch noch Baustellen hinzu, welche unser Fortkommen partout verhindern wollten. Wieder durchnässt bis auf die Haut und vollgespritzt von Kopf bis Fuss gelangten wir nach Shaxi. Erneut eine Nacht im Hotel, die Kleider nur halbwegs trocken, das ist schon deprimierend da die Landschaft sich doch sehr für’s Zelten eignen würde – nur nicht soooo nass.

Shaxi ist eine der letzten Orte aus den Anfängen der Tea-Horse-Road Zeit. Die Stadt muss gute 1400 Jahre alt sein, wovon viele alte Gebäude und ein Amphitheater zeugen. Sehr beliebt ist auch der grosse Markt am Freitag. Leider sahen wir weder den Markt (wir waren am Mittwoch dort) noch sonst viel von der Stadt, da das Wetter nicht gerade zum Sightseeing einlud.  
Endlich am dritten Morgen zeigte sich die Sonne. Die Reise konnte auf fast trockenen Strassen weitergehen. Durch die starken Regengüsse wurden die Strassen aber vielerorts mit Geröll, Steinblöcke und Dreck verschüttet. Wir holten uns wie am Tag zuvor nicht nur nasse Schuhe sondern nun braun-matschig-schlammig-grüslige Schuhe – knietief!!!

Dem war noch nicht genug. Aufs mal fehlte die Brücke (weggespühlt) und wir mussten Gepäck und Fahrräder einzeln über einen schmalen Steg und schlüpfrigen Terrassenwägli auf die andere Seite tragen. Nässe, Dreck, Schleppen, Schwitzen, das wäre ja alles noch ertragbar wenn dann nicht noch einer das Gleichgewicht verliert. Nur ein kurzer Blick in die falsche Richtung machte mich duselig und ich ladete inkl. Taschen im schlimmsten Reisfeld voller Schlamm. Lustigerweise blieb ich für einmal ganz ruhig. Pädu schüttelte nur den Kopf und konzentrierte sich auf seine Schritte. Mancher der vielen Zuschauer lachte kurz, die Frauen hatten Mitleid und eine deutete mir auf ein Haus etwas weiter der Strasse entlang, es habe da Wasser zum waschen. Ja somit musste ich mich bis auf Radlerhose und BH ausziehen und alles vom Schlamm befreien. Die Arme fühlten sich an wie im Gips. Das war wirklich eine Saubüetz alles wieder rein zu kriegen. Die nassen Sachen wieder angezogen, trocknet alles super schnell in der Sonne. Und diesen Abend fanden wir sogar ein hervorragendes Plätzchen um wiedermal unser Zelt aufzustellen. Perfekt. 

Am nächsten Tag wollten wir die Stadt Dali erreichen, das bedeutete aber gute 100km und ein paar knackige Höhenmeter. Den ersten Teil der Strecke folgten wir dem selben Tal wie die letzten 2 Tage. Im unteren Teil war die Baumnussernte in vollem Gange. So konnten wir uns für 2x nichts mit Baumnüssen eindecken. Eine gute Abwechslung für unsere Ernährung. Die meisten Nüsse werden jedoch wohl Exportiert denn man findet kaum Produkte oder Gerichte damit in den lokalen Shops. 

Gegen 20h erreichten wir unser Hostel in Dali. Der Manager vom Colour of Wind ist selber ein Tourenfahrer und er lässt Velofahrer für die ersten drei Nächte gratis in einem der Dormitories übernachten. Nice! Nach einem langen & anstrengenden Tag war für uns dann auch schnell Lichterlöschen. Der nächste Tag startet für Körndle aber mit mehrmaligem Gang zu Toilette. Da war definitv ein Käfer im (Anm)arsch. So verbrachten wir die nächsten Tage auf der sonnigen Terrasse mit Lesen, Essen und Entspannen. Dali liegt zwar nahe bei einem schönen See, von diesem sieht man aber aus der Stadt nichts. Touristen welche aus dem Bus oder Zug steigen wandern auf einen der Berge hinter Dali (4-5h Rundgang), müde Radfahrer lassen aber auch das sein. 

Nach 4 Tagen ging es Körndle wieder besser und wir setzten unsere Reise fort. Kunming war die nächste Destination, welche wir in 5 Tagen erreichen wollten. Die Strecke wurde uns als mühsam beschrieben. Baustellen und viel Verkehr sollte uns erwarten. Die ersten zwei Tage waren jedoch sehr angenehm. Die Strasse führte uns durch Landschaften gespickt mit kleinen Seen, grünen Hügeln und vielen Reisterrassen. Auch fanden wir an beiden Tagen gute Zeltplätze welche uns eine angenehme Nachtruhe bereiteten. Dann aber kam die angekündigte Baustelle. Gute 30km lang wurde an einer neuen Strasse gebaut. Die Alte war bereits weggerissen, so dass der ganze Verkehr über die noch im Rohbau befindliche Strasse ratterte. Zudem war es nun fast unmöglich einen geeigneten Platz fürs Zelt zu finden. Als es bereits dunkel war, buchten wir uns wiedermal in ein Hotel. Ausserdem entschieden wir uns am nächsten Tag den Bus für die letzten 200km nach Kunming zu nehmen. 

Dank der Aktion mit dem Bus hatten wir sogar noch Zeit unser Visum für Vietnam einzuholen, bevor wir den Abstecher nach Hongkong in Angriff nahmen. Dass uns diese Visum noch viel Ärger ersparen würde, wussten wir jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Dazu und zu unserer Reise nach Hongkong aber im nächsten Blog.

Liebe Grüsse,

Körndle & Patrik   


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